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"Die Zahlen müssten uns erschüttern"

Weihbischof Dieter Geerlings © Bistum Münster

Statement von Weihbischof Dieter Geerlings

beim Besuch des missio-Truck in Lünen am 19. September 2013

Die Zahlen müssten uns erschüttern: Über 45 Millionen Menschen – das ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung der Bundesrepublik – sind derzeit weltweit auf der Flucht. In fünf Minuten machen sich – statistisch gesehen – 75 Menschen an ganz unterschiedlichen Orten der Welt auf die Flucht. Einer mit jedem Wimpernschlag.

Wie gesagt: Die Zahlen müssten uns erschüttern. Tatsächlich aber leben wir geradezu erschreckend gut mit ihnen. Sind wir wirklich schon so abgestumpft, dass wir das Leid, das hinter diesen Zahlen steckt, nicht mehr wahrnehmen? Oder stimmt es wirklich, was Umfragen uns immer sagen, dass es in weiten Teilen unserer Bevölkerung Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen gibt? Das wäre erschreckend. Wir alle sind hier gefordert. Und gefordert ist auch die Politik und insbesondere die neue Bundesregierung, die aus den Wahlen am Sonntag hervorgehen wird.

„Jeder Migrant ist eine menschliche Person, die als solche unveräußerliche Grundrechte besitzt, die von allen und in jeder Situation respektiert werden müssen“, schreibt Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Caritas in veritate“. Der Satz klingt vielleicht selbstverständlich, aber wenn wir ihn ernst nehmen, dann beinhaltet er sehr viel. Sehen wir in einem Migranten, insbesondere im Flüchtling, wirklich zuerst den Menschen? Und: Billigen wir diesem Menschen seine unveräußerlichen Grundrechte zu? Oder sprechen wir – wie etwa auch der bisherige Bundesinnenminster – lieber populistisch von „Asylmissbrauch“ und „Wirtschaftsflüchtlingen“? Hier sind mehr Besonnenheit und Ernsthaftigkeit in der politischen Debatte dringend erforderlich.

Noch Papst Benedikt XVI. hat in der Botschaft zum diesjährigen „Welttag des Migranten und Flüchtlings“, die er zu Beginn des Jahres veröffentlicht hat, einige Gesichtspunkte betont, die auch ich noch einmal unterstreichen möchte und aus denen ich konkrete Konsequenzen ableiten möchte:

  • Natürlich habe jeder Staat, so sagt Papst Benedikt, das Recht, eigene Gesetze im Blick auf Flüchtlinge zu erlassen und eine Politik umzusetzen, die von den generellen Bedürfnissen des Gemeinwohls bestimmt werde. Allerdings müsse dabei immer die Achtung der Würde jedes Menschen gewährleistet werden. Das geschieht derzeit in Deutschland aber nicht immer. Es darf keine pauschalen Ablehnungen und Schnellverfahren geben, sondern notwendig ist eine faire, gründliche und unvoreingenommene Prüfung von Asylanträgen für alle Flüchtlinge. Und zur Würde von Flüchtlingen gehört dann auch, dass ihnen ein angemessener Wohnraum zur Verfügung gestellt wird und dass sie nicht in überfüllten Unterkünften „hausen“ müssen.
  • Weiter spricht sich Papst Benedikt dafür aus, Flüchtlingen nicht einfach nur Sozialhilfe zukommen zu lassen. Stattdessen wirbt er dafür, sie voll und ganz in die Gesellschaft zu integrieren, so dass sie ihre Potenziale einbringen können, mit den gleichen Rechten und Pflichten wie alle Mitglieder der Gesellschaft. Auch hiervon sind wir in Deutschland weit entfernt. Umso dankbarer bin ich für Äußerungen wie die des nordrhein-westfälischen CDU-Vorsitzenden Armin Laschet, der sich im vergangenen Monat dafür ausgesprochen hat, das Arbeitsverbot für Asylbewerber zu überdenken und Flüchtlinge nicht länger nur als Problem zu betrachten. Eine richtige Entscheidung hat auch die nordrhein-westfälische Landesregierung getroffen, die deutlich mehr Geld, nämlich 7,5 Millionen Euro, für die Unterstützung von Armutsflüchtlingen zur Verfügung stellt. Wir alle müssen erkennen: Flüchtlinge sind nicht in erster Linie ein Problem für uns! Massive Probleme in ihren Heimatländern – Krieg, Gewalt, Armut, Diskriminierung und Verfolgung – zwingen sie, ihre Heimat zu verlassen. Sie sind aber Menschen wie du und ich, mit derselben Würde und mit oft großartigen Potenzialen.
  • Eine Regelung der Flüchtlingsströme, so betont Papst Benedikt in seiner Botschaft weiter, dürfe sich „weder auf eine hermetische Schließung der Grenzen beschränken, noch auf eine Verschärfung der Sanktionen gegen die illegalen Einwanderer oder auf die Anwendung von Maßnahmen zur Abschreckung neuer Einreisen.“

Hieraus ergeben sich für mich zwei Konsequenzen:

  • Zum einen braucht es in den Herkunftsländern der Flüchtlinge – denken wir etwa an die Situation der Sinti und Roma in Südosteuropa – einen gemeinsamen multilateralen und planmäßigen Einsatz für eine bessere menschenrechtliche, wirtschaftliche Situation, für Minderheitenschutz und gegen Ausschluss und Diskriminierung. Es sollte diesen Menschen, es sollte allen Menschen möglich sein, ein menschenwürdiges Leben in ihrer Heimat zu führen. Und wenn etwa gerade Sinti und Roma doch zu uns flüchten (müssen), dürfen wir sie nicht als „Wirtschaftsflüchtlinge“ abqualifizieren, sondern müssen ihre existenziellen Nöte ernst nehmen und bekämpfen.
  • Zum anderen wachsen manche Flüchtlingsströme aufgrund dramatischer Situationen so schnell an, dass sich daraus schnell humanitäre Katastrophen ergeben. Aktuell erleben wir das im Blick auf die Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien. Und hieraus ergibt sich eine ganz einfache Forderung: Wir müssen mehr Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen! Wir müssen diesen Menschen ganz konkret helfen! Humanität muss Vorrang haben!

All diese Überlegungen und Denkanstöße kann und will missio mit diesem großartigen Truck zum Thema „Menschen auf der Flucht“ vermitteln, insbesondere Schülerinnen und Schülern. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich danke auch allen Schulen, Pfarreien und sonstigen kirchlichen Einrichtungen, die den Truck für einige Tage bei sich aufnehmen und so deutlich machen, dass ihnen Flüchtlinge nicht gleichgültig sind. Ich wünsche mir, dass so ein deutlich höheres Bewusstsein für dieses Thema bei uns entsteht. Gerade als Christinnen und Christen dürfen wir hier nicht wegsehen. Denn in jedem einzelnen Flüchtling erkennen wir das Antlitz Gottes.

Weitere Informationen zur Aktion Schutzengel finden Sie hier:

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