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"Vertrauen ist die Basis eines christlich-muslimischen Dialogs."

Prof. Dr. Harald Suermann

21. Juni 2011

Vom 13. Bis 18. Juni reiste eine Delegation der deutschen Bischofskonferenz unter der Leitung des Bamberger Erzbischofs Dr. Ludwig Schick in den Irak. An der Reise nahm auch Professor Dr. Harald Suermann, Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio (MWI), teil. Im Interview berichtet er über die Lage der Christen im Irak.

Herr Professor Suermann, wie ist die Lage der Christen im Irak, besonders derer, die in den Norden nach Kurdistan geflohen sind?

Suermann: Der Norden des Irak ist für Christen sicher. Es gibt dort keine Anschläge, keine Entführungen oder Morde. Allerdings gibt es dort wirtschaftliche Probleme. Die Flüchtlinge aus den anderen Landesteilen sind in Notunterkünften untergebracht und finden keine Arbeit. Voraussetzung dafür, dass die Christen im Land bleiben, ist deshalb neben der Sicherheit die Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten. Es ist wichtig, sich für die einzusetzen, die das Land verlassen mussten und keine Chance mehr haben zurückzukehren. Aber es ist auch wichtig, denen vor Ort in ihrem eigenen Land Sicherheit und Perspektiven zu geben.

© Harald Suermann / missio

Die Reise trug den Namen „Solidaritätsreise“. Warum ist es so wichtig, Solidarität zu zeigen?

Suermann: Die Christen im Irak sind sehr stolz auf ihre 2.000 Jahre alte Geschichte. Umso schmerzhafter ist es, zu sehen, dass immer mehr auswandern und die Gefahr besteht, dass die Kirche dort zu einer nicht wahrnehmbaren Minderheit wird. Solidarität zu zeigen ist enorm wichtig. Zu wissen, dass sie nicht allein sind und es Leute gibt, die an sie denken, gibt den Christen im Irak viel Kraft, Kraft weiter zu machen und den Gegebenheiten standzuhalten. Mich hat der ungeheure Lebenswille trotz der vielfachen Hilflosigkeit sehr beeindruckt. Gerade die Priester und Bischöfe, die entführt wurden oder deren engste Freunde oder Familienangehörige ermordet wurden sind furchtlos und kehren nach ihrer Freilassung in die Gefahrenzonen nach Bagdad, Kirkuk oder Mosul zurück. Sie tun das, um den Christen beizustehen, die nicht fliehen können oder dem Terror nicht weichen wollen. Und sie tun das aus christlicher Überzeugung. Wir sollten sie dabei nicht allein lassen und alles dafür tun, dass sich die Lage im Irak verbessert und die Menschen friedlich zusammen leben können.

In wieweit ist ein christlich-muslimischer Dialog möglich und was kann dieser überhaupt bewirken?

Suermann: Vertrauen ist die Basis eines solchen Dialogs. In der Großstadt Kirkuk im Nordirak funktioniert das zum Beispiel sehr gut. Dort hat die Delegation drei sunnitische Imame und einen schiitischen Sheikh getroffen. Im letzten Monat, dem Marienmonat, wurde gemeinsam in einer Kirche ein Mariengebet vorgetragen. Doch oft ist es für die Muslime schwierig, da sie unter dem Druck von Fundamentalisten stehen. Interreligiöse Begegnung ist also nicht immer eine Frage des guten Willens, sondern auch eine Machtfrage. Dennoch ist der Dialog, wenn er ernsthaft betrieben wird, in der Lage, gewalttätigen terroristischen Kräften entgegenzuwirken. Denn er fördert bei der Mehrheit der Bevölkerung ein positives Bild von Christen und wirkt dem Zulauf zu Fundamentalisten entgegen.

© Harald Suermann / missio

Kann Kurdistan einen Modellcharakter für die anderen Regionen des Landes bekommen?

Suermann: Ich glaube leider nicht, dass Kurdistan ein Vorbild für die sunnitische und die schiitische Region ist. Das ist durch die momentane politische Situation nicht gegeben. Die Kurden sehen sich in erster Linie als Kurden und erst in zweiter Linie als Muslime. Während die Schiiten und Sunniten sich in erster Linie als Muslime sehen und in zweiter Linie als Iraker.

© Harald Suermann / missio

Wie kann die Kirche im Irak gestärkt werden?

Suermann: Eines unserer Ziele ist die Einrichtung eines zentralen Büros als Ansprechpartner für alle Diözesen, um eine bessere Vernetzung zu ermöglichen. Dieses Büro soll kirchliche Entwicklungsprojekte koordinieren und alle Diözesen bei wirtschaftlichen, sozialen und pastoralen Fragen unterstützen. Also beispielsweise bei Fragen zu Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder zu Maßnahmen zur Traumabewältigung. Um qualifiziert arbeiten zu können spielt in dem Zusammenhang die Ausbildung von Laien eine wichtige Rolle. missio fördert zahlreiche solcher Ausbildungsprogramme. Zurzeit gibt es außerdem zwei große Katechese-Programme, also Programme in denen Kinder von klein auf bis zur Ehevorbereitung begleitet werden, aber auch Programme zur Ausbildung von Katechisten. Ebenso werden die Katholische Fakultät und die Ausbildung mit Stipendien unterstützt.

Das Interview führte Verena Vierhaus.

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