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Auf einen Kaffee mit... Evelyn und Jakob Schmidt

Moderation: Eva-Maria Werner

Evelyn Schmidt liebt den würzigen Geschmack von Fleisch und Wurst. Ihr Sohn Jakob ernährt sich seit einigen Jahren vegetarisch. Ein Gespräch am Küchentisch über Tierwohl, Verantwortung und persönliche Vorlieben.

Zwei Tassen Kaffee auf Untertassen, eine pink mit der Aufschrift „Evelyn“ und eine blau mit der Aufschrift „Jakob“. Aus beiden Tassen steigt Dampf auf.

Was essen Sie beide am liebsten? 

EVELYN S.: Sauerkraut, Haxe und Kartoffelklöße. 
JAKOB S.: Ich mag besonders gern vegetarische Lasagne.

Seit wann sind Sie Vegetarier, Herr Schmidt? 

JAKOB S.: Seit vier Jahren. Ich habe von heute auf morgen entschieden: Ich esse ab sofort kein Fleisch mehr. Es war eine Art positiver Gruppenzwang. Denn viele aus meinem Freundeskreis sind Vegetarier. Sie leben fleischlos,  weil sie nicht möchten, dass Tiere für ihre Ernährung leiden und sterben müssen. Mir fehlt nichts seit der Umstellung.

Können Sie sich ein Leben ohne Fleisch und Wurst vorstellen, Frau Schmidt? 

EVELYN S.: Hm, schwer. Schon als Kind habe ich mein Brot nur mit Blutwurst, Schinken und Leberwurst belegt. Marmelade und Nutella mag ich nicht. Wenn andere zwischendurch einen Schokoriegel essen, greife ich zum Bierbeißer. Und beim Grillen gehören für mich ein gut durchwachsenes Steak oder Bauchscheiben einfach dazu.

Welche Auswirkungen hat die Entscheidung Ihres Sohnes, vegetarisch zu essen, auf die Mahlzeiten der Familie? 

EVELYN S.: Wir haben auch vorher nicht täglich Fleisch gegessen. Und wenn, dann kommt es vom Metzger aus dem Nachbardorf, der noch selbst schlachtet und Tiere aus der Region verwertet. Nach Jakobs Entschluss habe ich anfangs oft zweierlei gekocht, zum Beispiel eine Lasagne mit und eine ohne Fleisch. Heute bekommt er ein Fleischersatzprodukt, und  mein Mann und ich essen das normale Steak. 
JAKOB S.: Es gibt unglaublich viele gute Ersatzprodukte, von Frikadellen über Würstchen bis zum Schnitzel. Die bestehen aus Soja oder Erbsenproteinen und schmecken wirklich gut. EVELYN S.: Also für mich ist das keine Alternative. Mir fehlt der würzige Geschmack des  Fleischs. Und es beißt sich auch anders ...

Ist das Tierwohl das einzige Argument  für Sie, vegetarisch zu leben, Herr Schmidt? 

JAKOB S.: Nein. Die Tierhaltung hat ja auch gravierenden Einfluss auf den Klimawandel. Bei der Fleischproduktion entsteht sehr viel CO2. Es braucht Unmengen an Wasser und Platz, um das Futter für die Tiere anzubauen. Dafür wird auch Regenwald in Südamerika abgeholzt. 
EVELYN S.: Käse isst du aber viel und gerne. Dafür braucht man auch Kühe. Was soll man denn mit der Kuh machen, wenn sie keine Milch mehr gibt? Sie wird dann geschlachtet. 
JAKOB S.: Ja, okay. Ganz geht das Konzept Vegetarismus nicht auf. Aber man braucht weniger Tiere. Und es werden keine jungen Kälber getötet für besonders gutes und teures Fleisch. 
EVELYN S.: Ich bin auch dafür, dass  insgesamt weniger geschlachtet wird. Es bleibt ja generell bei Nahrungsmitteln so viel übrig. Man muss abends kurz vor Ladenschluss nicht noch die volle Auswahl haben. 

Wird bei Ihnen am Tisch  über das Thema „vegetarisch essen“ noch viel diskutiert? 

JAKOB S.: Eher selten, weil meine Argumente meine Eltern nicht interessieren. Aber manchmal kann ich mich nicht zurückhalten und sage etwas missgelaunt, zum Beispiel wenn Bacon auf dem Tisch steht: „Wenn man seinem  Körper irgendetwas Schlechtes tun will, dann isst man Bacon.“ Das ist extrem krebserregend! Auch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes ist viel höher, wenn man Fleisch konsumiert. 
EVELYN S.: Ich esse jeden Tag einen Apfel, insgesamt viel Gemüse. Ich rauche nicht und trinke keinen Alkohol und laufe den ganzen Tag herum. Das gleicht es aus. 
JAKOB S.: Nein, tut es nicht.

Finden Sie, dass es reine Privatsache ist, was man isst und wo man einkauft? 

EVELYN S.: Ja. Es ist auch eine Sache des Budgets. Wenn wir in der Kindertagesstätte, in der ich als Erzieherin arbeite, zum Grillen einladen, wollen alle dabei sein. Ich kann niemandem befehlen, Bio-Fleisch beim Metzger zu kaufen, weil viele das Geld dafür einfach nicht haben. Dann kommt eben eine fünfköpfige Familie mit kleinem Geldbeutel mit fünf Steaks vom Discounter.

Herr Schmidt, wünschen Sie sich mehr Unterstützung für Ihr Anliegen?

JAKOB S.: Ja! Ich finde, man erfährt zu wenig darüber, wie ungesund Fleisch ist und wie die meisten Tiere dafür gehalten werden. 
EVELYN S.: Die Leute wollen doch gar nicht sehen, wie ein Masthuhn mit riesiger Brust lebt: dicht an dicht mit den Artgenossen, damit es nicht umfällt. 
JAKOB S.: Eben! Aber das wäre doch nur ehrlich, wenn man es zeigen würde. Wer kann schon etwas mit den Haltungsformen anfangen? Wer weiß, was Form eins bedeutet und wie viel Platz einem Tier bei Form vier zur Verfügung steht? Ich fände es gut, wenn man – ähnlich wie auf Zigarettenschachteln – abbilden würde, was Fleischkonsum für Konsequenzen hat, direkt auf der Verpackung. Dann würde vielleicht manchen der Appetit vergehen. Und noch etwas: Nur derjenige sollte Fleisch essen  dürfen, der in der Lage ist, ein Tier zu töten. 
EVELYN S.: Ich schlachte und rupfe unsere Hühner selbst. Sie legen nur etwa zwei Jahre lang Eier. Würde ich sie nicht schlachten, hätten wir irgendwann zu viele hier herumlaufen. Aber ich töte nur die, denen ich keinen Namen gegeben habe. 
JAKOB S.: Ich verstehe nicht, warum manche Tiere mehr wert sein sollen als andere. Schwein essen ist okay, Hund essen dagegen nicht. Das ist doch total inkonsequent.

Eine Frau und ein Junge stehen in einer modernen Küche. Sie halten Lebensmittel in den Händen: die Frau hat Würstchen und Brot, der Junge hält eine Pfanne mit Obst und Gemüse in der Hand.
Evelyn Schmidt isst am liebsten Wurst auf ihrem Butterbrot. Ihr Sohn Jakob lebt seit einigen Jahren vegetarisch.

Ist Fleisch essen eine Generationenfrage? 

EVELYN S.: In meinem Jahrgang gibt es kaum Vegetarier. 
JAKOB S.: Allein in meiner Klasse sind es bestimmt zehn. Am wenigsten können Opa und Oma meine Entscheidung, vegetarisch zu leben, verstehen. Da kommen immer wieder Kommentare. Wenn ich mal schlecht geschlafen habe oder krank bin, sagt Opa:  „Du müsstest mal wieder richtig Fleisch essen. Dann geht’s dir besser.“ Um des lieben Friedens willen hab’ ich an Weihnachten eine Ausnahme gemacht und Gans gegessen. 

Wäre vegan zu leben eine Option für Sie? 

JAKOB S.: Nein, da müsste ich Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Das möchte ich nicht. Die Umsetzung wäre auch schwer, etwa im Urlaub. Nicht alle Restaurants sind darauf eingestellt. In Bayern sind Käsespätzle ja schon das Vegetarischste, das es gibt ...