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Unterwegs in Sierra Leone
Tagebuch einer Reise

kontinente ist unterwegs in Sierra Leone. Redakteurin Christina Brunner recherchiert mit der Fotografin Bente Stachowske neue Geschichten für das missio-Magazin. Welchen Menschen sie dabei begegnen, welche Erlebnisse sie besonders beeindrucken und was alles am Rande der Recherchen passiert, erzählen sie hier. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen einer kontinente-Reportage!

 

Tag 1: Angekommen

Die ersten freigelassenen Sklaven kamen übers Wasser und gründeten Freetown, die Stadt der Freien im „Land des Löwen“ - heute die Hauptstadt von Sierra Leone. Touristen nehmen die Fähre vom Flughafen in die Stadt.

Denn in den Hügeln von Freetown ist einfach kein Platz für eine Landebahn. Der erste Reisetag: Mit Auto, Bahn, Flugzeug und Boot haben wir fast alle Verkehrsmittel genutzt!

Eine nächtliche Ansicht einer Landebahn von einem Auto aus, mit einer erleuchteten Stadt im Hintergrund. Die Lichter reflektieren sanft auf dem Asphalt. Die Atmosphäre ist ruhig und vermittelt ein Gefühl der Weite.
Nächtliche Ankunft in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone.

Tag 2: Starke Frauen und Männer

Ein Mann sitzt auf einem speziellen Roller in einer Werkstatt, umgeben von mehreren Menschen, die mit Metallarbeiten beschäftigt sind. Die Werkstatt ist unordentlich und enthält verschiedene Gegenstände wie Töpfe und Werkzeuge. Der Mann trägt ein blaues T-Shirt und schaut direkt in die Kamera.
Menschen mit Behinderungen können in einer besonderen Kooperative in Freetown ein Handwerk lernen.

Menschen mit Behinderung haben es in Sierra Leone schwer: Die Straßen voller Löcher, ihre selbstgebauten Rollstühle bleiben immer wieder stecken. In die Busse und Motortaxis kommen sie nicht rein. Und Arbeit gibt es nicht. 

Ein Leben in Würde

„Wir wollen nicht betteln“, sagt Saidu Abdulai Sesay. Mit 320 anderen Frauen und Männern hat er eine Art Kooperative gegründet. Hier lernen Autisten, Polio-Erkrankte, Menschen mit amputierten Gliedmaßen ein Handwerk und verdienen sich ihren Lebensunterhalt selbst. Starke Männer und Frauen, die nur eines wollen: in Würde leben.

Komba Gborie kann wie viele seiner behinderten Kollegen nur schwer gehen. So sitzt er elf Stunden am Tag auf einer alten Autofelge und schmiedet Macheten, Hacken und Hammer aus Altmetall. 

Er verdient kaum etwas und doch: „Hier in der Behindertenwerkstatt zu arbeiten, war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich will nicht in den Straßen betteln. Ich bin stolz auf das, was ich leisten kann.“

Ein Handwerker sitzt in einer Werkstatt und bearbeitet Holz mit einem Werkzeug. Eine Frau in bunter Kleidung hockt vor ihm auf dem Boden und fotografiert ihn. Die Umgebung ist rustikal, mit Holzresten und einem offenen Raum.
Die Fotografin Bente Stachowske fotografiert Komba Gborie bei seiner Arbeit in der Werkstatt. Er schmiedet Macheten, Hacken und Hammer.

Tag 3: Ablenkungsmanöver

Eine weiße Frau steht in einem Klassenzimmer mit bunten Wänden und hat die Hände erhoben. Die schwarzen Kinder in rosa Hemden blicken begeistert zu ihr auf und habe ihre Hände ebenfalls erhoben. Die Atmosphäre ist fröhlich und lernfreudig.
Redakteurin Christina Brunner lenkt die Kinder mit einem Klatschspiel ab, damit Fotografin Bente Stachowske im Nebenraum ihrer Arbeit nachgehen kann.

Gar nicht so einfach, ein einzelnes Kind zu fotografieren, wenn so viele andere aus dem Kindergarten auch vor die Kamera möchten… 

Kontinente-Redakteurin Christina Brunner griff zu einem Trick und beschäftigte die ganze Kindergruppe mit einem Klatschspiel. Da war die Session mit Fotografin Bente Stachowske im Nebenraum gleich gar nicht mehr so interessant.

Tag 4: Kampf der Droge

Eine Gruppe von jungen Männern sitzt in einem Raum und hört einem Sprecher aufmerksam zu. Der Mann in der Mitte gestikuliert, während die anderen entspannt auf Stühlen oder Bänken sitzen und ihn ansehen. Die Atmosphäre wirkt konzentriert und miteinander verbunden.
Für die drogenabhängigen jungen Männer ist die Unterstützung durch Mr. Morlai und Sr. Onyinye ein Rettungsanker.

Kush, eine zusammengepanschte Droge aus Cannabis, Traumadol, Fentanyl und Menschenknochen ist billig und überall zu haben. Vor allem junge Leute konsumieren sie und sterben in den Straßen. Mr. Morlai, ein Muslim, nimmt junge Drogenabhängige in sein Haus auf, bei ihm sollen sie clean werden. Sr. Onyinye stärkt ihm den Rücken und ermutigt ihn. 80 Prozent der Männer schwören tatsächlich der Droge ab.

Tag 5: Blick hinter Gefängnismauern

Gefängnisse heißen hier „Correctional Center“, aber sie sind furchtbar: dunkle, überbelegte Zellen, in denen die Gefangenen ab 16 Uhr bis morgens eingeschlossen werden. Es gibt nichts zu tun und nur Reis zum Essen. Ohne die Salesianer wäre ihre Situation verzweifelt. Die Ordensgemeinschaft hat missio um Hilfe gebeten, um wenigstens etwas besseres Essen hinter die Mauern zu bringen.

Eine Gruppe von schwarzen Frauen in einfachen Kleidern steht vor einer Tür, über der an der Wand „WELCOME TO BO FEMALE CORRECTIONAL CENTER" steht.
Hinter den Mauern des Frauengefängnisses in Bo wartet auf die Gefangenen ein karges und elendes Leben.