missio - glauben.leben.geben
Zwei Frauen sind zusammen auf dem Bild. Eine sitzt auf einem Stuhl, die andere steht dahinter und hat ihre Hände auf die Arme der sitzenden Frau gelegt. Die stehende Frau trägt dunkle Kleidung und eine Kette mit einem Kreuz. Die sitzende Frau hat ein Lächeln auf dem Gesicht und trägt eine hellere Jacke mit einem Schal.
Die Schwestern Julie George (links) und Helen Saldanha setzen sich für die Rechte von Hausangestellten in Indien ein.

Sr. Julie George, 61, ist Steyler Missionsschwester und Anwältin. Sie baute die Rechtsabteilung von Streevani auf und berät auch Missbrauchsopfer. 

Sr. Helen Saldanha, 63, Steyler Missionsschwester und Juristin, ist Direktorin der Frauenorganisation Streevani und koordiniert deren Arbeit.

 

In der Frauenhilfsorganisation Streevani setzen wir uns für die Rechte der Hausangestellten in Indien ein. Hausangestellte in Indien werden schlecht bezahlt und sind völlig von ihrem Arbeitgeber abhängig. Es gibt keine regelmäßigen Arbeitszeiten, keine Sozialleistungen und keinen Schutz vor Missbrauch und Gewalt

Wir wollen ihre Würde als Hausangestellte stärken, deshalb raten wir ihnen nicht, sich eine andere Arbeit zu suchen. Empowerment bedeutet nicht, Hausarbeit als minderwertig darzustellen. Wir wollen, dass die Frauen stolz darauf sind, was sie leisten! 

Frauen sollen stolz auf ihre Leistung sein

Hier in Indien bestimmen Geschlecht und Kastenzugehörigkeit, wer welchen Job macht. Niedere Arbeiten wie Putzen waren schon immer die Aufgabe der unteren Kasten. Mit Hilfe von Streevani haben die Hausangestellten sich in kleinen Sparvereinen organisiert, so können sie sich ein Nebengeschäft als Kosmetikerin oder Gemüsehändlerin aufbauen.

Einige Frauen wurden durch häusliche Gewalt völlig gebrochen. Sie sind sehr verletzlich, besonders wenn sie Kinder haben. Dann ist nicht nur die Rechtsberatung wichtig, die wir kostenlos anbieten, sondern auch unsere emotionale Unterstützung. Vier Anwältinnen und ein Anwalt arbeiten für Streevani, wir bilden aber auch Hausangestellte als „Rechtsberaterinnen“ aus. Sie sprechen mit den Frauen in den Dörfern über häusliche Gewalt, Missbrauch und was man dagegen tun kann.  

Indien hat gute Gesetze zum Schutz von Frauen, es fehlt aber die Umsetzung. Die meisten Frauen leiden im Stillen. Viele haben ein gutes Einkommen, werden aber regelmäßig von ihren Ehemännern verprügelt. Die Geschlechterrollen sind hier sehr klar definiert, und es ist schwierig, sie zu ändern. Gott sei Dank haben die Frauen begonnen, die Gewalt nicht mehr hinzunehmen. Und wenn wir ihr Selbstvertrauen sehen, merken wir, dass sich unsere Anstrengungen lohnen.

Aufgezeichnet von Christina Brunner