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Beschneidung in Kenia

Ende einer brutalen Tradition?

Die katholische Ordensschwester Dr. Ephigenia W. Gachiri gehört zu den weltweit 150 Millionen beschnittenen Frauen. Als Kind konnte sie sich nicht gegen die blutige Körperverletzung wehren. Inzwischen leitet sie in Kenia eine vorbildhafte Kampagne, die sie selbst vor zwölf Jahren gestartet hat, um Mädchen vor der Beschneidung zu retten. missio unterstützt Schwester Ephigenia, die zur Gemeinschaft der Loreto-Schwestern gehört, bei ihrer Arbeit.

Aufklärung: Mit Unterstützung von missio führt Schwester Ephigenia ihre Kampagne durch.
Aufklärung: Mit Unterstützung von missio führt Schwester Ephigenia ihre Kampagne durch. © Bettina Flitner / missio
Die junge Generation: Wie vielen Mädchen bleibt künftig die Folter der Beschneidung erspart? © missio / Bettina Flitner

Niemandem soll das widerfahren, was ihr selber angetan wurde. Das ist die Mission von Schwester Ephigenia in Kenia. Das ist der Grund, warum sie öffentlich über eine brutale Tradition spricht, der täglich 6000 Mädchen weltweit zum Opfer fallen. Am heutigen Tag fährt sie in eine Schule, die weit außerhalb der Hauptstadt Nairobi liegt. Schwester Ephigenia stellt sich vor die Klasse und hält ein Messer fest in der Hand. Der Griff ist aus Holz, die Klinge schmutzig und scharf. „Hiermit sind dutzende Mädchen beschnitten worden“, erläutert sie. Die Schülerinnen schauen gebannt auf die Tatwaffe.

„Beschneidung ist gefährlich und schmerzhaft“, erläutert die 66-jährige Ordensschwester. „Ich kenne Geschichten von Mädchen, die es nicht überlebt haben.“Noch nie hat jemand mit den Schülerinnen so offen über das Thema gesprochen. „Es gibt keinen Grund für die Beschneidung“, sagt Schwester Ephigenia. „Gott hat euch so schön und vollkommen geschaffen, ihr seid nicht unrein, ihr müsst nicht beschnitten werden.“ Dann spricht die Nonne noch eine Warnung aus. „Meistens sagen sie euch nichts, bevor ihr beschnitten werden sollt. Sie sagen euch nur, dass ihr zu einer Tante fahrt und dass es dort etwas zu feiern gibt. Seid also wachsam.“ Am Ende der Schulstunden kann Schwester Ephigenia noch eine Unterstützerin ihrer Kampagne gewinnen. „Wenn ihr noch Fragen habt, hilft euch eure Klassenlehrerin Mary Wamugunda weiter.“

Der Beschneidung entgangen: Ihre Mutter wurde noch beschnitten, doch das Massia-Mädchen Cynthia wurde vor der brutalen Verstümmelung gerettet. © missio / Bettina Flitner

Flucht vor der Beschneidung

Als die Schülerin Maureen nach Hause kommt, berichtet sie ihrer Mutter begeistert von dem Schultag und von Schwester Ephigenia. „Mädchen müssen gar nicht beschnitten werden, Mama. Denn das tut so schrecklich weh.“ Die Mutter blickt ihre Tochter streng an. „So ein Unsinn. Ich bin beschnitten worden und du wirst auch beschnitten werden.“

Einige Wochen später sagt die Mutter zu Maureen: „Morgen gehen wir zu deiner Tante ins Dorf. Da wird es ein großes Fest geben. Dann wirst du endlich eine junge Frau werden und kannst verheiratet werden.“ Maureen kann in der Nacht nicht schlafen. Sie ist verzweifelt. Sie grübelt. Sie betet. Dann nimmt sie einen Stoffbeutel, packt etwas zu essen und zu trinken ein. Leise schleicht sie sich aus der Hütte ihrer Eltern. Einige Stunden ist sie unterwegs bis sie endlich am Haus ihrer Lehrerin ankommt. Hier ist sie in Sicherheit. Seit mehreren Monaten lebt Maureen jetzt bei ihrer Lehrerin und teilt sich mit deren Tochter ein Zimmer. Maureens Mutter hatte nach der Flucht gesagt, sie wolle keine Tochter mehr im Hause haben, die nicht beschnitten sei.

Im Rahmen ihrer Kampagne hat Schwester Ephigenia immer wieder aus Erfahrungen gelernt: Wer erfolgreich gegen Beschneidung sein will, muss mehr tun als aufzuklären. „Zwar ist die Genitalverstümmelung verboten, aber niemand hält sich daran“, hat sie erkannt. Also lädt sie zu ihren Veranstaltungen Politiker und Polizisten, Bürgermeister und Dorfvorsteher, Eltern und Lehrer ein. Sie fordert ihre Unterstützung zum Schutz der Mädchen ein. Mit ihrem Charisma und ihrer Tatkraft vermag sie viele Menschen zu gewinnen.

Beschneiderin: Sie hält an der Tradition fest. © missio / Bettina Flitner

Ausweg aus der grausamen Tradition

Doch eine große Sorge quält Schwester Ephigenia. Viele Mädchen wie Maureen sind bei ihren Familien nicht sicher vor der Beschneidung. Ein Hilfsangebot kommt von dem irischen Missionar John Fortune, der als Gemeindepriester bei den Massai lebt und neben seinem Pfarrhaus mehrere kleine Häuser bauen will. Hier sollen die Mädchen Zuflucht finden und von Ordensschwestern betreut werden. Nun hoffen sie auf Spenden. Gleichzeitig möchte Schwester Ephigenia mehr Eltern gewinnen, die tragische Tradition aufzugeben. Sie hat ein alternatives Fest eingeführt, mit dem der Initiationsritus vom Mädchen zur Frau ohne Beschneidung gefeiert wird. Es beginnt mit einem Workshop für die Familien. Den Höhepunkt bilden ein Festmahl und ein Gottesdienst.

Am heutigen Sonntag predigt Pfarrer Peter Kamauin Lare gegen die Beschneidung und ruft am Ende 26 Mädchen an den Altar. „Ich segne euch im Namen Gottes.“ Dann überreicht Schwester Ephigenia den Teenagern eine Urkunde. Jetzt ist es offiziell. Die ganze Gemeinde weiß es nun. Die Mädchen wurden vor der Beschneidung gerettet. Vor fünf Jahren hat die Ordensschwester hier erstmals über die Beschneidung gesprochen. Damals waren fast alle Mädchen im Schulalter Opfer der Genitalverstümmelung. Dank der Mission von Schwester Ephigenia ist hier die Zahl der beschnittenen Mädchen um die Hälfte gesunken. In diesem Jahr will Schwester Ephigenia rund 15000 Mädchen mit ihrer Kampagne erreichen. Das Ende der Beschneidung hat hier begonnen.

Jörg Nowak

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