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Papua-Neuguinea

Papua-Neuguinea, jenes scheinbar so exotische Land am anderen Ende der Welt, ist nach Grönland die zweitgrößte Insel der Erde. Es liegt nördlich von Australien in Äquatornähe. Der Staat Papua-Neuguinea umschließt die Osthälfte der Insel Neuguinea, mit etwa 600 vorgelagerten großen und kleinen Inseln und das sie verbindende Meer. Durch die Lage am Äquator hat Papua-Neuguinea allgemein ein heißes und feuchtes Klima.

Die Pflanzenwelt Papua-Neuguineas ähnelt der Asiens und Australiens. Über 70 Prozent des Landes sind von Regenwald bedeckt, der als der drittgrößter der Welt gilt. Berühmt ist Papua-Neuguinea für seine mehr als 2.000 Orchideenarten. Der Regenwald bietet für eine Vielzahl von Vogelarten einen geeigneten Lebensraum. Nicht nur zufällig ist das Wappentier der Paradiesvogel. Dessen buntes Federkleid ist bei vielen Stämmen farbenprächtiger Teil des zeremoniellen Kopfschmuckes.

Die nahrungsreichsten Gebiete Papua-Neuguineas liegen im Hochland, wo zahlreiche essbare Gemüsesorten und wilde Tierarten beheimatet sind. Die häufigsten Nutzpflanzen sind Bananen, Süßkartoffeln, Taro, Yams, an der Küste wachsende Kokospalmen, Kakaofrüchte und die Ananas.

Hölzer wie Teak und Kwila sind in der Möbelbranche sehr begehrt und werden im großen Stil abgeholzt. Für die Wirtschaft spielt neben der Holzindustrie der Bergbausektor eine tragende Rolle. Hauptexportgüter des Landes sind Gold, Erdöl und Kupfer.

© CIA - The World Fact Book

Die frühe Geschichte des heutigen Papua-Neuguinea ist nur schwer nachzuzeichnen. Einschneidend für die Lebensweise der Einwohner des östlichen Neuguinea war der Kontakt mit der westlichen Kultur zu Beginn der Kolonialzeit. Papua-Neuguinea gehört zu den Spätnachzüglern unter den Entwicklungsländern. Trotz der Kolonialisierung des Landes ab 1884 war vor allem das bevölkerungsreiche Hochland bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von der Außenwelt isoliert. Bis heute gehört Papua-Neuguinea mit mehr als 800 Sprachen und Kulturen bei einer Bevölkerung von derzeit 6,5 Mio. Menschen zu den ethnisch vielfältigsten Staaten der Erde.

Das eigentliche Rückgrat der Ökonomie ist die Landwirtschaft. Der Gartenbau bildet meist die Ernährungsgrundlage der Familien. Wer keinen Garten hat, hat nichts zu essen und muss sich wie die Städter in der Lohnarbeit verdingen, die unsicher ist und schlecht bezahlt wird. Schweine spielen in allen Gesellschaften Neuguineas eine zentrale Rolle in Tauschzeremonien. Sie sind nicht nur Nahrungsquelle, sondern auch Statussymbol und traditionelles „Geld“. Schweine repräsentieren den Reichtum eines Mannes und seiner Familie.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen liegt bei 62 Jahren. Malaria als tropentypische Erkrankung ist in den Küstenregionen des Landes weit verbreitet. Aber auch Armutserkrankungen wie Tuberkulose sind sehr häufig. Durchschnittlich bringt eine Frau in Papua-Neuguinea vier Kinder zur Welt. Noch immer bezahlen viele Frauen die Geburt eines Kindes mit ihrem eigenen Leben. 73 von 1.000 Kindern sterben bevor sie 5 Jahre alt sind.

Seit den ersten Kontakten zur westlichen Welt hat sich auch das Christentum in Papua-Neuguinea etabliert. Dabei fand in einigen Regionen eine Vermischung christlicher Glaubenselemente mit traditionellen Vorstellungen des Ahnenkults statt. Alles in allem war die Missionierung in Papua-Neuguinea ein Erfolg für die Kirchen. Heute bezeichnen sich 96 Prozent der Bevölkerung als Christen (ca. 60 Prozent protestantische, ca. 30 Prozent römisch-katholisch).

Die deutsche Kolonialzeit dauerte auf Neuguinea nicht einmal anderthalb Generationen, als mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges das „deutsche“ Neuguinea in die Hände der Australier überging. Deutsche „Relikte“ finden sich aber immer noch in der Sprache, auch wenn sich die englische Sprache immer weiter ausbreitet. Das mittlerweile in fast ganz Papua-Neuguinea gesprochene Tok Pisin enthält noch eine Reihe von Vokabeln und Ausdrücken, die dem Deutschen entlehnt sind. Mit Tok Pisin können die verschiedenen Gruppen relativ leicht miteinander kommunizieren – im Parlament, in den Medien und auf den Märkten.

Unabhängigkeit seit 1965

Seit 1975 ist Papua-Neuguinea unabhängig, und die Gleichberechtigung der Geschlechter ist in der Verfassung ebenso wie das „Menschenrecht auf Bildung“ theoretisch verankert. In der Praxis sieht es leider ganz anders aus: Die Gesellschaft ist fast ausschließlich von Männern geprägt.

Rund 50 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer können nicht lesen und schreiben. Eifersucht und die Unfähigkeit, Konflikte und Spannungen anders als mit Gewalt zu lösen, sind Ursache für eine hohe Rate an häuslicher Gewalt gegen Frauen. Über die Hälfte der Frauen in Papua-Neuguinea gibt an, von ihrem Mann geschlagen zu werden. Hinzu kommen viele Vergewaltigungen junger Mädchen und Frauen.

Traurige Wahrheit ist auch, dass HIV/AIDS-Infektionen drastisch gestiegen und mittlerweile eine echte Bedrohung für viele Frauen sind. Dies liegt auch daran, dass Frauen keine Macht bzw. Möglichkeit haben, geschützten Sex zu verlangen. Da Promiskuität und Polygamie im Hochland nicht selten sind, trägt dieses Verhalten zu dem drastischen Anstieg von HIV und AIDS erheblich bei.

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