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Angst vor dem gewaltsamen Umbruch

Dr. Otmar Oehring

25. November 2011

Menschenrechtsexperte Oehring über die Christen in Syrien

Der Aachener Menschenrechtsexperte Otmar Oehring hat in Beirut (Libanon) an der Konferenz zur Zukunft der Christen im Nahen Osten teilgenommen. Wesentlich bestimmt war die Tagesordnung von den aktuellen Unruhen in Ägypten und in Syrien, beide Länder hat Oehring in den vergangenen Wochen bereist und zur Situation der Christen recherchiert. - Teilnehmer der Konferenz waren Bischöfe und Patriarchen der Länder im Nahen Osten, Vertreter der europäischen Bischofskonferenz sowie europäische Parlamentarier.

Wie groß ist der Bevölkerungsanteil der Christen in Syrien?

Es sind relativ viele Christen dort. Man redet von bis zu zehn Prozent Christen, die es in Syrien gibt. Die Zahl der beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) registrierten christlichen Flüchtlinge in den Nachbarländern des Irak belief sich Ende August auf ungefähr 25.500, davon rund 13.500 allein in Syrien. Verglichen mit den großen Flüchtlingszahlen der letzten Jahre ist das keine übergroße Zahl mehr. Die Flüchtlingspopulationen in sämtlichen Nachbarländern des Irak haben stark abgenommen. Wir haben in den schlimmsten Zeiten von insgesamt ungefähr 2,4 bis 2,5 Millionen Flüchtlingen geredet und darunter hat man 100.000 bis 200.000 Christen vermutet. Das ist vorbei. Die Muslime sind zu einem großen Teil wieder in den Irak zurückgekehrt. Viele Christen sind abgewandert, wenige über offizielle Aufnahmelösungen wie hier zum Beispiel in Deutschland.

Wie stellt sich die Lage der Christen in Syrien gegenwärtig dar?

Die Situation der Christen in Syrien ist von Angst und Ungewissheit geprägt. Angst, weil man nicht klar sehen kann, wie die Zukunft sein wird. Die Kirchenobrigkeit hat sich meines Erachtens zu lange an das Regime geklammert und gehofft, dass das Regime überleben wird. Es gibt aus Kreisen von Christen inzwischen sehr kritische Worte über die Situation. Ich hatte die Gelegenheit zum Gespräch mit einer oppositionellen Christin, einer Anwältin, die ganz klar gesagt hat: Ein Wandel mit Assad ist eigentlich undenkbar. Er hat zu viele Versprechen gegeben, die er faktisch nicht gehalten hat, weil all das, was das Regime auf Druck getan hat, nur ein Herumbasteln an Symptomen war. Solange nicht grundsätzliche Änderungen und ein konkreter Zeitfahrplan angekündigt werden, etwa eine neue demokratische Verfassung, kann man keine Beruhigung der Lage erwarten.

Wie war die Stimmung unter den Tagungsteilnehmern?

Es herrscht die Einsicht: Man kann nicht davon ausgehen, dass es heute eine Diktatur und morgen eine Demokratie gibt. Unabhängig davon haben Tagungsteilnehmer mit Nachdruck festgestellt, dass der Arabische Frühling ein unumkehrbarer Prozess sei. Ein Regime wie das in Syrien hat gar keine Chance, sich diesen Umwälzungen zu entziehen. Allerdings dürfte es wohl wenigstens zehn Jahre dauern, bis man klar sehen kann, was aus diesem Arabischen Frühling geworden ist.

Wie positionieren sich die Christen?

Von christlichen Gläubigen wird die Amtskirche kritisiert, weil sie bis auf den heutigen Tag immer noch für das Regime und gegen irgendeine Änderung spricht: So etwa dezidiert der griechisch-katholische Patriarch, Gregor III. Gleichwohl muss man natürlich den Befürwortern des Assad-Regimes zugestehen, dass niemand wissen kann, was ein Umbruch bringen könnte. So ist die Reaktion "Bleiben wir bei dem, was wir kennen. Das war eigentlich immer eine gute Sache" durchaus nachvollziehbar. Mehr und mehr Christen sind dafür, dass es einen Wechsel gibt. Natürlich ist bei den Christen die Befürchtung groß, dass, ähnlich wie in Tunesien und auch in Ägypten, die Muslimbruderschaft die Macht übernehmen könnte. Unabhängig davon sind immer mehr Menschen auf jeden Fall für einen Wandel in Richtung Demokratie.

© wikimedia.org

Inwiefern stehen die Christen im Fokus der Regimegegner? Gibt es eine gezielte Propaganda gegen Christen und werden Christen besonders als Stützen des Regimes herausgestellt? Wie stark sind Christen in die Staatsverwaltung und in die Partei, die ja auch von den Christen gegründet wurde, involviert?

Christen befinden sich in einem starken Nähe-Verhältnis zum Regime. Sie sind vom Regime gekauft worden und haben sich auch kaufen lassen. Auch in Syrien haben Christen viele bedeutende Positionen inne, wenngleich sie nie an den Schaltstellen saßen. Es hat bisher keine anti-christlichen Äußerungen gegeben. Es soll einzelne Übergriffe auf Christen gegeben haben, aber da wäre zu prüfen – was momentan nicht möglich ist – ob es Streitigkeiten auf Dorfebene waren, wie man sie immer wieder hat, oder ob es schon um anti-christliche Übergriffe im eigentlichen Sinne ging.

Wie stark sind Christen inzwischen in der Opposition aktiv? Bei den Steine werfenden Jugendlichen oder bei den Kräften, die von der türkischen Grenze aus versuchen einzuwirken?

Der Anteil der Christen an der Opposition – egal, welche der Gruppen gemeint ist – scheint marginal zu sein. Es wird von Einzelnen gesprochen, die in der Hinsicht aktiv sind.

Wie sieht es in Syrien und im Libanon mit der Abwanderung von Christen aus?

In Syrien und im Libanon sitzen die Leute wie in allen arabisch-islamischen Ländern auf gepackten Koffern. Im Grunde hat jeder seinen Koffer unter dem Bett oder besser schon in Paris und das Interessante ist auch: Welchen Syrer oder Libanesen Sie auch fragen, er hat möglicherweise selbst einen französischen oder amerikanischen Pass neben seinem libanesischen oder syrischen oder er hat zumindest in der Familie Leute, die in diesen sicheren Ländern leben und die ihm vielleicht helfen könnten, auch noch dorthin zu kommen. Das ist aber ein altes Phänomen. Natürlich versuchen mehr und mehr Leute aus Syrien wegzugehen, es sind aber noch immer nicht die großen Zahlen, die man aus anderen Ländern wie zum Beispiel Ägypten hört. Aber es wird befürchtet, dass sich das massiv beschleunigen wird, wenn es tatsächlich zu einem Wandel kommt.

Die Fragen stellte Christoph Schmidt, Redakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur in Bonn.

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