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"Das Dümmste, was man tun könnte"

Dr. Otmar Oehring, Leiter der Fachstelle Menschenrechte

5. August 2011

Der Uno-Sicherheitsrat hat sich nach der Gewalt in Syrien zu einer Verurteilung des Regimes durchgerungen, zu Sanktionen aber nicht. Im domradio.de-Interview warnt Otmar Oehring vor einem militärischen Eingreifen - und den Folgen eines Umsturzes für die Christen im Land.

domradio.de: Als „brutal und schockierend“ bezeichnete die UN die Vorgehensweise des Assad-Regimes gegen Demonstranten. Warum ist die Internationale Staatengemeinschaft ansonsten eher machtlos?

Oehring: Das versteht man nicht wirklich. Man kann sich das nur so zusammenreimen, dass die Internationale Staatengemeinschaft natürlich an friedlichen Verhältnissen - insbesondere im Hinblick auf den Libanon und Israel - interessiert ist; dass es also nicht zu Gewalt über die Grenzen Syriens hinaus kommt. Anders lässt sich das kaum erklären. Denn das, was wir aus Syrien hören, ist durchaus beunruhigend. Und da müsste schon etwas von außen passieren.

domradio.de: Zurzeit wird ein militärisches Eingreifen kontrovers diskutiert. In Libyen hat man damit eher mäßigen Erfolg. Kommt für Sie eine militärische Aktion in Frage?

Oehring: Ein militärisches Eingreifen wäre das Dümmste, was man tun könnte. Denn man würde hier unter Umständen auch Opposition unterstützen, die man normalerweise nicht unterstützen wollen würde. Da Auffallende an dem Konflikt in Syrien ist ja, dass die Opposition sich sehr schnell bewaffnet hat. Da stellt sich schon die Frage, woher die Waffen gekommen sind und wer ein Interesse an einem internen bewaffneten Konflikt hat. Und das Zweite ist, dass wir alle nicht genau wissen, wer diese Opposition ist. Es ist zu vermuten, dass da durchaus auch Gruppierungen aus dem Kreis der Moslembrüder sind, unter Umständen auch Salafisten. Und niemand im Westen wird ein Interesse daran haben, dass genau diese Gruppen durch militärisches Eingreifen in Syrien unterstützt würden. Außerdem würde militärisches Eingreifen die gesamte Situation im Nahen Osten um Syrien herum destabilisieren. Deshalb muss man dringend raten, von militärischem Eingreifen abzusehen.

domradio.de: Welche Rolle spielen die Christen Syriens in diesem Konflikt?

Oehring: Die Christen in Syrien spielen im Grunde genommen überhaupt keine Rolle. Sie sind weder diejenigen, die den Konflikt betreiben, noch sind sie unmittelbare Opfer des Konflikts, zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Man müsste aber befürchten, dass sie zu Opfern des Konflikts würden, sollte es zu einem Umsturz kommen. Denn sie sind seit vielen Jahren in einem gewissen Näheverhältnis zum Regime. Ein Regime, das sich auf ungefähr elf Prozent der Bevölkerung stützt: Die alevitische Minderheit sucht natürlich zwangsläufig nach anderen Koalitionären, die mehr oder weniger gezwungenermaßen mit ins Boot gezogen werden. Das ist der Fall der Christen: Sie haben keine wirkliche Macht im Land, auch keine Teilmacht, auch wenn sie zum Teil hohe Positionen haben, was dann aber nur nominell so ausschaut. Faktisch haben immer die Aleviten das Sagen. Und wenn es zu einem Umsturz kommen würde, wären die ersten Opfer sicher die Aleviten. Aber sicher auch die, die mit den Aleviten mitgemacht haben - aus der Sicht der Opposition - und das wären dann unter Umständen die Christen. Vor dem Hintergrund sind die Äußerungen der christlichen Bischöfe im Land absolut nachvollziehbar. Wenn man auch die Äußerungen insgesamt nicht teilen muss, insbesondere wenn es um die Frage der Toten und auch der Inhaftierten geht. Das ist aus kirchlicher Sicht überhaupt nicht tolerabel.

Quelle: domradio.de (dr 05.08.2011 Aurelia Plieschke)

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