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Inhalt

Wer Glück hat, ist wenigstens noch am Leben

Zur Lage der Christen in Syrien.

7. Mai 2012

Ein Interview mit missio-Projektpartner Issam Bishara, Antelias/Libanon.

1. Ist die Waffenruhe zum Scheitern verurteilt?

Seit dem 12. April 2012 traten beide Parteien, die syrische Regierung und die Rebellen, in eine durch die Vereinten Nationen vermittelte Waffenruhe. Trotz des ursprünglichen Plans für eine Waffenruhe ab dem 10. April, gingen die militärischen Auseinandersetzungen zwei Tage weiter, und man verkündete völlige Waffenruhe erst am 12. April. Am 15 April gab es Berichte zu Artilleriefeuer über Homs und über mehrere Dutzend Tote und Verletzte in ganz Syrien wegen Verstößen gegen die Waffenruhe auf beiden Seiten - ungeachtet des Versprechens auf Feuerpause.

Am 23. April erreichte die Gewalt in Syrien angeblich wieder eine Spitze mit bis zu 80 Getöteten landesweit. Am 1. Mai 2012 erklärte Hervey Ladsous von der Friedenssicherung der Vereinten Nationen, dass beide Seiten das Abkommen zur Waffenruhe vom 12. April verletzt hätten. Ban Ki-Moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen, sagte, es sei unerlässlich, dass Regierung und Opposition in gleichem Maße voll und ganz mit den Beobachterkräften der UN zusammenarbeiteten.

2. Wie ist das Verhältnis zwischen Christen und der Regierung zur Stunde?

Das syrische Regime beschützt noch immer die christlichen Gemeinden an fast allen Orten, wo das Regime den Boden kontrolliert. Zu Zwischenfällen kam es vor allem in Homs, als Protestierende und fanatische, islamische Gruppen einen Teil der Stadt, das Bab Amro Quarter, kontrollierten, in dem schätzungsweise 200 Christen getötet wurden. Die andere Sorge gilt dem Terrorismus, der jeden und überall treffen kann, vor allem christliche Soldaten und ihre Gemeinden.

Zu Beginn der Aufstände sangen angeblich einige Demonstranten “Christen nach Beirut, Aleviten in den Sarg”. Jedoch tauchten keine Videos auf, die solche Sprechchöre bestätigen, und die Opposition beschuldigte die Regierung, einen Keil treiben zu wollen. Ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee wies darauf hin, dass dies ein religiöser, islamischer Kampf gegen eine weltliche Regierung sei. Er behauptete: „Zum ersten Mal können wir das Wort Gottes im ganzen Land verkünden“.

Es gab unbestätigte Berichte, dass die Christen von Homs von einer Brigade der Freien Syrischen Armee aus ihren Häusern vertrieben worden seien. Lokale Quellen berichteten, dass islamische Oppositionsgruppen Massaker gegen die Christen und Aleviten von Qusayr begangen hätten. Die in Homs lebende Jesuitengemeinde verneinte diese Behauptungen und sagte, dass Christen von sich aus gegangen seien, um der Gewalt der Aufstände zu entfliehen.

3. Um was geht es den Protestierenden?

Die Protestbewegung in Syrien war anfangs zurückhaltend und brauchte eine Weile, um an Schwung zu gewinnen. Öffentliche Demonstrationen in ganz Syrien begannen am 26. Januar 2011 und entwickelten sich in einen nationalen Aufstand. Die Demonstranten forderten den Rücktritt von Präsident Bashar al-Assad, den Sturz seiner Regierung und ein Ende von annähernd fünf Jahrzehnten Regierung durch die Baath Partei.

Der Aufstand hat religiöse Untertöne. Die Opposition wird von Sunniten dominiert, während die führenden Persönlichkeiten der Regierung Aleviten sind, die mit dem Shiitischen Islam verbunden sind. Das heißt, die Opposition gewinnt Unterstützung durch sunnitische Staaten, während die Regierung öffentlich durch den von Shiiten dominierten Iran gestützt wird.

4. Was ist die Rolle der Kirche in Syrien?

In solchen Krisenzeiten finden die Christen Zuflucht in ihren eigenen Kirchen. Die Priester und Nonnen haben eine gewaltige Rolle zu erfüllen: Die Pastoralarbeit muss weitergeführt werden, zusätzlich zur sozialen Arbeit im weitesten Sinne müssen sie die Bedürftigsten identifizieren und notwendige Mittel und Quellen finden, um sie mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen, und überdies sind sie in der Rolle des Guten Hirten, der seine Herde sicher durch Gefahren bringen muss.

Während des Konfliktes drückte die Mehrheit der Kirchenführer verschiedener Konfessionen und Riten ihre Sorge über die Eskalation und Gewalt sowie deren Auswirkungen auf Minderheiten aus. Sie riefen ihre Gemeinden dazu auf, Ruhe zu bewahren und es zu vermeiden, Position zu beziehen - weder für das Regime noch gegen die Protestierenden. Aber das vorherrschende Gefühl in christlichen Gemeinden ist eine tiefe Besorgnis darüber, dass der Arabische Frühling mehr fanatisches, politisches Leben zum Erblühen gebracht hat als Toleranz und die Anerkennung gleicher Rechte für Christen. Sogar Tunesien, wo das ehemalige Regime über 50 Jahre lang auf einem völlig weltlichen Ansatz und Tradition basiert hat, wechselte zu einer islamisch dominierten Regierung. Gerade gestern forderten große Demonstrationen die Errichtung eines komplett islamischen Staates.

5. Was sind die Hauptprobleme der Christen? Wie leben sie?

Die Mehrheit der Christen in Syrien lebt nicht konzentriert in einer bestimmten Region. Vielmehr sind sie über das ganze Land verstreut, was ihre Sicherheitslage kritischer macht.

Jedoch ist die Mehrheit der Christen – mit einziger Ausnahme der Christen in Homs – in ihren Gemeinden und in ihren Häusern geblieben. Aber wie wir aus verschiedenen vertrauten Quellen wissen, haben die christlichen Familien angefangen, einen sichereren Platz für ihre Familien zu finden, für den Fall, dass der Aufstand und militärische Interventionen in ganz Syrien mit dem gleichen Szenario wie in Homs ausbrechen.

Damaskus und Aleppo, die beiden größten Städte Syriens, blieben durch die syrischen Streitkräfte relativ gut gesichert und kontrolliert und alle Christen in diesen Städten genießen noch immer ihre Freiheit und praktizieren ihren Glauben wie üblich.

In der Stadt Homs konzentriert sich die Mehrzahl der Kirchen und Erzbistümer aller Konfessionen in der gleichen Gegend. Dieses Viertel war Gegenstand einer militärischen Konfrontation zwischen Milizen und Regierungskräften und die meiste Zeit benutzten Männer der Miliz Christen in den Kirchen als Schutzschilde, um sich vor dem Geschützfeuer in Sicherheit zu bringen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass einige Ikonen in den Kirchen absichtlich von den Oppositionsmilizen zerstört wurden.

Trotz der Schwierigkeiten, genaue Statistiken zu bekommen, geht unsere aktuelle Schätzung davon aus, dass es vor der Militäreskalation in Homs rund 1500 christliche Familien aller Riten gab. Gegenwärtig und nach dem Abzug der Milizen von Bab Amro leben nur 400 Familien in Homs, in dem von den Aleviten dominierten Viertel.

Die Sicherheitslage ist noch immer sehr angespannt, einerseits wegen der Gefahr eines Hinterhalts, andererseits wegen Plünderungen.

Eine Schwester erzählte uns heute morgen, dass die 500 Familien, die ihr Haus während der Schlacht verlassen und Schutz in Tartous und Damaskus gefunden haben, ihre Häuser und ihr Eigentum ausgeraubt und sogar konfisziert wiedervorgefunden hätten. Die Familien, die sich dafür entschieden haben, zu bleiben, leben in Angst und Armut. Die meisten von ihnen können wegen der Gefahr eines Hinterhalts ihre Unterkunft nicht verlassen und natürlich hat keiner von ihnen auch nur das geringste Einkommen. Der einzige Grund für sie in Homs zu bleiben ist, ihren Besitz zu schützen - und weil sie keinen anderen Ort haben, wo sie hingehen könnten.

In dem alten Stadtviertel von Homs wird keine Messe mehr zelebriert, da die Mehrzahl der Christen die Gegend verlassen hat und für die wenigen, die geblieben sind, bedeutet es eine große Herausforderung, außer Haus zu gehen, um sich Brot oder Medikamente zu besorgen.

Folglich praktizieren diese Familien aus Sicherheits- und militärischen Gründen vorläufig nicht ihren Glauben, aber in anderen Teilen der Stadt und im Rest des Landes praktizieren die Menschen ihren Glauben wie üblich.

Die sich seit mehr als einem Jahr verschlechternde Lage hat immense negative Auswirkungen auf das Leben aller Syrer im Allgemeinen und der Christen im Besonderen. Die Abwertung der lokalen Währung auf dem Schwarzmarkt - circa 72 Syrische Pfund für 1US$ verglichen zum offiziellen Wechsel von 52 Syrischen Pfund für 1 US $ - , der langsame Niedergang oder die sogar völlige Schließung der meisten Institutionen, die im Tourismus arbeiten, und schließlich die wirtschaftlichen Sanktionen, die jeglichen Export von Syrien und jeglichen Transfer harter Währung nach Syrien verbieten, haben ganz klar ihre Narben auf der armen Bevölkerung hinterlassen, im Kampf ihr tägliches Brot zu verdienen.

Die meisten Christen in Syrien gehörten der Mittelklasse an, die weitestgehend von ihrer täglichen Arbeit abhing, um für die Grundbedürfnisse ihrer Familien zu sorgen. Jetzt leben sie in Not, da sie ihre Jobs verloren haben. Die Situation für Familien, die ihr Heim verloren haben und gezwungen sind, woanders Zuflucht zu finden, ist noch schlimmer.

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