missio - glauben.leben.geben
Ein älterer Mann sitzt auf einem Holzstuhl. Er trägt einen schwarzen Mantel und einen Schal. Seine Hände sind gefaltet. Der Hintergrund ist einfarbig weiß, und das Bild ist in Schwarz-Weiß gehalten.
Ludger Paskert ist seit 12 Jahren Priester der deutschsprachigen Auslandsgemeinde im türkischen Antalya.

Ludger Paskert, 69, ist seit 12 Jahren Priester der deutschsprachigen Auslandsgemeinde im türkischen Antalya. Seinen Nachbarn, einen Imam, bezeichnet er als Freund. 

„Ich bin Priester der deutschsprachigen Auslandsgemeinde St. Nikolaus in der türkischen Küstenstadt Antalya. Die Pfarrei entstand 2004 auf Anregung des deutschen Konsuls, der sich für die deutschsprachigen Dauerresidenten ein spirituelles christliches Angebot wünschte. Um legal arbeiten zu können, haben wir einen Verein türkischen Rechts gegründet. Ihm gehören 50 Mitglieder an. Etwa 80 weitere Personen nehmen darüber hinaus am Gemeindeleben teil, die meisten davon sind im Rentenalter. Es sind Menschen, die in der Türkei Urlaub gemacht haben und irgendwann geblieben sind. Auch Touristen und Pilgergruppen, die auf den Spuren des Apostels Paulus durch das Land reisen, besuchen uns. Und Menschen, die neugierig sind und mehr über den christlichen Glauben erfahren möchten. 

Gründliche Vorbereitung

Wir haben ein Haus gemietet, das ist unser Gemeindemittelpunkt, denn in Antalya gibt es keine Kirchen, die wir nutzen könnten. Einen Großteil der Vereinskosten übernimmt der Verband der Diözesen Deutschlands. Laut Verfassung ist die Türkei ein laizistischer Staat, das heißt, wir können grundsätzlich ohne Einschränkungen unseren Glauben leben, allerdings nicht in der Öffentlichkeit, sondern in unserem Kirchengebäude. Ausnahmen sind etwa Krankenhausbesuche. 70 Katechumenen bereiten sich gerade im Erzbistum Izmir, zu dem unsere eigenständige Gemeinde gehört, auf ihre Taufe vor. Die Vorbereitungszeit dauert drei Jahre, damit sich die Menschen gründlich mit dem Glauben auseinander- setzen und ihre Entscheidung reifen kann.

Freundlicher Umgang

Wir Christen in der Türkei verstehen uns als Brückenbauer: zu anderen Kulturen, Konfessionen und Religionen. Wir pflegen sehr gute Kontakte zu unserer muslimischen Nachbarschaft, feiern gemeinsam Feste wie das Fastenbrechen und begegnen einander mit Wertschätzung. Seit ich für meinen Weihejahrgang vor Jahren eine Reise nach Istanbul organisiert habe, fasziniert mich das Leben in der Türkei. Der Bischof von Münster, zu dessen Diözese ich gehöre, stellte mich frei, sodass ich in Antalya tätig werden konnte. Was mich auch nach zwölf Jahren Dienst in der Türkei immer noch begeistert: wie freundlich und behutsam die Menschen miteinander umgehen, wie hilfsbereit sie sind. Nach dem Erdbeben 2023 reisten viele sofort ins Katastrophengebiet, um Hilfe zu leisten.“

Aufgezeichnet von Eva-Maria Werner