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Neue Märtyrer

Lobbyarbeit für verfolgte Christen

Dr. Gregor von Fürstenberg, missio-Vizepräsident (Aachen)

Mit Blick auf die Situation in Indien, den Irak oder auch Pakistan ist das Thema Christenverfolgung in die Tagespolitik zurückgekehrt. Dabei muss zwischen Christenverfolgung und der Diskriminierung von Christen unterschieden werden. Kirchen und kirchliche Nichtregierungsorganisationen können auf vielfältige Weise ihrer Verantwortung für verfolgte Christen gerecht werden.

Oskar Arnulfo Romero wurde am 24. März 1980 als Erzbischof von San Salvador während einer Messe von Todesschwadronen ermordet. Über 30 Jahre später, am 31. Oktober 2010, wurden 52 Menschen Opfer eines Terroranschlags in der Kirche „Mutter des Erlösers“ in Bagdad. Die Gläubigen waren Mitglieder der syrisch-katholischen Kirche. Die Verfolgung vieler lateinamerikanischer Christen fand aufgrund ihres sozialen und politischen Engagements, das im Glauben wurzelte, statt. Im neuen Jahrtausend sind neue Märtyrer zu beklagen, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt oder diskriminiert werden. Diese Märtyrer leben schwerpunktmäßig in der islamischen Welt und in Teilen Asiens.

Jahrelang war das Thema Christenverfolgung kein Thema der Tagespolitik. Inzwischen warnt Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy vor einer religiösen „Säuberung“ des Mittleren Ostens und nennt die Opfer „Märtyrer“ (laizistisch korrekt: „Märtyrer der Gewissensfreiheit“). Volker Kauder, Vorsitzender der Unionsfraktion, beklagt in einem Interview (Der Spiegel, Nr. 3/2011): „Aber ich muss leider feststellen, dass die Christen die Religionsgruppe sind, die zurzeit am meisten bedroht und verfolgt wird.“

Was ist Christenverfolgung?

Der Artikel 18 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ der UNO hält fest: „Jeder Mensch hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“ Damit ist sowohl die positive Religionsfreiheit definiert, nach der jeder Mensch die Freiheit hat, sich zu einer Religion zu bekennen und diese Religion auszuüben, wie auch die negative Religionsfreiheit festgehalten, also das Recht eines jeden Menschen, eine bestimmte Religionsgemeinschaft freiwillig verlassen zu können und die persönlichen religiösen Überzeugungen nicht offenbaren zu müssen.

Um dem Sachverhalt gerecht zu werden und nicht unnötig verbal aufzurüsten, ist eine Differenzierung zwischen „Christenverfolgung“ und „Diskriminierung von Christen“ notwendig: Als Christenverfolgung bezeichnet man eine systematische, gesellschaftliche und/oder staatliche Benachteiligung und existenzielle Bedrohung von Christen aufgrund ihres Glaubens. Des Weiteren ist es notwendig, den Begriff Christenverfolgung auch genau geografisch zu lokalisieren. Wenn im Distrikt Kandhamal im indischen Bundesstaat Orissa im August 2008 50 000 Christen wegen ihres Christseins Opfer von Verfolgung wurden, ist dies eine Christenverfolgung im Distrikt Kandhamal und betrifft nicht zwangsläufig alle 30 bis 40 Millionen Christen, die in Indien leben.

Damit es keine Missverständnisse gibt: Jedes einzelne Verfolgungsopfer ist zu beklagen. Gerade um den Opfern gerecht zu werden, ist es notwendig, die Situation exakt zu beschreiben und nicht aus effekthascherischen Gründen zu pauschalisieren. Es zählt jeder Einzelfall: Denn hinter nackten Zahlen verstecken sich die Schicksale von einzelnen Menschen, die Familienangehörige und Freunde verloren, die ihre Arbeit verloren haben oder nicht mehr zur Schule gehen können.

Unterhalb einer die Existenz bedrohenden Verfolgungssituation gibt es sehr unterschiedliche Szenarien, die es Christen schwer macht, ihren Glauben zu leben. Kardinal Zubeir Wako, Erzbischof von Khartoum (Sudan) hat immer wieder auf die schwierige Situation der Christen im Südsudan hingewiesen. Deren Lage ist durch den Jahre andauernden Bürgerkrieg äußerst schwierig. Aber Kardinal Wako hat die Situation immer als „harassment“ (Bedrohung, Belästigung, Drangsalierung) beschrieben und sich ausdrücklich gegen den Begriff Verfolgung („persecution“) gewandt.

Bei der Diskriminierung ist zu unterscheiden zwischen der individuellen und der kollektiven Religionsfreiheit. Unter der individuellen Religionsfreiheit versteht man das Recht des einzelnen Menschen, seinen Glauben und seine weltanschauliche Überzeugung frei auszuüben, ohne deswegen diskriminiert zu werden. Diese individuelle Religionsfreiheit stößt in zahlreichen islamischen Ländern an seine Grenzen, wo es nicht möglich ist, vom Islam zu einer anderen Religion zu konvertieren. Die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Christseins kann bis zur Verfolgung gehen.

Quelle: Herder Korrespondenz, Ausgabe 6/2011, S. 281 ff.

Gregor Freiherr von Fürstenberg (geb. 1965) ist Diplomtheologe, Betriebswirt und promovierter Soziologe. Seit 2004 ist er Vizepräsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio. Er ist Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken.

Die kollektive Religionsfreiheit ist das Recht einer Gruppe von Individuen, ihren Glauben beziehungsweise ihre religiöse Überzeugung als Gruppe frei äußern und leben zu können, ohne deswegen diskriminiert zu werden. Zur Beschränkung der kollektiven Religionsfreiheit kommt es beispielsweise in der Türkei, wo Christen das Recht auf Einrichtung eigener Kirchen fehlt und das staatliche Verbot besteht, Pfarrer oder Religionslehrer auszubilden und eigenen Religionsunterricht zu erteilen. Rund 100 000 Christen sind heute in der Türkei von ständiger Diskriminierung betroffen. Dies widerspricht der in der Türkei nach Artikel 24 der türkischen Verfassung geltenden Religionsfreiheit. So rief Bundespräsident Christian Wulff den türkischen Staat in seiner Rede vor dem türkischen Parlament im Oktober 2010 auf, die Rechte der Christen im Land zu verbessern und ihnen eine freie Religionsausübung zu ermöglichen. „Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei“, erklärte Wulff in seiner Rede (vgl. HK, Dezember 2010, 621 ff.).

Shahbaz Bhatti war Minister der Regierung Pakistans für die Minderheiten, bis er am 2. März dieses Jahres auf offener Straße in Islamabad ermordet wurde. Er galt als jemand, der sich auch angesichts mehrerer Morddrohungen, die er täglich erhielt, nicht einschüchtern lassen wollte. Der Minister hatte sich für eine Reform der umstrittenen Blasphemiegesetze eingesetzt. Die Nationalversammlung hat schließlich, auch auf seinen Rat hin, einen Unterausschuss zur Überprüfung der Blasphemie-Gesetze gebildet. Jetzt wurde der Minister von zehn Kugeln tödlich getroffen.

Land für Land und Situation für Situation anschauen

Wie viele Christen werden weltweit verfolgt oder bedrängt, werden immer wieder gerade die Hilfswerke gefragt. Die Zahlen, die aktuell gehandelt werden, sind häufig unzulässig. Wenn Organisationen, vorrangig aus dem evangelikalen Bereich, sagen, dass weltweit etwa 100 Millionen Christen in über 50 Ländern verfolgt sind, werden einfach die Zahlen der Christen in Ländern wie Indien oder Ägypten addiert, auch wenn die Verfolgungssituationen sich „nur“ auf einzelne Regionen beschränken.

Der Anschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria in der Silvesternacht kann genauso wie die Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen vom 8./9. März 2011 in Ägypten nicht monokausal erklärt werden. Der Anschlag auf die Kirche dürfte nach neueren Erkenntnissen auf Anweisungen des früheren Innenministers zurückgehen, der diesen wohl den Islamisten in die Schuhe schieben wollte. Die März-Auseinandersetzungen sind aus einem Zwist zwischen einer christlichen und einer muslimischen Familie entstanden. Ähnliches gilt für das gewaltsame Wochenende Mitte Mai in Kairo mit mindestens zwölf Toten und fast 200 Verletzten. In einer politisch instabilen Situation stiften extremistische Salafisten immer wieder zu Übergriffen auf die Christen an. Die Regierung scheint nun verstärkt auf die internationalen Appelle zum Schutz der Christen in Ägypten zu reagieren. Geht es bei den genannten Fällen um Verfolgung? Wenn es hochkommt, waren einige Hundert Christen unmittelbar betroffen (vgl. dazu auch „Die Hintergründe des brutalen Anschlags auf eine koptische Kirche in Alexandria am 1. Januar 2011“, in: Heft 41 Menschenrechtsstudien, missio Aachen [Hg.]). Wie viele ägyptische Christen sind nun verfolgt?

Bei rund 80 Millionen Einwohnern und einem Bevölkerungsanteil von 4,5 Prozent bis 8 Prozent Christen leben hier maximal 6,4 Millionen Christen (vgl. HK, Mai 2011, 242 ff.). Von 6 Millionen verfolgten Christen in Ägypten zu sprechen wäre nicht korrekt. Von 6 Millionen Christen in Ägypten zu sprechen, die in ihrem Glauben bedrängt werden, wäre wohl angemessener. Seriöserweise muss man sich daher Land für Land und Situation für Situation anschauen, um dann auch adäquat agieren zu können. Genau dies tut in beispielhafter Weise der „Annual Report to Congress on International Religious Freedom“ des US-Außenministeriums.

In Saudi-Arabien gibt es keine Kirche. Selbst Diplomaten ist es verboten, einen christlichen Gottesdienst zu feiern. Das zentrale Zitat aus dem Koran zum Thema „Freiheit der Religion“ lautet: „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ (Sure 2: 2.5.6) und „Euch Eure Religion und mir meine Religion“ (109: 6). Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat hierauf aufbauend in seiner islamischen Charta 2002 formuliert: „Daher akzeptieren sie (die Muslime) auch das Recht, die Religion zu wechseln, eine andere oder gar keine Religion zu haben.“

Diese Position des Zentralrats der Muslime ist zu begrüßen, findet sich aber nicht in der Schari’a wieder, die nach wie vor in vielen islamischen Staaten Basis des Rechtssystems ist. In der Türkei wurde die Schari’a 1924, in Tunesien 1959 abgeschafft. Immer noch gültig ist sie beispielsweise in Afghanistan, Bahrain, Bangladesch, Gambia, Katar, Kuwait, Nigeria (in einigen Bundesstaaten), den Malediven, in Mauretanien, im Iran, in Saudi-Arabien, Senegal oder im Sudan (ohne den Südsudan).

Die Schari’a kennt keine negative Religionsfreiheit für Muslime. Das islamische Recht verbietet zwar den Zwang, Christen zum Islam zu bekehren, gibt aber auf der anderen Seite einem Muslim nicht die Freiheit, für sich eine andere Religion als den Islam zu wählen. Die Organisation der Islamischen Konferenz, ein Zusammenschluss von derzeit 57 Staaten, hat im Jahre 1990 die „Kairoer Erklärung“ als Reaktion auf die Erklärung der Menschenrechte beschlossen. Diese „Kairoer Erklärung“ steht in vielen Punkten im Widerspruch zu der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die Unumstößlichkeit der Religionsfreiheit wird nicht anerkannt. Zu hoffen ist, dass durch die aktuellen Umstürze in der islamischen Welt sich die Menschenrechte und damit auch die Religionsfreiheit weiter durchsetzen.

Religiöse Diskriminierung lässt sich in Indien in verschiedenen Bereichen beobachten.

Laut einem Bericht der „Evangelical Fellowship of India“ gab es im Jahre 2010 149 antichristliche Übergriffe. Zunehmend wird in den indischen Medien antichristliche Propaganda verbreitet. Ungefähr 80 Prozent der Inder sind Hindus. Üblicherweise wird der Hinduismus in Bezug auf Toleranz als eine beispielhafte Religion dargestellt. Die hinduistische Toleranz gegenüber anderen Religionen wird begründet mit der Toleranz gegenüber den unzähligen Spielarten und Traditionen innerhalb des Hinduismus selbst. Viele hinduistische Tempel, die einer Gottheit geweiht sind, enthalten auch – weniger prominent platziert – Bilder anderer Gottheiten. In der Verfassung Indiens ist im Artikel 25 die Religionsfreiheit festgeschrieben. Verschiedene andere Verfassungsartikel halten fest, dass den religiösen Minderheiten ein besonderer Schutz gewährt wird. Dies war jedoch immer umstritten.

Die in den hindu-nationalistischen Kreisen vertretene Ideologie der „Hindutva“ strebt die Gestaltung der indischen Nation nach Prinzipien des Hinduismus an. Ziel ist es, die Republik Indien von einem laizistischen Staat zu einem Staat mit hinduistischer Staatsreligion zu machen. In der Zeit der Unabhängigkeitsbewegung diskreditierte sich diese Bewegung durch die Ermordung Mahatma Gandhis. In den letzten 20 Jahren hat dieses Denken jedoch aus einer Reihe von Gründen einen nicht unerheblichen Aufschwung genommen. Die Vertreter der Hindutva-Ideologie vertreten die Meinung, dass Menschen, die in Indien geboren sind, eigentlich Hindus sein müssten. Dies hat sehr weit reichende Konsequenzen. Christen und Muslime werden nicht mehr als indische Bürger angesehen, sondern als Fremdkörper im hinduistischen Gemeinwesen.

Religiöse Diskriminierung lässt sich in Indien in verschiedenen Bereichen festmachen. Exemplarisch sei hier genannt: Die „Antikonversionsgesetze“, die in einigen indischen Bundesstaaten (Orissa, Madhya Pradesh, Chhattisgarh, Arunachal Pradesh, Gujarat, Rajasthan und Himachal Pradesh) gelten und den Wechsel von einer Religion zur anderen sehr schwierig machen (vgl. HK, November 2008, 551 ff.).

Im Fall Orissa, wo 50 000 Christen verfolgt wurden und aus ihren Dörfern aus Sorge um Leib und Leben in die Wälder fliehen mussten, sind die staatlichen Autoritäten Indiens erst aktiv geworden, nachdem der indische Ministerpräsident Manmohan Singh beim Besuch von Frankreichs Staatspräsident

Sarkozy auf die Gewaltausbrüche angesprochen wurde. Im „Global Village“ ist es ein mögliches Druckmittel, Informationen zu verbreiten. In Indien hat die Sorge um das Image des Landes dazu geführt, dass einer der Täter mittlerweile zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde.

Was können Kirche und Nichtregierungsorganisationen tun?

Lebten zur Jahrtausendwende noch über eine Million Christen im Irak, leben dort heute gerade noch 200 000 Christen, was einem Bevölkerungsanteil von 0,66 Prozent entspricht. Viele Christen halten den Druck nicht mehr aus und flüchten in den relativ ruhigen Norden oder ins Ausland (vgl. HK, Mai 2010, 258 ff.). Benedikt XVI. und europäische Regierungschefs äußerten ihr Entsetzen nach den Anschlägen vom Oktober 2010. Doch es geschieht wenig, obwohl die irakische Verfassung die Freiheit der Religionsausübung garantiert. Die Anschläge lassen die Christen unterschiedlicher Konfessionen an ihrem Land verzweifeln. Unter Saddam Hussein ging es vielen Christen im Irak besser als heute. Es findet jetzt eine Abstimmung mit den Füßen statt. So sind die Christen als immer kleiner werdende Minderheit dem Druck von islamischen Fundamentalisten ausgeliefert. Dies hat Folgen. Louis Sako, Erzbischof der chaldäisch-katholischen Kirche von Kirkuk im Norden des Irak, wohin viele Christen geflohen sind, beklagte im Oktober 2010 vor der Menschenrechtskommission im italienischen Senat, dass es bald – nach 2000 Jahren – keine Christen mehr im Irak geben wird, wenn hier nicht radikal gegengesteuert werde.

Die Religionsfreiheit ist heute in unterschiedlichen Regionen der Welt gefährdet. Die Anerkennung des Rechts auf Religionsfreiheit, wie es in Paragraf 18 der UN Menschenrechts-Erklärung definiert wurde, bleibt eine offene Forderung an viele Vertreter des Islams und an die Staaten, die sich nach wie vor gegen die Achtung der Allgemeinen Menschenrechte aussprechen. Das Thema Menschenrechte und speziell das Thema Religionsfreiheit rückt zunehmend in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung. Dies ist auch der Arbeit der so genannten Nichtregierungsorganisationen zu verdanken.

Der Auftrag dazu erfolgt für Christen aus dem Evangelium. Die Verwirklichung des Rechts auf Religionsfreiheit ist die zentrale Voraussetzung für die öffentliche Verkündigung des Evangeliums. Zur Durchsetzung des Rechts auf Religionsfreiheit soll sowohl auf die Staaten eingewirkt werden, zu einer juristischen Absicherung des Rechts auf individuelle Religionsausübung zu kommen, als auch durch Gesetzesinitiativen eine Rechtssicherheit für die Religionsgemeinschaften als Ganzes hergestellt werden. Damit wird die universale Solidarität der Christen weltweit spürbar mit den Christen, die gegen alle Widerstände Jesus Christus nachfolgen.

Welche Möglichkeiten gibt es? Zahlreich sind die Initiativen, die im Bereich der Kirche als starker Akteur in der Zivilgesellschaft vorzuweisen sind. Zum Beispiel Lobbyarbeit: Experten, wie der Missio-Menschenrechtsbeauftragte Otmar Oehring, beraten Politiker aller Couleur über Verletzungen des Rechts auf Religionsfreiheit rund um den Globus. Als eine Gruppe von Parlamentariern 2010 nach Gujarat und Orissa in Indien reiste, stand Narendra Modi, Chief Minister des Bundesstaates Gujarat und einer der Führungsleute der Hindu-Nationalisten, wieder einmal im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. Seit seiner Komplizenschaft bei den Gewaltausschreitungen gegen Muslime 2002 darf er in viele westliche Länder und die USA nicht mehr einreisen. Damit wird sein Verhalten geächtet, so wie das von den Angeklagten durch den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien.

Nach wie vor sind deutlich weniger als 5 Prozent der professionellen Lobbyarbeiter im Bereich der Menschenrechte engagiert. Neben der klassischen Projektarbeit kann man relativ viel erreichen, wenn man bei den politischen Strukturen den Hebel für Änderungen der Lebensbedingungen der Menschen ansetzt.

Entscheidend ist dabei die Sachkenntnis der konkreten Zusammenhänge in den betroffenen Ländern: Kenntnis der Interessen des Partners, genaue Detailkenntnis konkreter Menschenrechtsverletzungen (juristisch verwertbare Fakten), dauerhaft gepflegte Kontakte, Glaubwürdigkeit und Vertrauen und die Einbindung von Kooperationspartnern. Reisen mit Journalisten und Politikern, Hintergrundgespräche, Dokumentationen von Menschenrechtsverletzungen, wie in den Menschen rechts studien der Deutschen Kommission Justitia et Pax, bereiten Erklärungen von Mandatsträgern vor.

Wichtig ist gleichfalls die Pressearbeit. „In China gibt es immer noch keine Religionsfreiheit“, sagt Kardinal Joseph Zen anlässlich der Nobelpreisverleihung 2010. Journalisten wollen im Fall von einem aktuellen Ereignis schnell die sachkundigen Menschen am Handy haben, um ihn mit einem „knackigen Zitat“ als Experten wiedergeben zu können. Kardinal Zen aus Hongkong ist ein solch geschätzter Gesprächspartner. Er versteht sich als das Sprachrohr für die Untergrundkirche in China.

Verkündigung dient auch dazu immer wieder an die Freiheit der Kinder Gottes zu erinnern, ohne die der Glauben nicht möglich ist. Beispielhaft sei hier die Initiative der Deutschen Bischofskonferenz genannt zur „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“ zum 2. Weihnachtstag – dem Fest des Heiligen Stephanus, des ersten christlichen Märtyrers. Die Initiative stellt jedes Jahr ein neues Land in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Damit wird der Fokus der Gemeinden auf einen speziellen Ort gelegt, wo die Gläubigen bedrängt und verfolgt werden. Zuletzt wurde 2010 die schwierige Situation der Christen in Indien in Fürbitten und im Gebet zum Thema gemacht.

33.946 Unterschriften hat das Internationale Missionswerk missio 2010 mit seiner Pharmakampagne an den Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) übergeben. Die Unterzeichner hatten sich dafür eingesetzt, dass HIV-infizierte Kinder eine bessere medizinische Versorgung erhalten. Warum eine solche Kampagne nicht auch einmal für Christen in Bedrängnis auf die Beine stellen? Neben der Arbeit mit Experten hat die Arbeit „an der Basis“, um die „hearts and minds“ der Menschen zu gewinnen, zunehmend an Bedeutung gewonnen. In der globalisierten Welt, in der das Interesse an reibungslosen Geschäften groß ist, kann der Hebel der „öffentlichen Wahrnehmung“ angesetzt werden, beispielsweise durch Protestnoten mit vielen Unterschriften an die Botschaft des betroffenen Landes.

Eine elektronische Unterschriftenliste für die Rechte der Christen im Irak – via „Facebook“ als „gefällt mir“-Button – wird wohl die Zukunft sein. Waren es früher die klassischen Unterschriftenlisten für die Freilassung von chinesischen Dissidenten, tritt heute verstärkt das Internet an diese Stelle. Durch das Internet sind heute rasche Vernetzungen möglich, hergestellt durch das Fernsehen, die Internetplattform „Youtube“ und soziale Netzwerke wie „Facebook“, damit die „Macht der Vielen“ spürbar wird. Wie effektiv dies heute sein kann, machen gerade die Umbrüche in den Maghreb-Staaten deutlich. Ziel der Arbeit der Nichtregierungsorganisationen ist es, diese Öffentlichkeit herzustellen. Das Spotlight wird im „Global Village“ auf die dunklen Flecken gerichtet. Damit kann sich niemand vor der Welt verstecken.

Im Koalitionsvertrag von 2009 verpflichtet sich die deutsche Außenpolitik zum Schutz religiös verfolgter und christlicher Minderheiten: „Ebenso kontinuierlich wird sich die Bundesregierung weltweit für Religionsfreiheit einsetzen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Lage christlicher Minderheiten legen.“ Inzwischen wird das Thema Christenverfolgung in der Politik immer ernster genommen. Zuletzt hat sich der Deutsche Bundestag im Dezember 2010 mit dem Thema „Religions-und Glaubensfreiheit“ befasst. Dies zeigt Wirkung. Viele Staaten mit eingeschränkten Rechten für die Ausübung der frei gewählten Religion müssen unter dem öffentlichen Druck eine größere Glaubens- und Religionsfreiheit zugestehen. Die Religionsfreiheit ist ein primäres und unveräußerliches Menschenrecht. Der Einsatz für verfolgte Christen wird dann besonders glaubwürdig, wenn es um den Einsatz für die Rechte von Gläubigen geht, gleich welchen Glaubens, und nie nur um die Religionsfreiheit der Christen.

Mit freundlicher Genehmigung der Herder Korrespondenz

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