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Spirituelle Orte in Burgund und Lyon
Ein Reisetagebuch auf den Spuren von Pauline Jaricot

Auf den Spuren von Pauline Jaricot, der Mutter der weltweiten missio-Bewegung, ist eine Gruppe von missio-Freunden und -Förderern unterwegs. Die Busreise führt sie an spirituelle Orte im südlichen Burgund und Lyon. missio-Mitarbeiter Dorothée Kissel, Ioan Brstiak und kontinente-Chefredakteurin Beatrix Gramlich begleiten sie. 

Tag 1

Drei Personen stehen vor einem modernen Reisebus. Eine Frau lächelt und steht auf der Stufe, während zwei Personen, ein Mann und eine weitere Frau, daneben stehen. Der Bus ist schwarz mit großen Fenstern und lässt den Himmel widerspiegeln.
Die missio-Mitarbeiter Dorothée Kissel, Ioan Brstiak und kontinente-Chefredakteurin Beatrix Gramlich (vorne) kurz vor der Abfahrt.

Um 9 Uhr morgens geht es in Stuttgart los. Bei der Mittagsrast kurz hinter der französischen Grenze platzt mit dem Wasserball, denn wir uns zuwerfen sollen, auch das geplante Kennenlernspiel. So wird es eine normale Vorstellungsrunde, in der wir unsere Wünsche und Erwartungen an die Reise formulieren. Der letzte Beitrag: „Ich wünsche mir, dass wir weiterfahren!“

Romanische Baukunst 


Nach sieben Stunden Busfahrt sind wir froh, uns endlich die Beine vertreten zu können. Nur wenige Schritte weiter und wir stehen vor einem mächtigen romanischen Bau: Die Abtei St. Philibert von Tournus aus dem 10. und 11. Jahrhundert gilt als eines der ältesten klösterlichen Zentren Frankreichs. 875 brachten Mönche, die die Normannen von der Atlantikinsel Noirmoutier verjagt hatten, die Reliquien des Heiligen Philibert hierher.

Französische Lebensart 


Abends Ankunft im Wallfahrtsort Paray-le-Monial, einem 10 000-Einwohner-Städtchen mit einer Million Besuchern im Jahr. Unser Pilgerhotel ist eine ehemalige Poststation aus dem 18. Jahrhundert. Auf dem Bett die typisch französische Wolldecke mit Laken, Toilette getrennt vom Badezimmer und ohne Waschbecken. Dafür ein Drei-Gänge-Abendessen. Auf dem Tisch stehen Brot und ein irdener Krug mit Wasser für alle. Das Menü serviert ein Ägypter, der perfekt Deutsch spricht und sogar Worte wie „lecker“ beherrscht.
 

Eingang eines Hotels mit Restaurant, dargestellt durch große Holztüren und einem dekorativen Oberlicht. Über den Türen ist ein Neon-Schild mit der Aufschrift "Hotel Restaurant". Es gibt einen kleinen Pflanzenkübel und einen Abfallbehälter in der Nähe.
Die Pilgerherberg in Paray-le-Monial ist eine ehemalige Poststation aus dem 18. Jahrhundert.
Ein Tischgedeck mit einem Korb Brot und einem großen, gemusterten Krug. Der Korb enthält verschiedene Brotsorten, während im Hintergrund Weingläser und Teller sichtbar sind.
Die hungrigen Pilger erwartet ein Drei-Gänge-Abendessen nach einem langen Tag.
Drei Tassen auf einem Holztisch. Die linke Tasse zeigt ein Herz mit Blumen und dem Wort "Confiance", die mittlere Tasse zeigt eine malerische Stadtansicht mit einem Schloss, und die rechte Tasse hat ein Herz mit einer Kruzifix-Illustration und dem Text "Cœur Sacré, j'ai confiance".
Überall im Wallfahrtsort Paray-le-Monial können Pilger Devotionalien kaufen.

Tag 2

Die Herz-Jesu-Stadt


Heute ist Herz-Jesu-Fest – der Höhepunkt des Jahres in Paray-le-Monial. In dem kleinen Ort im südlichen Burgund hatte die Ordensfrau Marguerite-Marie Alacoque zwischen 1673 und 1675 Visionen, in denen sie Jesus nicht als fernen Herrscher, sondern mit dem Herzen eines Liebenden sah. Die Herz-Jesu-Spiritualität entstand, Paray-le-Monial mit seiner gewaltigen Basilika aus dem 11./12. Jahrhundert wurde zu ihrem Zentrum.

Wir haben Glück: Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der Patriarch von Jerusalem, ist in Paray-le-Monial zu Besuch. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat ihm für seinen Einsatz für Dialog und Frieden im Nahen Osten den Orden der Ehrenlegion, eine der höchsten Auszeichnungen des Landes, verliehen. Die Herz-Jesu-Feierlichkeiten in Paray-le-Monial stehen dieses Jahr unter dem Motto „Jerusalem, die Herzensstadt Jesu“. In seinem Morgenimpuls setzt der Kardinal Jesu Erlebnisse und seine inneren Kämpfe im Garten von Gethsemane in Bezug zur Liebe: „Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern eine Entscheidung.“ Anschließend hat er sogar Zeit für ein Foto mit der missio-Gruppe.
 

Eine Gruppe von Menschen steht im Freien auf einer Wiese, umgeben von Bäumen. In der Mitte steht eine Person in bischöflicher Kleidung. Die Gruppe besteht aus verschiedenen Altersgruppen und Ethnien, alle lächeln und posieren für das Foto.
Die missio-Reisegruppe mit dem Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, im Wallfahrtsort Paray-le-Monial.

Den anschließenden Gottesdienst feiern wir mit mehr als 1000 Pilgern unter freiem Himmel. Der Einzug der Bischöfe, Priester, Messdiener und Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem mit ihrem schwarzen Barett scheint kein Ende zu nehmen. Nach der Stärkung für die Seele geht es, vorbei an einem plätschernden Herz-Jesu-Brunnen, ins Pilgerrestaurant. Selbst für die Massen gibt es ein Drei-Gänge-Menü. 

Eine Gruppe von Menschen in weißen Gewändern versammelt sich auf einem Platz. Im Vordergrund stehen zwei Jungen, einer hält ein Weihrauchgefäß und der andere ein Kreuz. Im Hintergrund sind weitere Personen in der gleichen Kleidung zu sehen, während ein weiteres Gebäude und eine Statue im Bild sichtbar sind.
Feierlich und lang ist der Einzug zur Messe in Paray-le-Monial.
Ein großes, mit roten Blumen und Blättern geschmücktes Herz aus Holz steht in einer grünen Umgebung. Wasser fließt aus dem unteren Teil des Herzens. Im Hintergrund sind einige Gebäude und Bäume sichtbar.
In Paray-le-Monial ist das Herz Jesu überall präsent – selbst in Form eines Brunnens.

Tag 3

Cluny: Markttag und Abtei

Samstag ist Markttag in Cluny. Vorbei an Ständen mit regionalen Köstlichkeiten – auch solche wie Wachteleier – schlendern wir zur berühmten Abtei. Dort stehen wir erst mal vor verschlossenen Toren. Als sie sich um 9.30 Uhr öffnen, sind wir die ersten Besucher, die das altehrwürdige Gebäude betreten. Cluny, vor mehr als 1000 Jahren gegründet, war über Jahrhunderte eins der wichtigsten geistlichen Zentren Europas. Erhalten sind nur noch Teile. 

Ein Markstand mit verschiedenen Obst- und Gemüsearten. In Holzkisten sind Tomaten in unterschiedlichen Farben, Auberginen, Zucchini und Karotten ausgestellt. Im Hintergrund ist ein Lieferwagen zu sehen.
Üppig und bunt ist das Angebot an frischem Gemüse auf dem Markt in Cluny.
Ein Holztisch mit einem Korb voller Eier und einem Informationsschild über „La Ferme de Dam“. Daneben liegen mehrere kleine Eier in einer Platte und eine Schere. Im Hintergrund ist eine Wand und weitere Objekte zu sehen.
Auch Wachteleier mit ihrer typischen schwarz-weißen Musterung gibt es auf dem Markt in Cluny.
Ein Klostergebäude mit zwei Türmen im Hintergrund, umgeben von einer bunten Wiese mit roten Mohnblumen und bunten Wildblumen. Der Himmel ist klar und blau, was eine friedliche Atmosphäre schafft.
Die Abtei Cluny wurde vor mehr als 1000 Jahren gegründet.
Blick auf eine alte Steinkirche mit einem hohen Turm. Die Architektur zeigt Bögen und Steinmauern, die zum historischen Charakter des Gebäudes beitragen. Der Himmel ist klar und blau, was die Szenerie beleuchtet.
Cluny ist eines der wichtigsten geistlichen Zentren Europas.

Mittagsgebet in Taizé

Am späten Vormittag nehmen wir in Taizé am Mittagsgebet teil. Das Dorf in Burgund, das Frère Roger Schütz im Zweiten Weltkrieg begann, zu einem Ort der Versöhnung zu machen, hat sich längst zu einem Magnet für Jugendliche aus ganz Europa entwickelt. Die Schlichtheit, Stille und Spiritualität beeindrucken auch uns. „Ich war als Student hier“, sagt Willi Moosmann, 75. „Jetzt habe ich mich sehr gefreut wiederzukommen. Taizé ist der Inbegriff für Ökumene, Frieden, Versöhnung.“

Blick auf eine schmale Straße in einem Dorf, gesäumt von alten Steinhäusern mit roten Fensterläden. Im Vordergrund stehen bunten Blumen, darunter rosafarbene und weiße Malven, die ein lebendiges Bild in der ländlichen Umgebung schaffen. Der Himmel ist klar und blau.
Der Frühsommer hat in Taizé Einzug gehalten. Im alten Dorfkern blühen Stockrosen.

Der Pfarrer von Ars

Letzte Etappe auf dem Weg nach Lyon: Ars-sur-Formont, Wirkungsstätte und Wohnhaus des Heiligen Jean-Marie Vianney, Pfarrer von Ars. Der Reliquienschrein mit seinem Herzen wird in einer Kapelle neben der Kirche verehrt.

Eine Ansammlung von brennenden Kerzen in verschiedenen Farben, hauptsächlich rote und weiße. Einige Kerzen zeigen Bilder von Heiligen oder religiösen Figuren. Die Atmosphäre wirkt andächtig und ruhigend.
Gerne nutzen die Pilger der Reisegruppe die Möglichkeit, in der Kirche von Ars Kerzen zu entzünden.
Ein Sarg aus Gold und Glas steht in einer Kirche, darin eine mumifizierte Figur, die in weißes Tuch gehüllt ist. Blumenarrangements und Kerzen befinden sich vor dem Sarg, während die Wände der Kirche verzierte Inschriften aufweisen.
Zum Grab des Pfarrers von Ars pilgern täglich viele Menschen.

Tag 4

Auf dem Emmausweg

Der Einkehrtag heute steht unter dem Leitwort „Sei mutig und stark“. Auf unserem Emmausweg zur Pfarrkirche Notre-Dame Du Bon Secours in Lyon geht es um die Frage „Wie können wir trotz Erschöpfung aufbrechen?“ Denn Mut beginnt oft im Kleinen – zum Beispiel damit, ehrlich zuzugeben, wo einem die Puste ausgeht. 

Auch Pauline Jaricot, die Mutter der Laienmission, ging ihren Weg nicht im Gefühl, perfekt zu sein, sondern weil sie entschlossen war, trotz aller Hindernisse und eigener Schwächen den ersten Schritt zu tun. 

Eine Gruppe von sechs Personen steht im Freien vor einer Kirche mit einem hohen Turm. Sie halten Papiere in den Händen und scheinen miteinander zu sprechen. Um sie herum sind Bäume und Hellblauer Himmel sichtbar.
Auch ein Einkehrtag unter dem Motto „Sei mutig und stark“ gehört zur Pilgerreise.

Tag 5

Zwei Frauen stehen lächelnd vor einer Zimmertür mit der Nummer 108. Die Frau links trägt ein weißes Oberteil und gemusterte Hosen, während die Frau rechts ein farbenfrohes Kleid trägt und eine Tasche mit einem illustrierten Motiv hält.
Monika Abel (links) und Christa Maria Hauck haben sich während der Pilgerreise ein Doppelzimmer geteilt.

Glücksfall

Die Zwei haben sich gefunden: Monika Abel, 74, (li.) und Christa Maria Hauck, 71, kannten sich vor der Reise nicht. Beide aber hatten „Biblische Reisen“, das die Fahrt mit organisiert hat, ihre Bereitschaft bekundet, mit jemanden ein Doppelzimmer zu teilen. Schon beim Telefonat im Vorfeld hatten die beiden das Gefühl: Das passt. Jetzt sagen sie: „Wir hatten so viel Spaß miteinander! Abends haben wir den Tag immer nochmal Revue passieren lassen. Das war ein Glücksfall!“

Drei Flüsse: Rhône, Saône, Beaujolais

Mit unserer französischen Reiseführerin Claire tauchen wir ein in die bewegte Geschichte, Lyons. Die 500.000-Einwohner-Stadt am Zusammenfluss von Rhône und Saône gilt als Wiege der Christen in Frankreich. Die ersten lebten bereits Mitte des zweiten Jahrhunderts hier; unter den römischen Machthabern, die seit 43 v. C. über Lyon herrschten, bezahlten viele ihren Glauben mit dem Leben.

Geheime Abkürzungen

Ihre Blütezeit erlebte die Stadt im 15./16. Jahrhundert, nachdem der König ihr das Monopol auf die Seidenweberei gewährt hatte. In dieser Zeit entstand das Altstadt-Viertel St. Jean mit der gleichnamigen Kathedrale. Heute ist es mit seinen engen Gassen, die oft durch schmale Hausdurchgänge, die sogenannten Traboules, miteinander verbunden sind, und den Bouchons, Gaststätten mit einfacher lokaler Küche, ein beliebter Treffpunkt. Die Lyoner sagen, in ihrer Stadt gebe es eigentlich drei Flüsse: Rhône, Saône und Beaujolais.

Enge Gasse mit historischen Gebäuden, in der eine Statue an einer Wand zu sehen ist. Ein Straßenschild mit der Aufschrift "RUE DE LA FRONDE" ist ebenfalls abgebildet. Der Himmel ist blau und klar.
Die Altstadt von Lyon mit ihren engen Gässchen ist ein beliebter Treffpunkt.
Eine Gruppe von Menschen geht durch einen schmalen, beleuchteten Korridor mit orangen Wänden. Die Szene zeigt eine helle Öffnung am Ende des Ganges. Einige Personen tragen Hüte und Rucksäcke.
„Traboules“ nennen die Einwohner von Lyon die schmalen Gänge durch Häuser und Innenhöfe der Altstadt.

Die Bewohner von Lyon traboulieren gerne: Sie nutzen die schmalen Gänge durch Häuser, Treppenaufgänge und Innenhöfe als Abkürzung. Die Seidenweber versteckten sich während ihrer Aufstände im 19. Jahrhundert in den Traboules vor der Polizei, Mitglieder der Résistance im Zweiten Weltkrieg vor den deutschen Besatzern. Traboule kommt übrigens vom lateinischen transambulare, hindurchgehen.

Auf dem Weg zur Basilika Notre Dame, die hoch über der Stadt auf dem Hügel „La Fourvière“ thront, hält unser Bus vor einem Wohnhaus. Ein Künstlerkollektiv hat die Fassade mit Szenen aus der Stadtgeschichte bemalt. Über Sternekoch Paul Bocuse und dem „Kleinen Prinzen“ entdecken wir Pauline Jaricot. Neben ihr die Schutzpatronin Lyons, die heilige Blandine. 

Die Innenansicht einer prächtigen Kirche mit hohen Decken, reich verzierten Wänden und farbigen Fenstern. Menschen versammeln sich im Raum, um die beeindruckende Architektur und die künstlerischen Details zu bewundern.
Die Basilika Notre Dame in Lyon ist ein Besuchermagnet.
Das Bild zeigt eine Hausfassade an einem gelben Gebäude mit vier Balkonen. Auf den Balkonen stehen verschiedene Figuren in Kleidung aus verschiedenen Epochen, die miteinander interagieren oder nach draußen schauen. Einige haben persönliche Gegenstände dabei.
An einer Hausfassade in Lyon sind bedeutende Persönlichkeiten der Stadt zu sehen, darunter Pauline Jaricot.

Über den Rosengarten unterhalb der Basilika erreichen wir das Haus Lorette: Hier hat Pauline Jaricot gelebt. Von hier aus hat sie zusammen mit ihren Gefährtinnen, den „Töchtern Mariens“, ihr Werk zur Glaubensverbreitung vorangetrieben. Ihre Idee war ebenso einfach wie wirkungsvoll: Jedes Mitglied betet täglich ein Vaterunser, spendet wöchentlich den kleinen Geldbetrag von einem Sou für die Mission und sucht zehn weitere Mitstreiter. Entstanden ist daraus eine weltweite Bewegung.

Eine Gruppe von 15 Personen steht vor einem Gebäude. Sie tragen Sommerkleidung und Sonnenhüte. Einige haben Rucksäcke und Wanderstöcke. Im Hintergrund ist ein Banner sichtbar. Die Stimmung wirkt freundlich und gesellig.
Die Reisegruppe vor dem Haus Lorette, in dem Pauline Jaricot lebte.
Ein stilvolles Schlafzimmer mit einem hölzernen Bett, das eine graue Bettdecke und eine Blume darauf hat. Neben dem Bett steht ein Nachttisch mit einer Lampe, die sanftes Licht abgibt. Die Wände sind mit einem gemusterten Tapeten dekoriert.
Die Besucher können auch einen Blick in Pauline Jaricots Schlafzimmer werfen.

Am Nachmittag treffen wir die Jesuiten, die mitten im Zentrum von Lyon leben. Sie berichten, dass sie in ihrem Konvent regelmäßig Asylbewerber aufnehmen, an Schulen und Hochschulen arbeiten, Exerzitien und Ehevorbereitungskurse anbieten. Da Staat und Kirche in Frankreich seit 1905 per Gesetz strikt getrennt sind, sind Orden wie Bistümer auf Spenden angewiesen. In der Stadtpfarrei St. Blandine berichtet uns Pfarrer Xavier Grillon, wie rasant seine Gemeinde in den vergangenen zehn Jahren gewachsen ist. Zum Sonntagsgottesdienst kommen knapp 1000 Besucher. An Ostern hat er 52 Erwachsene getauft. Das Erfolgsrezept: charismatische Erneuerung. Messen, in denen Lobpreis eine wichtige Rolle spielt und eine Profi-Band Musik macht – dazu ein großes Team von ehrenamtlichen Helfern. Auf jedem Platz klebt ein QR-Code, über den man sich für einen Dienst eintragen kann. Bei der Kollekte kann man nicht nur bar, sondern auch per Bankkarte spenden. „Gemeinde“, so Xavier Grillon, „wächst da, wo die Gläubigen von Konsumenten zu Handelnden werden“.

Eine Gruppe von Menschen sitzt an einem langen Tisch im Freien, umgeben von Pflanzen. Ein Mann steht am Kopf des Tisches und spricht zu den Anwesenden, die aufmerksam zuhören. Es ist hell und sonnig, die Stimmung wirkt entspannt und freundlich.
Pause im schattigen Garten der Jesuiten in Lyon.
Fünf Männer stehen in einer hell erleuchteten Umgebung, in der eine Veranstaltung stattfindet. Sie unterhalten sich, während farbige Lichtstrahlen auf die Bühne scheinen. Im Hintergrund sind bunte Glasfenster zu sehen, die einen historischen Ort suggerieren.
Die Teilnehmer der Reisegruppe sind interessiert am Gemeindeleben in Frankreich.
Eine Gruppe von etwa 25 Personen steht auf Stufen in einer Kirche. Im Hintergrund sind bunte Fenster und ein großer Bildschirm zu sehen. Die Teilnehmer sind lächelnd und tragen unterschiedliche Sommerkleidung.
Die Reisegruppe besucht die Jesuiten in Lyon.

Tag 6

Früher No-go-Area, heute Szeneviertel

Letzter Tag und ein neuer Rekord im Frühaufstehen: Um sieben Uhr sitzen alle beim Frühstück, eine dreiviertel Stunde später im Bus. Wir starten zu einem Rundgang über Lyons zweiten Hügel Croix Rousse, der Stadtteil der Seidenweber. Früher, erklärt unsere französische Reiseführerin Isabelle, eine No-go-Area, heute ein gefragtes Viertel. Die Lyonaiser nennen es ironisch „BoBo“ für die Bourgeois (Bürger) und Bohemien (Freigeister), die es für sich entdeckt haben. In den schmucklosen Mietskasernen haben im 19. Jahrhundert die Seidenweber mit ihren Kindern und Gesellen gelebt und täglich zwölf Stunden und mehr geschuftet. So lange brauchte es, um fünf Zentimeter Seide zu weben.

Eine Treppe mit einem einzigartigen, geschwungenen Design in einem Innenhof. Die Wände sind grau, mit Fenstern, die die Aussicht auf die Stufen und das darüberliegende Geschoss bieten. Einige Mängel sind sichtbar, und es gibt Geländer an beiden Seiten der Treppe.
ie engen Wohnungen in den schmucklosen Mietskasernen teilten sich die Seidenweber mit ihren Gesellen. Der Webstuhl stand am Fenster, denn nur hier gab es genügend Licht.
Eine Wandmalerei zeigt eine Atelier-Szene mit Künstlern und Handwerkern, die an Stoffen und Kunstwerken arbeiten. Über der Szene steht der Schriftzug "REVES DE SOIE". Vögel fliegen am oberen Rand der Wand entlang.
Fassadenmalerei in Croix Rousse zeigt das Leben im Viertel. Der Ingenieur Joseph-Marie Jacquard erfand ein Lochkartensystem, um bestimmte Muster zu weben. Heute sind sie als Jacquard-Muster bekannt.

Perspektivwechsel

Um elf Uhr treten wir die Heimreise an. Sechs prall gefüllte fünf Tage voller Geschichte(n), Begegnungen, und spirituellen Anregungen gehen zu Ende. „Vielleicht“, so Dorothée Kissel in ihrem Schlussimpuls, „ist das Entscheidende nicht, was wir alles gesehen haben, sondern was wir nun anders sehen“. 

Eine Gruppe von Touristen steht unter Bäumen und hört einer Führerin zu. Die Teilnehmer sind unterschiedlich gekleidet und tragen Taschen. Die Umgebung wirkt grün und einladend, was auf einen sonnigen, warmen Tag hinweist.
Nach sechs gut gefüllten Tagen endet die Pilgerreise auf den Spuren von Pauline Jaricot in Lyon.