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Inhalt

Wirkungsbeobachtung und Evaluation

Warum beobachtet missio die Wirkung seiner Projektarbeit?

Um einen effizienten Mitteleinsatz der missio anvertrauten Spendengelder zu gewährleisten und die Projektpartner bei der Planung und Durchführung von Projekten qualifiziert und qualifizierend zu begleiten, sind Wirkungsbeobachtung und Evaluation integrale Bestandteile der missio-Projektarbeit. Diese Überprüfungen stehen in einem engen Kontext mit der jeweils von den Projektpartnern vorgelegten pastoralen (Projekt-)Planung. Wirkungsbeobachtung und Evaluation werden dabei als Mittel betrachtet, um herauszufinden, ob die im Rahmen der Projektförderung avisierten pastoralen Ziele in den Bereichen der Liturgie, Verkündigung, Diakonie und Communio erreicht werden konnten.

Weder die Evaluation noch die Projektplanung selbst dürfen dabei aber zum Selbstzweck verkümmern. Letztlich zielt pastorale Evaluation darauf ab, pastorale Konzepte zu optimieren und künftige „pastorale Planung unter das Zeichen der Heiligkeit“ zu stellen.

Aus Kostengründen können nicht alle jährlich zwischen 700 und 800 geförderten missio-Projekte durch externe Dienstleister evaluiert werden. Deshalb sind die missio-Partner angehalten, in ihren schriftlichen Abschlussberichten detaillierte, quantifizierte Auskünfte über die Wirkungen des Projektes zu geben.

An dieser Stelle veröffentlichen wir nun beispielhaft drei deutschsprachige kurze Zusammenfassungen der Evaluationen von missio-Projekten durch externe Dienstleister.

Thema: Katecheten-Ausbildungszentren in Tansania

Dienstleister der Evaluation: FAKT Beratung für Management, Bildung und Technologien GmbH, Hackländerstraße 33, 70 184 Stuttgart, www.fakt-consult.de

Autor der Zusammenfassung: Bernward Causemann

Ziel der Evaluation: Stand der Qualifizierung der Katecheten in Tansania und ihre Bedeutung für das Konzept Kleine Christliche Gemeinschaften bewerten
missio fördert seit Jahrzehnten die Ausbildung von Katecheten in Tansania. Zurzeit werden zwölf von 28 katechetischen Ausbildungszentren unterstützt. Betrieben werden die Zentren von Diözesen oder Orden. Sie sind über das gesamte Land verteilt und bieten sowohl Kurzkurse an - zum Beispiel in der Dauer von drei Monaten -, als auch längere Ausbildungen, die von 15 Monaten bis zu drei Jahren dauern können. Katecheten werden ausgebildet, um anschließend vor allem in den Gemeinden eingesetzt zu werden. Fast alle Zentren richten sich am nationalen Lehrplan aus, den vor rund zehn Jahren die katholische Bischofskonferenz Tansanias in Zusammenarbeit mit den Zentren entwickelt hat.

Methode: Gespräche mit Bischöfen, Priestern, Ausbildern, Katecheten und Mitgliedern Kleiner Christlicher Gemeinschaften
missio hat in Zusammenarbeit mit der Bischofskonferenz eine Evaluierung beauftragt, um herauszufinden, ob die Katecheten angemessen qualifiziert werden und welche Bedeutung sie für Kleine Christliche Gemeinschaften haben. Fünf Ausbildungszentren, je eines pro Kirchenprovinz, wurden von den beiden Evaluatoren (ein Evaluator aus Kenia, einer aus Deutschland) besucht. Sie führten Gespräche mit Bischöfen, Priestern, Ausbildern, Katecheten und Mitgliedern Kleiner Christlicher Gemeinschaften.

Positive(s) Ergebnis(se): Betroffene schätzen die praktische Arbeit der Katecheten als verbessert ein
Übereinstimmend sagten die Gesprächspartner, dass die Katecheten in den Ausbildungszentren viel lernen und ihre Arbeit in den Gemeinden viel besser wird. Sie konnten dies mit vielen überzeugenden Beispielen belegen. Es gibt aber zu wenige Katecheten, so dass diese kaum Zeit bei den Kleinen Christlichen Gemeinschaften verbringen, sondern viele Aufgaben übernehmen, für die die wenigen Priester keine Zeit haben. Dazu zählen Wortgottesdienste, Beerdigungen, Ehevorbereitung und Religionsunterricht. Doch dass die Katecheten diese Aufgaben viel besser erfüllen als vor ihrer Qualifikation, das schätzen auch die Kleinen Christlichen Gemeinschaften. Diese Gemeinschaften eröffnen ihren Mitgliedern einen großen spirituellen Gewinn. Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften werden so etwas wie eine zweite Familie, die sich gegenseitig in allen Belangen unterstützt. Gestärkt werden diese Gemeinschaften durch Seminare für ihre Leiter, die die Priester zusammen mit den Katecheten durchführen.

Problem(e)/Verbesserungsbedarf: Zu wenig Einsatz für Entwicklung, Gerechtigkeit und Versöhnung
Einzelne Schwachstellen wurden identifiziert. Die Katecheten und die Kleinen Christlichen Gemeinschaften engagieren sich zwar für ihre Mitglieder und manchmal auch für ihre Nachbarn, aber kaum für mehr Entwicklung, mehr Gerechtigkeit und mehr Versöhnung zwischen den Religionen. Die katholische Soziallehre ist kaum bekannt und wird von den Katecheten nur selten praktiziert. Zudem werden viele Katecheten schlecht bezahlt.

Empfehlung: Lehrplan stärker an gesellschaftliche Realität anpassen
Die Evaluatoren empfehlen unter anderem, die Ausbildung von Katecheten weiter zu fördern und den Lehrplan stärker an die gesellschaftliche Realität anzupassen.

Thema: Asiatische katholische Nachrichtenagentur UCAN-News

Dienstleister der Evaluation: IMPACT PLUS, Planckstr. 6, 70184 Stuttgart

Autor der Zusammenfassung: Dr. Eberhard Gohl

Ziel der Evaluation: Qualität, Relevanz und Wirkung der Nachrichtenagentur UCAN-News seit 2009 bewerten
Der 1979 gegründete Nachrichtendienst hat den Auftrag, Nachrichten aus Asien, für Asien und von Bedeutung für die katholische Kirche in Asien zu verbreiten. Der Nachrichtendienst ist von der Kirche unabhängig und hat Vertretungen in 14 Ländern Asiens, jedoch nicht in den arabischen Ländern. Er wird von rund 20 Partnern finanziert, zu einem großen Teil durch katholische Organisationen aus dem deutschsprachigen Raum. Von missio Aachen wird das Aus- und Weiterbildungsprogramms gefördert.
Unter der seit 2008 eingesetzten neuen Leitung wurden wesentliche organisatorische und redaktionelle Veränderungen eingeleitet: Die Nachrichten, Adressenverzeichnisse der katholischen Strukturen, Fotos und Videos sowie ein Blog werden nun auf einer zentralen englischsprachigen und vier länderspezifischen Internetseiten verbreitet, zu denen Interessierte regelmäßig durch E-Mail-Rundbriefe (Newsletter), Facebook- oder Twitter-Nachrichten hingeleitet werden. Mit der Umstellung auf die neuen Sozialen Medien erhofft sich der Nachrichtendienst auch, neue Nutzerkreise zu erschließen.
Ziel der Evaluierung, die durch die neue Leitung des Nachrichtendienstes initiiert wurde, war es insbesondere, die Qualität, Relevanz und die Wirkungen im Lichte der Erfolge und Misserfolge seit 2009 zu untersuchen und Vorschläge für die künftige Strategie zu entwickeln. Die Evaluierung beinhaltete unter anderen auch eine Teilstudie zu den Trainingsaktivitäten und ihren Wirkungen.

Positive(s) Ergebnis(se): Höhere Standards für die katholischen Medien in der Region feststellbar
Das Evaluierungsteam stellte eine wesentliche Qualitätsverbesserung hinsichtlich Substanz, Sprache, Grammatik und Quellenmaterial fest. Das Trainingskonzept wurde ab 2013 völlig umgestaltet, von einem Trainingsinstitut für externe Journalistinnen und Journalisten hin zu einem Konzept der berufsbegleitenden Qualifizierung. Dieses Mentoring zeigt positive Wirkungen, etwa hinsichtlich neuer Ideen für die Berichterstattung und der Qualität der Artikel.
Die Länderstudien bestätigen die ermutigenden Beispiele der stärker diversifizierten Berichterstattung, insbesondere zu Themen, die auch innerhalb der katholischen Kirche kontrovers diskutiert werden. Auch wenn durch die Evaluierung verschiedene Defizite festgestellt wurden, so wurde bestätigt, dass der Nachrichtendienst höhere Standards für die katholischen Medien in der Region setzt und daher gerne gelesen wird. Viele der Nachrichten werden von anderen Agenturen und Redaktionen weiter verbreitet.

Problem(e)/Verbesserungsbedarf: Positive Entwicklung schlägt um in Demotivation vieler Mitarbeitender
Die strategische Steuerung sowie das Management der Partnerorganisation wurden seit 2009 in vielerlei Hinsicht erfolgreich neu gestaltet; Strukturen und Abläufe wurden dokumentiert, Personalwesen und Arbeitsverträge wurden geordnet, die Produktivität stieg erheblich. Doch nach Ansicht des Evaluierungsteams stagniert die positive Entwicklung der Partnerorganisation. Die stärkere Zentralisierung, verbunden mit den Personalkürzungen in den Außenstrukturen, hat zu einer Demotivation vieler Mitarbeitender geführt. Diese wird bestärkt durch die Tatsache, dass in der Zentralredaktion nur Nicht-Asiaten arbeiten mit der Begründung, diese können sprachlich in besserer Qualität berichten. „Wie asiatisch sind wir?“ war eine in Gesprächen häufig gehörte Frage. Die regionalen Mitarbeitenden fühlten sich bei Managemententscheidungen übergangen, der Verlust an Motivation wirkt sich negativ auf die Organisationskultur aus.

Empfehlung: Stärkere Ausrichtung auf asiatischen Nutzerkreis und eigene Berichte aus Asien
Die Evaluierung empfiehlt der Partnerorganisation grundsätzlich eine stärkere Ausrichtung auf einen asiatischen Nutzerkreis und auf mehr eigene Berichte aus Asien, um attraktiver zu werden. Auch neue Lesergruppen können mit den neuen Medien erschlossen werden.

Thema: Eigenfinanzierung der Kirche in Burundi

Dienstleister der Evaluation: APTE, Inh. Hubert Heindl Projektberater, Margaretenstraße 1, 93047 Regensburg

Autor der Zusammenfassung: Hubert Heindl

Ziel der Evaluation: Maßnahmen der Diözese Muyinga zur Steigerung der Eigenmittelfinanzierung bewerten

Auf Antrag der Diözese Muyinga, im Nordosten Burundis, unterstützt missio in den Jahren 2011/2012 ein Vorhaben des Bischofs, das mutig und konsequent ein zentrales Problem so vieler Ortskirchen in Afrika aus dem Weg räumen möchte: Wie können die kirchlichen Belange in Pfarreien, in der Katechese, im diözesanen Haushalt aus eigenen Mitteln finanziert werden und die Abhängigkeit von externer Budgethilfe und gutgemeinten, aber sehr unzuverlässigen Spenden aufgelöst werden?
Unter dem Namen PACEDIM haben die diözesanen Gremien ein Programm entwickelt, das in der Diözese Muyinga die Eigenfinanzierung und ein selbständiges erfolgreiches Wirtschaften einführen und umsetzen soll. PACEDIM = „Aktivierung und verantwortliche Beteiligung an der ökonomischen Eigenständigkeit der Diözese Muyinga“.

„Eigengetragene Entwicklung“, „Hilfe zur Selbsthilfe“ und „Teilhabe in Mitverantwortung“ sind die Leitgedanken des diözesanen Konzepts. Mit Ausbildung in wirtschaftlichen Fragen und mit der Einrichtung von sog. Wirtschaftsräten sollten die Pfarreien und das Generalvikariat in die Lage versetzt werden, sich Einkommen und neue Finanzierungsinstrumente zu erschließen und mit ausgewogenen Wirtschaftsplänen alle Kosten selbst zu bewältigen. Besitz der Kirche und Einkommensmöglichkeiten sollen zukünftig so rational und zielorientiert verwaltet und genutzt werden, dass eigenständiges Wirtschaften in einer Balance zwischen Ausgaben und Einnahmen möglich wird. Mit kleinen Projekten Einkommen schaffender Maßnahmen sollen ortsnahe Einnahmequellen erschlossen und langfristig genutzt werden. Ein „Handbuch für kirchliches Wirtschaften“ soll die Regeln und das Prozedere für die Pfarreien und die Diözese vorgeben und leiten.
Von einer Koordinationsstelle begleitet und mit Ausbildungskursen qualifiziert beteiligten sich 12 Pilotpfarreien von 15 Diözesanpfarreien insgesamt an dem ambitionierten Praxisexperiment: können Ortspfarreien in Armutsländern und in einer strukturschwachen Region eines der ärmsten Länder der Welt wirtschaftlich eigenständig ihren Aufgaben nachkommen? Wie finanzieren sich Religionsunterricht, die pastoralen Aufgaben der Priester und Diakone, die Sachausgaben für die Hl. Messen, Strom, Reinigung und Reparaturen in den Kirchen und Pfarrzentren? Welche neuen Wege der Finanzierung befreien aus der Armutsfalle und aus der Abhängigkeit von Zuschüssen und Almosen?

missio als „Investment Partner“

Das Programm ist in den beiden ersten Impulsjahren von Missio, dem langjährigen Partner der Diözese Muyinga, finanziert worden. Unter dem Leitgedanken der „Hilfe zur Selbsthilfe“ sind die Zuschüsse weit davon entfernt, als Almosen verstanden zu werden. Die Projektfinanzierung ist ein regelrechtes Investment: sie steht in einem größeren Zusammenhang der weltweiten missio-Arbeit der vergangenen Jahre, die die Begleitung der Ortkirche in eine neue, eigenständige Zukunft in den Vordergrund stellt. Dazu gehört neben den klassischen missio-Arbeitsfeldern eben auch die Herausbildung von Wirtschaftseinheiten und Wirtschafts-Knowhow in den Pfarreien und Diözesen der Ortskirche.
Und ‚Investment‘ heißt dann auch ‚rentieren‘: die Finanzierung und die Art der Verwendung müssen einer Kontrolle der Wirksamkeit standhalten. Zwei Jahre nach dem Impulsprogramm, zum Ende 2014, beauftragte deshalb missio in Übereinstimmung mit der Diözese Muyinga die Fachagentur für Evaluierung APTE (Regensburg), die Wirkungskontrolle in Muyinga als unabhängige Instanz durchzuführen.

Evaluierung als Instrument der Ermutigung

Wirtschaftliches Denken und Handeln im kirchlichen Kontext steht unter hohen ethischen und sozialen Ansprüchen. Mit Bedacht war man also übereingekommen, nicht eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, technisch-finanzrechnerisch ausgerichtet, mit der Projektauswertung zu beauftragen. Selbstverständlich unter Einbeziehung dieser Aspekte sollten vielmehr auch Beteiligungsanalyse, Organisationsentwicklung, Kommunikation und Projektmanagement mit in die Auswertung einbezogen sein. APTE wurde insofern auch instruiert, parallel zur Evaluierung Beratung und weiterführende Anleitung zu geben.

Methode: Drei-phasiger Gesprächsprozess, Workshops und Feldaufenthalt unter größtmöglicher Beteiligung der Laien, Priester, Diözesanleitung und Gremien
Die Evaluierung gliederte sich in einen drei-phasigen Prozess, der unter größtmöglicher Beteiligung der Akteure (Laien, Priester, Diözesanleitung und Gremien) in der Zeit von Oktober bis Dezember 2014 mit folgenden Instrumenten arbeitete.

Oktober 2014: Vorbereitungstreffen in Muyinga zur Vorstellung des Evaluierungsteams an den Bischof und die PACEDIM-Koordination, zur einvernehmlichen Absprache des Arbeitsrahmens und seiner Methodologie, zur Einsichtnahme von lokalen Detailberichten und Finanzberichten, zur logistischen Vorbereitung der Evaluierungsbesuche und –treffen vor Ort in den Pfarreien und der Workshops
November/Dezember 2014: Feldaufenthalt des APTE Teams zur Durchführung der Wirkungsmessung mittels

  • quantitativen und qualitativen Fragebögen: geleitete Interviews
  • individuellen und kollektiven Interviews: mit den Pfarreimitgliedern aus der PACEDIM Fortbildung, Pfarrpriestern, den Ausbildern, den pfarrlichen Wirtschaftsträten, der Koordination und dem Diözesanbischof
  • Analyse der Wirtschaftsdaten: in den Einkommen schaffenden (Klein-) Projekten auf Pfarreiebene und in der diözesanen Buchhaltung
  • Durchführung von zwei Evaluierungs-Workshops mit Vertretern der Gremien und aus den zwölf Pilotpfarreien der Diözese. Je ein moderierter ganztägiger Workshop zu Beginn der Pfarrei- und Projektbesuche und zum Ende des Aufenthaltes. Dieses abschließende Treffen hat die vorläufigen Ergebnisse der Evaluierung öffentlich besprochen. Diözesanbischof Ntahondereye hat dazu auch Generalvikare und Prokuristen aus anderen Diözesen Burundis eingeladen, so dass durch direkte Teilnahme die Idee PACEDIM und eine beratende Evaluierung dazu auch in anderen Diözesen platzgreifen möge.

Januar 2015: Datenverarbeitung und Abschlussbericht aufbauend auf die Thesenpapiere zur persönlichen Rückmeldung im Workshop und im Einzelgespräch mit dem Diözesanbischof.

Einzelkriterien der vertieften Evaluierung

Für die konkreten und vertiefenden Erhebungen wurden aus den aktiven zwölf Pilotpfarreien sechs bestimmte Pfarreien ausgewählt, die aus der Begleitung der Koordinierungsstelle und aus dem Profil ihrer Einkommen schaffenden Maßnahmen besonderes Erkenntnisinteresse (Signifikanz) bringen konnten. Somit flossen folgende Einzelkriterien in die vertiefte Evaluierung ein:

  • 3 Pfarreien mit besonderem Erfolg: Lehren aus gelingender Praxis (best practice learning)
  • 1 Pfarrei mit gutem Einstieg, aber noch keinem besonderen Fortschritt: Ermutigende Analyse (appreciative inquiry)
  • 2 Pfarreien mit mäßigem Erfolg, bzw. mit Einkommen schaffenden Projekten, die erneut in Schwierigkeiten geraten sind (challenge solution)
  • Wirtschaftsprojekte „Landwirtschaft“: Ananas- und Bananenplantage (Pfarrei Muramba). Bienenzucht/Imkerei und Gemüseanbau (Pfarrei Gizanze). Ölpalmenplantage (Pfarrei Bugwana). Rinderzucht und Milchwirtschaft (Pfarrei Kanyinya). Landwirtschaftliches Gut mit Weinkellerei und Produktion von Speiseöl (Sonnenblumen, Pfarrei Mutwenzi).
  • Wirtschaftsprojekte „Hotellerie und Dienstleistung“: Kauf und Betrieb eines (Klein-)Lastwagens für lokale Transporte aller Art (Pfarrei Rusa). Betrieb eines Gästehauses mit Internet-Café und Tennisanalage (Pfarrei Muyinga). Versammlungsraum/Veranstaltungszentrum (Pfarrei Ruhehe).
  • Wirtschaftsprojekte „Handel und Verarbeitung“: Getränkehandel und Zwischenlager der nationalen Brauerei Brarudi (Pfarrei Muramba). Holzhandel (Bau- und Möbelholz) und Holzkohle (Pfarrei Muramba).

Positive(s) Ergebnis(se): Durchgehend positive Einschätzung der Programmqualität, der Wirkungen auf die finanziellen Grundlagen in Pfarreien und Diözesen sowie der Nachhaltigkeit
Alle Projekte und im PACEDIM eingeleiteten Maßnahmen sind von großer Wichtigkeit und zeigen ein hohes Potential der Schöpfung finanzieller Mittel bzw. der guten, geschäftsmäßigen Verwaltung von Finanzen und Immobilien (Pfarrzentren, Veranstaltungsräume, Gästehäuser).
In ihrer Gesamtheit kommt die Evaluierung aber auf eine durchgehend positive Einschätzung der Programmqualität, der Wirkungen auf die finanziellen Grundlagen in Pfarreien und der Diözese und der Nachhaltigkeit der eingeführten Veränderungen. Hier zeigen die Messungen insbesondere:

  • Die Pfarreien diversifizieren kontinuierlich ihre Einnahmequellen. Pfarreien verwalten die Einnahmen effizienter, transparenter und im gegenseitigen Einvernehmen durch die Wirtschaftsräte der Laien. Einnahmearten, die sich überall vorfinden, sind insbesondere: gesteigerte Sonntagskollekten (seitdem die Einnahmen-Ausgaben-Politik im Wirtschaftsrat der Laien beschlossen und kontrolliert wird), Einschreibgebühren für Religionsunterricht in der Sonntagsschule, Sonderspenden der Gläubigen (z.B. anlässlich großer Familienfeste oder Feiertage), Abgaben zu den regelmäßigen Erntedankfesten (oft auch in Naturalien aus der Ernte), Gewinne aus den Einkommen schaffenden Wirtschaftsprojekten der Pfarrei.
  • Die Diversifizierung in den Einkommen schaffenden Projekten erlaubt zunächst den Wirtschaftssektor in der Pfarrei zu wählen, zu dem die (potentiell) besseren Bedingungen im Markt der Region vorgefunden werden. Diversifizierung wirkt aber auch als Risikominderung, so dass z.B. eine saisonal oder konjunkturell schwächere Hotellerie keine Auswirkung auf die Rentabilität der landwirtschaftlichen Unternehmungen hat.
  • Die Pfarreien steigern seit Einführung von PACEDIM kontinuierlich ihre Einnahmen. Weil das Programm noch in den Anfangsjahren ist, steht allerdings den gesteigerten Einnahmen auch eine „freiere“ Ausgabenpolitik in der einzelnen Pfarrei gegenüber. „Sparquote“, „Sicherungs- bzw. Amortisierungsrücklagen“ oder „Investitonsrücklagen“ sind deshalb noch nicht darstellbar: Ausnahme die Ansätze der Pfarrei Kanyinya. Die Evaluierung empfiehlt aber eindeutig, solche Mechanismen rechtzeitig und von vorne herein in den Pfarreien einzuführen, damit die Erfolge gesichert und nachhaltig stabil bleiben.
  • Die Pfarreien kommen seit Einführung von PACEDIM ohne Zuschüsse aus der Diözese aus. Die Pfarreien bewirtschaften ihre Einkommen und Ausgaben durchgehend so rationell und umsichtig, dass in Einzelfällen sogar Neubauten von Kirchen und Pfarrhäusern aus Eigenmitteln der Gemeinde finanziert werden. Dies schließt auch die Bezahlung der Lebenshaltungs- und Arbeitskosten der Gemeindepriester mit ein. Nur dort, wo keine Beiträge an die Diözese abgeführt werden, verbleibt die Sozialversicherung der Priester und Katecheten noch für die Pfarrei in den Diözesanfinanzen.- Die Pfarreien führen jetzt, wenn auch in unterschiedlicher prozentualer und nicht immer gleichbleibender Höhe Finanzen an die Diözese ab. Im Verlauf der ersten drei PACEDIM- Jahre konnte die Diözese so bis zu 42 Prozent ihres Bedarfes eigenständig decken. Externe Finanzen und Zuschüsse gingen entsprechend zurück; entlasteten so auf der übergeordneten Ebene die gesamte Bischofskonferenz Burundis und externe kirchliche Hilfswerke. Während sich wegen des erhöhten Ausgabenbedarfs in der Diözese die externen Zuschüsse allerdings nicht wesentlich unter 60 Prozent Zuschüsse entwickeln ließen, haben sich die Überweisungen der Pfarreien an die Diözese seit PACEDIM um beachtliche 240 Prozent verzweieinhalbfacht.
  • Die Pfarreien führen jetzt, wenn auch in unterschiedlicher prozentualer und nicht immer gleichbleibender Höhe Finanzen an die Diözese ab. Im Verlauf der ersten drei PACEDIM- Jahre konnte die Diözese so bis zu 42 Prozent ihres Bedarfes eigenständig decken. Externe Finanzen und Zuschüsse gingen entsprechend zurück; entlasteten so auf der übergeordneten Ebene die gesamte Bischofskonferenz Burundis und externe kirchliche Hilfswerke. Während sich wegen des erhöhten Ausgabenbedarfs in der Diözese die externen Zuschüsse allerdings nicht wesentlich unter 60 Prozent Zuschüsse entwickeln ließen, haben sich die Überweisungen der Pfarreien an die Diözese seit PACEDIM um beachtliche 240 Prozent verzweieinhalbfacht.

Problem(e)/Verbesserungsbedarf: Wenige Schwächen im Projektmanagement und der vermittelten Ausbildung

Dort, wo noch Schwierigkeiten bestehen, lassen sich diese auf wenige Schwächen im Projektmanagement und in der vermittelten Ausbildung zurückführen. Einige Wirtschaftsprojekte sind (vorschnell) gestartet worden und haben keine ausreichende Grundlage in Marktstudien oder Personal mit vertieften Fachkenntnissen: die Qualität der Dienstleistung und des langfristigen Managements leidet und bringt die Maßnahmen in einem ohnehin bereits schwierigen wirtschaftlichen Umfeld nicht wie geplant in die Gewinnzone. Konzeption und didaktische Ausführung der Wirtschaftsfortbildung für Pfarrkomitees hatte keinen über den Projektzeitraum gleichbleibenden Kursverlauf vorgesehen: die Inhalte und Kenntnisse aus den nur einmalig angebotene Fortbildungskursen wurden nicht von allen Teilnehmern so aufgenommen, dass die praktische Anwendung sich nachhaltig erhalten hat. In den schwachen Projekten haben sich deshalb wieder ungenügende Buchhaltung oder Vernachlässigung der Anwendung des diözesanen Wirtschaftshandbuches eingeschlichen.

Die Evaluierung hat ausführlich auf diese Defizite hingewiesen und entsprechende Maßnahmen vorgeschlagen, diese in der nachfolgenden Projektzeit zu korrigieren.

Empfehlung: Konzept der ganzheitlichen Theologie fortsetzen

Bischof Joachim Ntahondereye hat mit neuem Elan die Diözese mit einem strategischen pastoralen Plan übernommen. Dieser stellt sich - besonders bemerkenswert - auch und gerade den Herausforderungen eines wirtschaftlichen Handelns in der Kirche, brandmarkt die Einstellung und Mentalität der „Unterentwicklung“, der „Almosenempfänger“ als untheologisch und unbiblisch.

In seinem Pastoralwort 2007 legt er schließlich die Grundlinien seines Episkopats fest: „Der Moment ist jetzt gekommen, in dem wir uns alle, Pfarreien, Dekanate und Diözese, zusammentun müssen und uns in der Weise organisieren sollen, dass wir Jahr für Jahr und Schritt für Schritt immer mehr unsere materiellen und finanziellen Ressourcen eigenständig generieren und verwalten. Mit dem Ziel, alle Mittel selbständig zur Verfügung zu haben, um unseren pastoralen Auftrag als Kirche und in der Gesellschaft zu erfüllen. Und die Diözese soll aus den Pfarreien und ihrem eigenen Wirtschaften alle Mittel zur Verfügung bekommen, um eigenständig ihr Funktionieren und ihren Aufgaben nachzukommen.“ […] „Das ist für uns auch der Ausdruck einer Kirche als Familie Gottes, die ihr Auskommen selbst in der Hand hält, von den Kleinen Christlichen Gemeinden unserer Dörfer angefangen, über die Pfarreien und die Diözese. Damit setzten wir im Vertrauen auf die Kraft und die Begleitung Gottes unseren Heilsauftrag um, machen die Frohe Botschaft des Reiches Gottes unter den Menschen erlebbar.“

Der Mensch, der Christ, die Gemeinschaft in Muyinga im Mittelpunkt einer der Welt zugewandten Theologie und Kirche: dies in allen Dimensionen des Lebens, seinen spirituellen, seinen sozialen und seinen wirtschaftlichen. Und das ist, über die einzelnen Projektergebnisse hinaus, der eigentliche Erfolg und das prophetische Signal des Programms in Muyinga und der Unterstützung durch missio.

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