missio - glauben.leben.geben
Eine ältere Frau mit einem Kopftuch und einem Kreuz um den Hals sitzt auf einem Holzstuhl. Sie trägt eine einfache weiße Bluse und einen langen dunklen Rock. Sie schaut direkt in die Kamera.
Schwester Tseghereda Yohannes Ghebremedhin, 67, ist Comboni-Missionsschwester, promovierte Molekularbiologin und seit 2021 Generalsekretärin der Bischofskonferenz von Eritrea.

Schwester Tseghereda Yohannes Ghebremedhin, 67, ist Comboni-Missionsschwester, promovierte Molekularbiologin und seit 2021 Generalsekretärin der Bischofskonferenz von Eritrea.

Ich war 16, als ich die Comboni-Missionsschwestern in meinem Dorf sah – fröhlich, offen, mit leuchtenden Augen, ganz für die Menschen da. Damals wusste ich: Diesen Weg möchte ich gehen. Fast ein halbes Jahrhundert lang bin ich meiner Berufung treu geblieben und habe mein Leben Gott gewidmet, indem ich anderen beigestanden habe.

Brücke zwischen Kirche und Gesellschaft

Heute bin ich nicht nur Combonischwester, sondern auch Generalsekretärin der Bischofskonferenz in Eritrea – ein Amt, das Frauen in Afrika selten zugänglich ist. Für mich ist diese Rolle eine Brücke zwischen Kirche und Gesellschaft, zwischen der Weltkirche und jenen, die oft übersehen werden – den Frauen.

Denn für mich ist klar: Die katholische Kirche lebt dank der Ordensschwestern, ihrem Mut und ihrem Einsatz. In Afrika tragen sie drei Viertel aller pastoralen Aufgaben. In Eritrea unterrichten sie Kinder, begleiten Sterbende, versorgen HIV-Infizierte und besuchen Alte und Alleingelassene. Sie halten Familien zusammen, die Krieg und Vertreibung auseinandergerissen haben. Doch ihr Beitrag bleibt oft unsichtbar, ihr Potenzial ungenutzt.

Die Frauen bringen eine andere Perspektive ein. Ich würde sagen, wenn es mehr Frauen im Präsidentenamt gäbe, könnten bestimmte Kriege vermieden werden.

Die Zeit zum Wandel ist gekommen. Meine Position ist deshalb nicht nur außergewöhnlich, sie ist ein Signal: Die Kirche braucht Frauen, die Verantwortung übernehmen. Das ist entscheidend, um ihnen mehr Einfluss zu geben. Besonders wichtig sind mir Projekte, die Frauen in ihrem Dienst stärken, ihnen Rückhalt und neue Möglichkeiten geben.

Selbst angesichts aller Herausforderungen halte ich an meinem Weg fest: Wir dienen jedem Menschen – ungeachtet von Religion, Ethnie oder Status. Diese Gewissheit trägt mich. Sie ist mein Antrieb. Tag für Tag!

Aufgezeichnet von Nataliia Datskevych