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Interview zur Ausstellung im Gasometer Oberhausen
Wir wollen emotional berühren

Mit mehr als 1,5 Millionen Besuchern gehörte „Planet Ozean“ im Gasometer Oberhausen zu den erfolgreichsten deutschen Ausstellungen. Auch „Mythos Wald“ haben kurz nach dem Start schon 150.000 Menschen gesehen. Was fasziniert die Leute an diesen Ausstellungen?  

Wir sprechen alle Sinne an. Die Ausstellungen im Gasometer sind ja wissenschaftlich fundiert, aber sehr populär aufbereitet. In unsere großformatigen Fotos kann man „eintauchen“. Dazu kommen sehr wertvolle Exponate aus verschiedenen Naturkundemuseen. In einem Klangraum hören die Besucher, wie die Wälder morgens bei Sonnenaufgang klingen – in Deutschland, dann in Südamerika, Nordamerika, über Australien, Asien, schließlich in Afrika. Auf der nächsten Etage gibt es die 35 Meter hohe Kunstinstallation eines Baumes. Bei uns sieht man den deutschen Wald so, wie man ihn noch nie gesehen hat. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen noch nie etwas von Springschwänzen, Schleimpilzen und Bärtierchen gehört haben!

Diese Mischung zieht die Besucher an? 

Ja, ganz sicher. Aber es ist nicht nur die Inszenierung, sondern vor allem das Thema selbst. Der Wald ist für viele Menschen ein Sehnsuchtsort: Er steht für Ruhe, Schutz, Kindheitserinnerungen, für etwas Ursprüngliches. Genau da setzen wir an. Wir wollen die Menschen nicht belehren oder mit Katastrophenbildern überfordern, sondern sie zunächst über die Schönheit erreichen. Wenn man sieht, wie vielfältig, lebendig und zugleich verletzlich dieses Ökosystem ist, entsteht fast automatisch die Frage: Was verlieren wir eigentlich, wenn wir so  weitermachen wie bisher?

Eine lächelnde Frau steht vor einem grauen Hintergrund. Sie trägt einen schwarzen Blazer und einen gestreiften, hellblauen Schal. Ihre Haare sind kurz und braun. Sie hat eine entspannte Körperhaltung und ihre Hände legt sie locker in die Hüften.
Jeanette Schmitz ist Kuratorin der aktuellen Ausstellung „Mythos Wald“ im Gasometer Oberhausen.
Ein kleines, braunes Insekt nähert sich einem leuchtend roten, kelchförmigen Pilz mit langen, schwarzen Fäden. Der Hintergrund ist unscharf und vermittelt eine natürliche Umgebung.
Nahaufnahme einer Kellerassel, die sich einem Schleimpilz nähert.

„Mythos Wald“ ist ja die dritte Ausstellung einer Trilogie ... 

Ja, und für uns schließt sich damit ein Kreis. Mit „Das zerbrechliche Paradies“ haben wir den Blick auf die Erde als Ganzes gerichtet: auf ihre Schönheit, aber auch auf den menschlichen Fußabdruck. Danach kam mit „Planet Ozean“ der größte Lebensraum und Klimamotor unseres Planeten in den Fokus. Jetzt widmen wir uns dem Wald — einem Lebensraum, der uns besonders nah ist und gleichzeitig global in Bezug auf das Klima eine enorme Bedeutung hat. Wälder sind nicht nur Kulisse oder Erholungsraum. Sie sind Lebensraum, Sauerstoffproduzent, Wasserspeicher und ein entscheidender Teil der natürlichen Kreisläufe, von denen unser Leben abhängt.  

Gelingt es Ihnen, die Menschen so zu sensibilisieren, dass sie womöglich ihr Verhalten ändern? 

Das ist natürlich die große Hoffnung. Ob daraus im Alltag dauerhaft anderes Verhalten entsteht, können wir nicht messen. Aber wenn Besucherinnen und Besucher den Wald nach dieser Ausstellung bewusster sehen, ist schon viel erreicht.     

Interview: Christina Brunner