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Irak: „Kirchenleitung tut nicht genug gegen Exodus der Christen“

Dr. Otmar Oehring, Leiter der Fachstelle Menschenrechte

12.04.2011

Er ist gerade von einer Reise durch den Nordirak zurückgekehrt: Otmar Oehring, unser Menschenrechtsexperte. Sein Eindruck: Der Norden des Iraks hat viele Voraussetzungen, um für christliche Flüchtlinge aus anderen Teilen des Irak eine Art sicherer Hafen zu sein.

„Von der Sicherheitslage her kann man das sicher sagen. Es gibt keinerlei Übergriffe im Nordirak, in Kurdistan, auf die Christen; der kurdische Staat bemüht sich auch, bei Streitigkeiten, die es natürlich immer zwischen den Volksgruppen gegeben hat und gibt (etwa um Land), zu friedlichen Lösungen zu kommen. Es gibt massive Unterstützung durchaus auch der christlichen Kirchen durch den kurdischen Staat – also, damit sind wesentliche Grundlagen für die Fortexistenz der Christen im Nordirak, in Kurdistan, eigentlich gegeben.“

Bei genauerem Hinsehen allerdings stelle man dann fest, dass die Christen, die aus Bagdad oder Mossul jetzt in die Dörfer ihrer Vorfahren flüchten, nicht auf ihr neues Leben in dieser Region vorbereitet sind.

„Die Rückkehrer sind meist gut ausgebildete Leute, die nie auf dem Land gearbeitet haben und die auch nicht wissen, wie sie auf dem Land arbeiten sollen – und die das auch nicht wollen. Das ist ein ganz großes Problem. Wir haben in vielen chaldäischen Dörfern mit Flüchtlingen gesprochen, die uns ganz klar gesagt haben, dass sie Projekte finanziert bekommen möchten – und wenn man dann nachgefragt hat, was sie sich darunter vorstellen, dann war zum Beispiel von einem Traktor die Rede und von anderen landwirtschaftlichen Maschinen. Und wenn man sie dann fragte, was sie damit machen würden, sind eigentlich keine vernünftigen, überzeugenden Antworten gekommen!“

Und selbst wenn sich diese Christen jetzt auf einmal in Landwirte verwandeln würden, so Oehring: Sie hätten wohl immense Schwierigkeiten, ihre Produkte im von türkischen Waren überschwemmten Nordirak überhaupt an den Mann zu bekommen.

„Insofern ist wirklich fraglich, was man mit diesen Menschen tun soll oder für sie tun soll. Das wird sicher noch durch Fachleute, durch Landwirtschaftsexperten, geprüft werden müssen: Sie sollten sich die Lage anschauen und mit den Leuten gemeinsam konkret überlegen, was möglich ist – auch für Menschen, die nie in der Landwirtschaft gearbeitet haben.“

Oehring berichtet, dass weiterhin viele Christen aus Bagdad, Mossul und anderen Landesteilen in den Nordirak strömen. Es sei allerdings davon auszugehen, dass die meisten nach Syrien oder in die Türkei weiterziehen wollten. Wer die Christen im Land halten wolle, müsse konkrete Projekte für sie auf die Beine stellen:

„Einzelne Bischöfe tun das auch, zum Beispiel im Hauptort Erbil und vor allem seinem christlichen Stadtteil. Dort führt der dortige Bischof Baschar Warda viele Projekte durch, die durchaus auch für die Ansiedlung von Christen aus anderen Teilen des Landes geeignet sind. Das Problem ist aber: Das Ansiedeln ist das eine, das Finden von Arbeit ist das andere. Das ist das große Problem, das sich weiterhin stellt.“

Viele chaldäisch-katholische Bischöfe im Irak hätten durchaus gute Ideen, wie man ihren Leuten helfen könne, so der Menschenrechtsexperte.

„Wenn es aber um die Leitung der Kirche geht, also insbesondere um den Patriarchen mit Sitz in Bagdad, muss man sagen, dass leider nicht das getan wird, was eigentlich getan werden müsste! Diese Woche hätte im nordirakisch-kurdischen Gebiet die Synode der chaldäischen Kirche stattfinden sollen und anschließend eine Versammlung aller Bischöfe der katholisch-unierten Kirchen, und diese beiden Veranstaltungen sind vom Patriarchen ohne Angabe eines neuen Termins in der letzten Woche – also doch sehr kurzfristig – abgesagt worden... auch ohne jede Begründung. Das spricht natürlich nicht dafür, dass man sich in Bagdad, speziell im Patriarchat, die Gedanken macht, die man sich eigentlich machen müsste, um dafür zu sorgen, dass die Christen im Irak bleiben und sich nicht weiterhin mit den Füßen gegen einen Verbleib im Irak entscheiden!“

Quelle: radio-vatikan.de (rv 06.04.2011 sk)

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