Auf einen Kaffee mit ... Sr. Katharina und Tobias Haberl
Moderation: Eva-Maria Werner
Die Missions-Benediktinerin Schwester Katharina Rohrmann fühlt sich zur Priesterin berufen und wünscht sich, dass die katholische Kirche Weiheämter für Frauen öffnet. Autor Tobias Haberl befürchtet dann eine Spaltung der Kirche.
Schwester Katharina, wie haben Sie Ihre Berufung zur Priesterin erlebt?
SR. KATHARINA: Es gab zwei einschneidende Erfahrungen. Während einer Auszeit in Münsterschwarzach hörte ich in einer Vesper die Anfrage von IHM: „Du sollst meine Priesterin sein.“ Offiziell ist das in unserer Kirche nicht möglich. Aber ich habe es so empfunden. Einige Jahre später spürte ich bei Exerzitien, wie Jesus mir die Hände auf den Kopf legte – Gott selbst hat mich schon geweiht.
Herr Haberl, viele Männer haben sich mit dem Buch „Frauen ins Amt“ für die Priesterweihe von Frauen stark gemacht. Hätte man Sie mit einem Beitrag dafür gewinnen können?
HABERL: Nein. Weil ich, wenn es um den Glauben geht, andere Fragen wichtiger finde. Trotzdem habe ich in meinem Buch „Unter Heiden“ mein Hin-und-her-gerissen-Sein artikuliert, weil ich natürlich ein Mensch des 21. Jahrhunderts bin und mir Fragen der Gerechtigkeit wichtig sind. Aber im Glaubenskontext leide ich nicht darunter, dass die Sache so ist, wie sie ist. Wobei ich nicht ausschließen kann, dass ich in einigen Jahren womöglich anders darüber denke.
Warum ist Ihnen die Frauenweihe wichtig, Sr. Katharina? Geht es Ihnen um mehr Macht?
SR. KATHARINA: Natürlich nicht, auch wenn uns Frauen das manchmal unterstellt wird. Es geht mir um die Anerkennung der Kirche, dass Jesus mir sagt: „Gib das weiter, was ich aufgetragen habe.“ Ich möchte, dass ernst genommen wird, dass jeder Mensch diese Berufung haben kann. Die Berufung von uns Frauen wird nicht einmal geprüft. Das tut weh! Für mich steht die Frage dahinter, wie ernst wir Jesus- und Gottesbeziehungen überhaupt nehmen.
HABERL: Wenn ich höre, dass sich eine Frau wie Sie berufen fühlt, dann tut mir das stellvertretend weh. Und das soll jetzt nicht großväterlich klingen. Trotzdem merke ich, dass das starke Reformbedürfnis, das viele Leute äußern, mir Sorgen macht. Tun wir etwas nur, um der Gesellschaft zu gefallen? Um die Flucht aus der Kirche zu stoppen? Das wäre die falsche Motivation für einen Wandel innerhalb der Kirche.
Wovor haben Sie Angst?
HABERL: Vor einer Spaltung. Wie würde die Weltkirche reagieren, wenn plötzlich Frauen zur Priesterin geweiht werden dürften? Das hätte Konsequenzen, die wir nicht wollen können. Die Kirche darf und soll in größeren Zeiträumen und Dimensionen denken. Entscheidend ist nicht, was die Gesellschaft, sondern was Gott will. Es liegt nun einmal eine Gefahr darin, wenn etwas, das 2000 Jahre lang richtig war, auf einmal falsch sein soll.
Die Rolle der Frau war in den vergangenen 2000 Jahren nicht immer unverändert. In den ersten Jahrhunderten n. Chr. hatten Frauen wichtige Ämter in der Gemeinde.
HABERL: Ich bin kein Theologe, aber ahne, dass man theologisch sowohl dafür als auch dagegen argumentieren kann.
Man könnte innerhalb der Weltkirche auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sein ...
SR. KATHARINA: Ja, zum Teil geschieht das auch schon. Unsere Mitschwestern in Brasilien haben bereits vor 50 Jahren Gemeinden geleitet, weil die Not so groß war. Ein Priester kam nur einmal im Jahr vorbei. Sie haben zwar keine Eucharistie gefeiert, aber den Menschen geholfen, Gott zu begegnen.
Offiziell dürfen Sie nicht Priesterin sein, wie leben Sie Ihre Berufung trotzdem?
SR. KATHARINA: Ich lebe das, was schon erlaubt ist, denn es gibt ja vieles, das man vielleicht einfach noch einmal neu entdecken muss. Etwa Krankenkommunion spenden oder Beerdigungen halten. Auch meine Tätigkeit als Notfallseelsorgerin sehe ich als priesterlichen Dienst. Zu sagen: „Die Seele eines Menschen ist mir nicht egal.“ Also, ich tue nichts Unerlaubtes ...
Sie würden nicht so weit gehen wie die Frauen, die sich 2002 auf einem Donauschiff zu Priesterinnen haben weihen lassen?
SR. KATHARINA: Nein, das würde ich nicht tun. Unabhängig davon, dass ich das Gefühl habe, schon geweiht zu sein – von Gott. Ich will niemanden verletzen. HABERL: Das ist mir sehr sympathisch, was Sie gerade sagen. Es spricht für Ihren verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema. Man muss auch die im Blick haben, die eine Frauenweihe respektlos finden würden. Ich denke, so wie Sie sich dem Ziel nähern, ist es erfolgsversprechender, als mit einer PR-Aktion zu provozieren. Es gibt viele Möglichkeiten, in priesterliche Tätigkeiten hineinzuwachsen, ohne mit der offiziellen Lehre in Konflikt zu geraten.
SR. KATHARINA: Aber wir sollten dabei nicht stehen bleiben.
HABERL: Ist die Forderung nach Frauenordination eigentlich mit dem Zölibat verknüpft?
SR. KATHARINA: Interessante Frage! Das wird erst einmal nicht mitgedacht.
Wieso ist diese Frage für Sie so bedeutsam?
HABERL: Weil sie eine Sorge berührt, die mich beim Nachdenken über Frauenordination befällt: Ich habe Angst vor einer zu starken Verbürgerlichung der Kirche. Es handelt sich eben nicht um einen Verein oder eine NGO, sondern eine Gemeinschaft von Menschen, die sich auf den Sohn Gottes beruft, das wird heute allzu oft vergessen. Natürlich ist Kirche auch für Werte und Moral zuständig, aber eben nicht nur. Christus ist doch nicht am Kreuz gestorben, damit wir sympathische Menschen werden, sondern um uns zu erlösen – das ist ein Unterschied. Viele Menschen finden es skandalös, dass es die Frauenordination nicht gibt. Aber ich merke, dass dieser Wunsch nicht aus einer tiefen Auseinandersetzung mit dem Thema herrührt. Sie denken, das kann nicht sein heutzutage, dass Frauen irgendwas nicht dürfen. Ich leide mit Frauen, die sich berufen fühlen, aber habe Angst, dass sich die Kirche irgendwann nicht mehr von den Grünen unterscheidet.
SR. KATHARINA: Für mich steckt die Frage dahinter: Was ist Kirche? Wo wird sie erfahrbar? Mein Anliegen ist es, die Botschaft Jesu so erlebbar zu machen, dass sie die Menschen anspricht. Egal in welchem Stand, Amt, Dienst: Geht hinaus und erzählt davon! Mir ist die Frage wichtig: Was würde Jesus sagen? Er hat in der jeweiligen Realität und nach Notwendigkeit gehandelt.
HABERL: Glauben Sie, dass die Frauenordination kommen wird?
SR. KATHARINA: Irgendwann ja, vielleicht in 500 Jahren? Ich werde sie nicht mehr erleben.