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"Bedrängt, verfolgt, vertrieben"

Von Matthias Kopp.

28. Juni 2011

Zur Situation christlicher Minderheiten

Bei der Sorge um die verfolgten christlichen Minderheiten richtet sich der Blick schnell auf islamisch geprägte Länder oder China. Jedoch führt – nach dem aktuellen Bericht der Aktion „Open Doors. Im Dienst der verfolgten Christen weltweit“ – seit Jahren Nordkorea die Liste der Länder an, die für schwerste Christenverfolgungen bekannt sind. Schwierig bleibt, wie Open Doors sichere Zahlen ermittelt, dennoch ist die Situation der Christen unter anderem auch in Ländern wie Vietnam, Iran, Afghanistan, Saudi-Arabien, Somalia, Malediven, Jemen, Irak, Usbekistan, Laos, Turkmenistan oder Aserbaidschan kritisch. Seit Monaten werden auch aus Pakistan brutale Übergriffe gemeldet; kürzlich wurde hier der einzige christliche Minister ermordet.

Besonders virulent ist auch die Situation der Christen im Mittleren und Nahen Osten. Im Irak gibt es regelrechte Christenverfolgungen. Faktisch ging es den Christen unter Saddam Hussein aufgrund des laizistischen Staatssystems besser. Seit seinem Sturz und der – unter internationaler Vermittlung ermöglichten und tolerierten – Verfassungsänderung, ist der Islam Staatsreligion und die Scharia bevorzugte Rechtsquelle für die Gesellschaft. Brennende Kirchen und nicht zuletzt das Massaker in einer Kirche von Bagdad im Herbst 2010 richten sich gegen eine Minderheit, die seit 2000 Jahren das Christentum zwischen uphrat und Tigris prägt.

Für den syrischen Staat ist die Religionsfreiheit – trotz einer vom Islam dominierten Staatsreligion – ein wichtiges Gut. Unter dem Regime in Damaskus, das zur schiitischen Minderheit der Alaviten gehört, fühlen sich die 10 Prozent Christen und ihrer Kirchenführer sicher. Die derzeitigen Unruhen verheißen nichts Gutes. Was der Aufstand in Syrien in diesen Wochen für das Land und die Christen dauerhaft bedeutet, lässt sich nicht abschätzen. Der Staat weiß – auch jetzt – die Leistungen der Christen im Bereich des karitativen Wirkens und zahlreicher multireligiöser Schulbauten zu schätzen.

Schwieriger wird die Lage im haschemitischen Königreich Jordanien. Die sozialen Unruhen verstärken sich und Moslembruderschaft en, vor allem im Süden des Landes, stellen eine Gefahr für die Stabilität dar. Knapp drei Prozent Christen leben – unter dem Schutz des Königshauses – in relativer Freiheit, aber häufi g genug gibt es Repressalien im Alltagsleben. König Abdulllah II. schätzt den Beitrag der christlichen Minderheit zum Bildungssystem im Land. Nicht zuletzt der Besuch von Papst Benedikt XVI. vor zwei Jahren war für ihn eine Bestärkung, Glaubens- und Religionsfreiheit zu garantieren.

Mitte März hat der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof FouadTwal, eine andauernde Verfolgung der Christen im Nahen Osten beklagt. Das Blut Christi fließe weiter „durch das Blut der Märtyrer und unschuldigen Opfer im Irak, in Ägypten und überall dort, wo Christen verfolgt und misshandelt werden“. Gerade in Jerusalem werde es immer kritischer: „Man bespuckt Menschen, die ein Kreuz oder einen erkennbaren Habit tragen, man spuckt auf die Würde der Menschen, aus Angst, Ignoranz oder schlechter Erziehung. In der mangelnden Sensibilität gegenüber der Würde des Menschen und dem Fehlen jeglichen Schuldbewusstseins liegt die schwerste Schuld unserer Zeit“, so Twal. Der Erzbischof spricht aus, worum es auch geht: Jenseits einer Christenverfolgung in vielen Ländern, bei denen Menschen getötet oder vertrieben werden, gibt es auch eine latente Christenverfolgung, bei der Christen Repressalien oder Erniedrigungen erleben. Was in Jerusalem der Anfang einer wachsenden Gefahr ist, hat sich in Ländern, die einst laizistisch waren, wie der Irak, in blanken Hass verwandelt, die zum unaufhaltbaren Exodus der Christen führte; umso schlimmer, da die Christen in der Regel zur gut ausgebildeten Mittelschicht gehören.

Matthias Kopp

Archäologe, Journalist, Theologe, leitet seit vielen Jahren Ferienakademien in den Nahen und Mittleren Osten. Er ist Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz.

Wird heute nach Ägypten oder Tunesien geblickt, so bleibt festzuhalten: Fraglos haben die Kirchenführer oft allzu lange mit den Mächtigen der Regierungen das Gespräch gesucht – oder wie in Ägypten – auch eng paktiert. Nun liegt es im Geschick der Kirchenführer, sich auf die Seite derer zu stellen, die für Freiheit und Demokratie kämpfen. Das Überleben der christlichen Minderheit wird künftig unter den veränderten politischen Bedingungen eng mit ihrem Verhältnis zur Macht zu tun haben. Deshalb ist es gut, wenn politische Stiftungen aus Deutschland, die kirchlichen Hilfswerke und andere Einrichtungen vor Ort helfen, den gesellschaft spolitischen Prozess mit zu gestalten und die Kirche vor Ort „ins Boot“ zu holen. Zweifelsfrei wird der höchsten Lehrautorität des sunnitischen Islam, der al-Azhar-Universität in Kairo, im Demokratisierungsprozess Nordafrikas eine bedeutende Rolle zukommen. Ihre Führer haben in den vergangenen Jahren wichtige Beiträge zum praktisch gelebten Dialog der Religionen veröffentlicht. Gelingt es ihr, auch das religiöse Freiheitsrecht der Christen zu verteidigen, dann besteht Hoffnung, dass das Wort „Christenverfolgung“ der Vergangenheit angehören könnte.

Quelle: Journal der Thomas-Morus-Akademie Bensberg 2/2011
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