Bety Innocent Moshi, 56, verkauft gebrauchte Kinderkleidung auf dem Markt in Arusha im Norden Tansanias.
Wie sieht Ihr Tag normalerweise aus?
Seit 27 Jahren verkaufe ich Kinderkleidung aller Art für Mädchen und Jungen im Crocon-Markt von Arusha. Um halb neun komme ich und schließe den Stand abends um 18.30 Uhr. Ich kaufe die Kleider in 45-Kilo-Bündeln vom Großhändler und lege sie dann an meinem Stand aus, sortiert nach Größen und Geschlecht. Es ist jedes Mal eine Überraschung, was in so einem Bündel steckt, denn das kann ich ja nicht aussuchen!
Was mögen Sie an Ihrer Arbeit?
Ich mag sie, weil ich damit für meine Familie und mich sorgen kann. Aber ich verdiene nicht genug damit, denn leider kommen oft nur wenige Kunden. Und sie können nicht viel bezahlen. Ich muss ja erst mal investieren und die Kleidung kaufen. Ein Bündel kostet etwa 250 Euro. Für mich bleibt meist wenig übrig.
Wovon träumen Sie?
Ich träume davon, mein Geschäft zu vergrößern, nicht immer nur Einzelteile zu verkaufen, sondern gleich ganze Bündel. Aber das ist schwierig, denn ich müsste nach Nairobi fahren und dort einkaufen, wo die gebündelte Ware viel billiger ist.
Haben Sie einen Lieblingsort?
Der Crocon-Markt ist nicht nur mein Arbeitsplatz, sondern auch mein Lieblingsort. Ich habe es geschafft, meine Kunden hier gut zu bedienen.
Was ist das Beste, was Ihnen je passiert ist?
Das passiert eigentlich jeden Tag: Ich treffe viele Leute bei meiner Arbeit. Das gefällt mir sehr. Und es hilft mir, neue Ideen für mein Geschäft zu entwickeln und es vielleicht sogar auszubauen.
Was macht Sie glücklich?
Ich mag es, mit den Kunden zu reden und über die Preise zu verhandeln!
Wovor haben Sie Angst?
Ich fürchte mich, dass mein Geschäft nicht mehr funktioniert und ich dann Schulden machen muss.
Haben Sie ein Lebensmotto?
Ich will vorwärts gehen, nicht zurück!
Woran glauben Sie?
Ich glaube an Gott! Er gibt uns das Leben und macht uns fähig, jeden Tag zu bestehen. Wenn Sie Präsidentin von Tansania wären: Was würden Sie verändern? Ich würde Wert darauf legen, dass Leute für sich selbst sorgen, statt sich von anderen Menschen oder Ländern abhängig zu machen.
Interview: Anna Ndola