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Tunesien: „Flüchtlinge kein zentrales Thema“

Dr. Otmar Oehring, Leiter der Fachstelle Menschenrechte

18. April 2011

Vier Monate nach der Flucht von Präsident Ben Ali aus Tunesien ist die politische und wirtschaftliche Zukunft des Landes immer noch ungewiss. Zwar sollen bald Wahlen stattfinden, die Wirtschaft des Landes liegt aber nach wie vor brach, nachdem sich nach der Revolution viele ausländische Firmen zurück gezogen hatten. Wir haben mit Othmar Oehring vom katholischen Missionsdienst Missio gesprochen, der gerade von seiner Reise aus Tunesien zurückgekehrt ist. Er hat sich in den Straßen der Hauptstadt Tunis über die Wünsche und Erwartungen der Menschen umgehört:

„Also zwei Punkte, die ganz besonders wichtig sind: Einerseits der „Etat civil“, also ein säkularer Staat, den die Menschen doch offensichtlich in der Mehrheit wollen. Der aber bewusst nicht als laizistischer Staat bezeichnet wird, weil das dann doch Reaktionen der Islamisten hervorrufen würde, die man nicht hervorrufen will. Und das zweite, gerade auch von den Frauen als ganz wichtig bezeichnet, ist die Frage des Personenstandrechts, das in der Bourguiba-Zeit (Anm.d.Radio Vatikan-Red.: Habib Bourguiba, erster Präsident Tunesiens nach der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1956) in der Weise modernisiert worden ist, dass Mann und Frau im tunesischen Recht gleich sind. Dass das auch so bleibt, dafür will man sich natürlich einsetzen.“

Unterdessen geht der Streit um die tunesischen Flüchtlinge zwischen der Europäischen Union und Italien weiter. Laut EU-Behörden könne von einer Massenflucht nach Europa keine Rede sein. Die Vereinten Nationen weisen dagegen auf die viel dramatischere Lage in Nordafrika hin: Allein Tunesien hat mehr als 200.000 Flüchtlinge aus Libyen aufgenommen. In Tunis selbst regt sich deshalb aber niemand auf, so Oehring:

„Das Thema der Flüchtlinge ist kein zentrales Thema. Die Flüchtlinge sind weit weg, nicht ganz so weit weg, wie sie von Europa aus gesehen sind. Man hört natürlich in Kirchenkreisen über die Arbeit, die zugunsten der Flüchtlinge gemacht wird. Da ist von tausenden von warmen Mahlzeiten die Rede, die zubereitet worden sind, in jenen Landesteilen, in denen die Flüchtlinge momentan sind. Aber ansonsten merkt man davon in Tunis zumindest nichts.“

Italien hat an diesem Samstag begonnen, tausenden Tunesiern befristete Aufenthaltsgenehmigungen auszustellen. Vor der Polizeistation am italienisch-französischen Grenzübergang Ventimiglia stehen tunesische Migranten seit den Morgenstunden Schlange, um nach Frankreich weiterreisen zu können. Dagegen wäre eine Migration in die andere Richtung, also von Europa nach Tunesien, genau das, was das Land derzeit braucht, so Oehring:

„Ich denke, was Tunesien ganz sicher braucht, das ist der Tourismus. Der Tourismus muss wiederbelebt werden. Das größte Problem Tunesiens ist die Arbeitslosigkeit, die war ja schon vor der Revolution ein großes, wenn nicht das größte Problem des Landes, und sie ist natürlich jetzt noch ein viel größeres Problem. Das Problem ist ganz deutlich in Tunis zu sehen: Als Ausländer ist man momentan durchaus ein „seltenes Stück“, denn man sieht kaum Ausländer in der Stadt, man sieht wirklich nur Tunesier.“

Quelle: radio-vatikan.de (rv 16.04.2011 sk)

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