Margot Moran, 50, ist alleinerziehend und lebt in Paita, Peru. Sie stellt süße Eisgetränke her, die vor allem bei Schulkindern beliebt sind.
Wie sieht Ihr Tag normalerweise aus?
Ich stehe um 6.30 Uhr auf und mache Frühstück für mich und meine Tochter. Wenn sie aus dem Haus ist, kümmere ich mich um den Haushalt und füttere meine Enten. Anschließend koche ich Fruchtsirup, mit dem ich aus gefrorenem Wasser geraspeltes Eis süße. Das verkaufe ich ab Mittag, wenn es heiß ist und die Kinder der Nachbarschaft aus der Schule kommen. Manchmal besuche ich meine Mutter, die in einem anderen Viertel wohnt. Anschließend bereite ich das Abendessen vor: Für mich der schönste Moment des Tages, denn dann kommt fast immer auch mein Sohn auf dem Heimweg von der Arbeit vorbei. Wir essen oft alle zusammen. Spätestens um elf bin ich im Bett.
Was tun Sie am liebsten?
Ich nähe und stricke gerne. Am liebsten Kleidung für meine Enkelin Dania. Sie ist zwei Jahre alt. Es macht mir Spaß, kreativ zu sein. Dabei bekomme ich gute Laune und entspanne mich.
Was macht Sie glücklich?
Wenn ich mit kleinen Kindern zusammensein kann. Sie haben so eine positive Energie. Meine Enkelin besucht mich zweimal in der Woche. Wir spielen dann gemeinsam und lachen viel.
Wovor haben Sie Angst?
So schwer krank zu werden, dass ich meinen Kindern auf der Tasche liege.
Haben Sie ein Lebensmotto?
Ich sage mir immer wieder, dass ich nichts von anderen Menschen erwarten kann. Ich gebe anderen gerne etwas ab, helfe und unterstütze. Aber leider wissen das nicht alle zu schätzen.
Wen oder was lieben Sie?
Meine Eltern. Ich verdanke ihnen so viel. Vor allem meine Mutter ist meine beste Freundin, mit der ich mich über alles unterhalten kann und die immer einen guten Rat hat. Ich habe Angst, sie zu verlieren.
An wen oder was glauben Sie?
Ich bin nicht getauft und gehöre keiner Kirche an. Aber ich glaube trotzdem an Gott und bete oft in meinem Zimmer. Für mich ist er ein spirituelles Wesen, jemand, der überall ist und zu dem man im Gebet sprechen kann, der einem zuhört und einem hilft, die Gedanken zu ordnen.
Wenn Sie Regierungschefin von Peru wäre, was würden Sie verändern?
Ich würde alle Politiker, die sich persönlich bereichern, ins Gefängnis stecken. Und ich würde mich um die jungen Menschen kümmern. Die sind heute so vernachlässigt und haben keine Perspektiven. Ich würde Freizeitaktivitäten für sie anbieten, Sport, Musik. Außerdem brauchen sie moralische Unterstützung, jemand, der ihnen zuhört und Werte vermittelt. Und ich würde dafür sorgen, dass es genügend Arbeit für sie gibt.
Interview: Sandra Weiss