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Die schwimmende Kirche

Wenn die Gläubigen nicht zur Kirche kommen können, kommt die Kirche zu den Gläubigen. Ein Priester hat für die Menschen im schwimmenden Dorf Prek Toal ein Kirchenschiff gebaut. Die ARD berichtete am 28. Juli 2010 in einer Reportage über das außergewöhnliche Gotteshaus.

Die Menschen rudern zum Gottesdienst.
© David Sünderhauf / missio

Wenn sonntags in aller Herrgottsfrühe der katholische Priester Heri zum Gottesdienst einlädt, rudern die Menschen zu seiner Kirche. Langsam gleiten die schmalen Boote über das ruhige Wasser der Flussmündung am Tonle Sap See in Kambodscha. In einem weißen Gewand und mit offenen Armen begrüßt der Priester die 48-jährige Khon Chuen. Sie legt das Ruder zur Seite, er reicht ihr die Hand. Von ihrem schwankenden Boot tritt sie mit einem großen Schritt an Bord des Kirchenschiffs. „Sei willkommen, Khon Chuen. Ohne dich kann der Gottesdienst natürlich nicht anfangen“, lächelt der Seelsorger. Denn Khon Chuen ist bislang die einzige getaufte Katholikin.

Die Menschen in dem schwimmenden Dorf Prek Toal haben nie festen Boden unter den Füßen. Rund 500 Familien wohnen auf dem Wasser in kleinen Bootshäusern, die Kinder werden in einer Schule auf dem Wasser unterrichtet. Als schulreif gelten die Mädchen und Jungen, wenn sie schwimmen können. Ansonsten wäre die Gefahr zu groß, dass sie auf dem Schulweg ertrinken könnten. Die Bewohner des Wasserdorfes leben von Fischfang, Schlangenjagd und Krokodilzucht.

Das schwimmende Dorf.
Das schwimmenden Dorf Prek Toal liegt im Herzen von Kambodscha. © David Sünderhauf / missio

Das schwimmende Gotteshaus gäbe es ohne die Katholikin Khon Chuen nicht. Sie wird in der Hauptstadt Phnom Penh getauft bevor das Pol Pot Regime an die Macht kommt und alle Religionen verbietet. Terror, Vertreibung und Massenmorde bestimmen das dunkelste Kapitel von Kambodscha. Khon Chuen kommt mit dem Leben davon und findet in dem schwimmenden Dorf Prek Toal ihr neues Zuhause.

Sie hat sich nach dem Ende des Terrorregimes immer offen über ihren Glauben gesprochen. Ihr schwimmendes Haus wurde zu einem Treffpunkt von Menschen, mit denen sie über den Sinn des Leben diskutierte. Doch irgendwann wurden es zu viele. „Unser kleines Häuschen drohte zu versinken, weil die Bambusrohre und das Holz nicht mehr als ein Dutzend Menschen tragen konnte“, erinnert sich Khon Chuen. Besonders an Weihnachten war unser Haus überfüllt.

Die Katholikin Khon Chuen.
Die Katholikin Khon Chuen hat immer davon geträumt, dass es in dem schwimmenden Dorf eine Kirche gibt. © David Sünderhauf / missio

Sie träumte von einer kleine Kapelle, einen Ort der Stille zum Beten, einen Platz für ein gemeinsames Weihnachtsfest.

„Es war im Jahr 2005, da begann ich zu Gott zu beten: Bitte schenke uns eine Kirche“, erzählt Khon Chuen. In Kambodscha, wo nur rund 23.000 Katholiken leben, trifft sie zufällig den Missionar Heribertus Bratasumdarma und erzählt von ihrem Traum. Der Priester ist begeistert von der Idee. Das Kirchenschiff wird zu seiner Mission. Nach langem Suchen findet er ein kleineres altes Frachtschiff, auf das in mühevoller Kleinarbeit eine Kirche aus Holz aufgebaut wird. Am 12. November 2006 erfüllt sich der Traum der kambodschanischen Katholikin Khon Chuen. 34 Jahre nach ihrer Taufe wird die schwimmende Kirche von Prek Taol geweiht. Und ohne Hilfe von außen und Spenden wie von missio in Deutschland würde es das Kirchenschiff nicht geben. „Inzwischen treffen sich jeden Sonntag rund 100 Frauen, Männer und Kinder in der Kirche“, erläutert der Missionar. Bislang ist Khon Chuen die einzige Katholikin. „Alle anderen Gottesdienstbesucher hören hier zum ersten Mal von Jesus und den 10 Geboten“, berichtet er.

Mädchen aus dem schwimmenden Dorf.
Als schulreif gelten die Kinder, wenn sie schwimmen können. Ansonsten wäre die Gefahr zu groß, dass sie auf dem Schulweg ertrinken können. © David Sünderhauf / missio

Der Missionar will keine schnellen Taufen. Er ist davon überzeugt, dass der Glaube reifen muss. „Wir alle brauchen einen Sinn in unserem Leben. Wir alle suchen das Licht“, sagt er über die Menschen, die in seine Kirche kommen. „Ob jemand wirklich bereit zur Taufe ist, lässt sich meist erst nach drei oder vier Jahren erkennen.“

Während des Gottesdienstes lädt er die Jugendlichen ein, ihn am nächsten Samstag zu begleiten, wenn er mit dem Boot die Armen in dem schwimmenden Dorf besuchen will. Beladen mit Lebensmitteln rudert er zu einer älteren Frau, die keine Familie mehr hat. Sie ist krank und lebt unter elendigen Bedingungen. Das Holz ihres Hauses ist alt und vom Wasser aufgeweicht. Father Heri bringt ihr etwas zu essen und verspricht nächste Woche wieder zu kommen und zu helfen, ihr Hausboot zu reparieren. Die Jugendlichen wollen ihm dabei helfen. Dann steigt er wieder in sein kleines Boot der Nächstenliebe, nimmt das Ruder in die Hand und kehrt wieder zum Kirchenschiff zurück.

Beten auf dem Kirchenschiff.
Beten auf dem Kirchenschiff. © David Sünderhauf / missio

Die ARD berichtete am 28. Juli 2010 in der Fernsehreportage „Mission impossible – Missionare im Kreuzfeuer“ über das Kirchenschiff in Kambodscha.

Priester Heri auf dem Weg zum Kirchenschiff.
Der katholische Priester Heri betreut mehrere Gemeinden. Mit seinem Boot macht er sich auf den Weg zum Kirchenschiff. © David Sünderhauf / missio
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