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missio im Ersten Weltkrieg

Aus dem Archiv des damaligen Missionsvereins Franziskus Xaverius in Aachen, aus dem das Internationale Katholische Missionswerk missio hervorgegangen ist – Zwischen Patriotismus und katholischem Anspruch

1. August 2014

Am 1. August 1914 hat das damalige Deutsche Reich Russland den Krieg erklärt – damit hatte für Deutschland heute vor 100 Jahren der Erste Weltkrieg begonnen. Das hatte auch für den damaligen Missionsverein Franziskus Xaverius in Aachen, die Keimzelle des heutigen Internationalen Katholischen Missionswerkes missio, schwerwiegende Folgen.

Zwischen 1917 und 1922 saß das Generalsekretariat der "Franziskus-Xaverius-Bruderschaft", dem Xaverius-Verein in Aachen, am Klosterplatz 8. Aus dem Verein ist das heutige Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen entstanden.
1917-1922: Das Generalsekretariat der "Franziskus-Xaverius-Bruderschaft", dem Xaverius-Verein in Aachen, am Klosterplatz 8, Aachen. © missio / Archiv

Im Frühjahr des letzten Kriegsjahres 1918 war sogar der damalige Deutsche Kaiser Wilhelm II. in Aachen gewesen, um „sich eingehend (fast eine Stunde lang) über die Xaverius-Bewegung Vortrag halten“ zu lassen, wie es der damalige Generalsekretär des Vereins, der Priester Dr. Peter Joseph Louis, am 3. Juni 1918 an das „Kgl. Kriegsamt Presseabteilung (Papier)“ in Koblenz übermittelt hatte. Selbstverständlich wollte Louis damit erreichen, dass dem Verein mehr Papier – das damals aus Kriegsgründen rationiert war – für seine Druckerzeugnisse zugeteilt wird; aber die folgenden Zeilen aus diesem Brief illustrieren sehr gut die schwierige politische Lage der deutschen Missionsbewegung während des Krieges. Dr. Peter Joseph Louis schreibt also von der kaiserlichen Anhörung des Aachener Missionsvereins 1918: „Die Aktion, welche politischen Hintergrund hat und auch für unsere kolonialen Ziele bedeutsam ist, verfolgen Se. Majestät und die hohen Reichsbehörden mit höchstem Interesse. Se. Majestät befehlen einen eingehenden Bericht über den Stand der Bewegung an das geheime Zivilkabinett.“

Der Vorgängerverein von missio Aachen befand sich – wie die Missionsbewegung in Deutschland insgesamt - während des Ersten Weltkrieges in einem Dilemma. Einerseits war sie von der patriotischen Stimmung des Zeitgeistes ebenso erfasst wie andere gesellschaftliche Gruppen im Deutschen Reich auch und fühlten sich „dem Vaterland“ verpflichtet. Das war gerade mit Blick auf die deutschen Kolonien in Afrika handgreiflich. Die von deutschen Missionsorden gegründeten Missionsstationen dort waren während des Ersten Weltkrieges zum größten Teil von englischen Truppen besetzt und die Missionare konnten ihre Arbeit nicht oder nur unter schwersten Bedingungen fortsetzen. Zum Teil waren sie interniert oder ausgewiesen. In Schriftstücken aus dem missio-Archiv ist immer wieder eine entsprechende anti-britische Stimmung während des Ersten Weltkrieges zu finden. Und das Deutsche Reich und die Missionsbewegung hofften, dass nach einem Friedensschluss diese Kolonien wieder in Besitz genommen werden konnten, das war das gemeinsame verbindende Interesse – deshalb der von Generalsekretär Louis geschilderte Schulterschluss zwischen Deutschem Kaiser und dem Xaverius-Verein in Aachen.

Die Titelseite der Missionszeitschrift des Xaverius-Vereins aus dem Kriegsjahr 1917.
Ein Blick auf die Titelseite der Missionszeitschrift des Xaverius-Vereins aus dem Kriegsjahr 1917. © missio / Archiv

Gleichzeitig war aber der Xaverius-Verein in Aachen in der katholischen Weltkirche beheimatet, der an nationalen Grenzen keinen Halt machte. Gerade mit der französischen Missionsbewegung pflegte der Xaverius-Verein enge Beziehungen, er war ja ein Kind des von Pauline-Marie Jaricot 1822 gegründeten Allgemeinen Vereins der Glaubensverbreitung. Konnten diese Beziehungen im deutsch-französischen Krieg 1870/1871 noch bewahrt werden, zerrissen sie während des Ersten Weltkrieges. Und die von Aachen aus unterstützten Missionsorden selbst waren ja international und nicht allein national aufgestellt. So wusste sich der Xaverius-Verein dem zeitgenössischen deutschen Patriotismus während des Ersten Weltkrieges verpflichtet, konnte sich ihm aber nicht gänzlich ergeben und musste immer den Abstand zum Chauvinismus wahren. Das war das Einfallstor für kriegskritische Gedanken und für das Plädoyer, das enge nationale Denken zu überwinden.

Im September 1919 verfasste der „Franziskus-Xaverius-Missionsverein“ einen Aufruf an „Deutschlands Katholiken“ mit dem Titel „Die katholische Missionskirche auf der Schwelle des Weltfriedens“. Darin wurde den deutschen Missionaren die Aufgabe zugesprochen, ein „starkes Element der Völkerversöhnung“ und im „Gegensatz zu den wachsenden Nationalisierungsbestrebungen den katholischen Charakter der Weltmission wieder zur Geltung zu bringen.“ Noch – und das ist wiederum zeittypisch – wird dieses Plädoyer nicht ohne patriotische Rückversicherung vorgetragen: „Es ist deshalb eine katholische und vaterländisch-deutsche Pflicht, daß das katholische Volk gerade jetzt geschlossen hinter seinen Missionaren stehe.“ Denn, so dieser Aufruf, die deutschen Missionare seien am besten befähigt, „das Ansehen des deutschen Namens in der Welt wieder zu Ehren zu bringen.“

Heute vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg - auch ein Werk wie das Internationale Katholische Missionswerk missio war durch seine Vorgängerorganisation in die Zeitläufte verstrickt. Diese hat sich aus heutiger Sicht nicht energisch genug gegen den patriotischen Taumel und für das Ende des Krieges gegenüber der eigenen deutschen Politik eingesetzt. Was die Missionsbewegung daraus lernen kann, ist, dass sie wahrhaft katholisch, also weltumspannend, denkt und sich weder politisch noch wirtschaftlich instrumentalisieren lässt. Frieden, Gerechtigkeit, Dialog - das ist ein Auftrag bis heute.

Johannes Seibel

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