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Aufarbeitung sexualisierter Gewalt deutscher Priester im Ausland

Katholische Hilfswerke bringen Vertreterinnen und Vertreter von Betroffenen, der Bischofskonferenz, Diözesen, Orden und Verbände an einen Tisch.

Eine Gruppe von neun Personen steht aufrecht in einem hellen Raum. Sie tragen unterschiedliche Kleidung und haben Namensschilder. Eine Person hält einen Notizblock. Die Stimmung wirkt freundlich und professionell.
Organisatoren und Vortragende einer Fachtagung am 12. November 2025 über die Frage, wie kirchliche Akteure die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt von Priestern im Ausland voranbringen kann. Von links: missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener, Dr. Bettina Janssen, Matthias Katsch, Adveniat-Geschäftsführerin Tanja Himer sowie die Safeguarding-Beauftragten der Hilfswerke, Dahlia Flores (Adveniat), Susanne Brenner-Büker (Kindermissionswerk ,Die Sternsinger') und Johanna Streit (missio Aachen).

Wie kommt man bei der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt, die von deutschen Priestern im Ausland verübt wurde, voran? Diese Frage bildete den Ausgangspunkt einer Fachtagung in Frankfurt am Main, die missio Aachen, die Bischöfliche Aktion Adveniat und das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ organisiert hatten. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter der Betroffenen, der Deutschen Bischofskonferenz, der Diözesen, der Orden und katholischer Verbände. 

Die insgesamt rund 60 Teilnehmenden waren sich einig, dass eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit kirchlicher Institutionen untereinander und über nationale Grenzen hinweg für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt unabdingbar ist. Dabei müssten Interessen der Betroffenen im Vordergrund stehen. Die Vortragenden waren Dr. Bettina Janssen, Autorin mehrerer Gutachten zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, der Geschäftsführer des Vereins Eckiger Tisch, Matthias Katsch, Bischof Bob John H. Koroma aus Sierra Leone und der Kirchenrechtler Professor Peter Platen.

Gemeinsame Runde ist ein „wichtiger Pilot“

Die Rechtsanwältin und Mediatorin Dr. Bettina Janssen würdigte die Initiative der drei Hilfswerke als „wichtigen Piloten“ und erklärte, dass ihre Erfahrungen mit dem Bemühen kirchlicher Akteure um Aufarbeitung ein differenziertes Bild ergäben. Bei diesen treffe man teils auf proaktive Kooperationsbereitschaft, teils aber auch auf Zurückhaltung bis hin zur faktischen Verweigerung der Mitarbeit. Mit Blick auf die weltkirchliche Dimension des Themas brauche es insgesamt eine Stärkung der transparenten, interinstitutionellen wie auch transnationalen Zusammenarbeit, so Janssen.

Matthias Katsch warb unter anderem für mehr internationale Unterstützung von unabhängigen Betroffeneninitiativen im Globalen Süden. Wichtig sei, dass Betroffene selbst zu Akteuren werden könnten. Ein erstes Projekt mit diesem Ansatz fördert bereits Adveniat im Rahmen der Menschenrechtsarbeit in Ecuador. Zudem brachte Katsch die Idee eines „globalen Opfergenesungswerks“ ins Spiel, in dem Betroffene von sexualisierter Gewalt professionelle Hilfe erhalten könnten.

Sexualisierte Gewalt ausländischer Priester in Afrika führt zu generationenübergreifenden Traumata

Bischof Koroma schilderte eindringlich die Folgen sexualisierter Gewalt durch ausländische Priester in Afrika. Diese habe zu „generationenübergreifenden Traumata“ und einer „Zerstörung von Familien und Gemeinschaften“ geführt. Bischof Koroma appellierte deshalb an die Kirche in Deutschland, Betroffene mit Programmen zur traumasensiblen Beratung und medizinischen Hilfen zu unterstützen. Auch die Frage nach finanziellen Entschädigungen müsse gestellt werden, so der Bischof.

Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen und des Kindermissionswerks, zog zum Abschluss der Tagung ein positives Resümee: „Die Hilfswerke unterstützen zahlreiche Projekte ihrer weltkirchlichen Partner in den Bereichen Prävention und Intervention – von der Erstellung institutioneller Schutzkonzepte, über die Schulung von kirchlichen Mitarbeitenden bis hin zum Aufbau von Traumazentren. Darüber hinaus hat die Tagung zahlreiche neue Impulse erbracht, die wir weiterverfolgen werden. Gewinnbringend war insbesondere, dass hier alle kirchlichen Akteure und Vertreter von Betroffenen in den Austausch getreten sind. Klar ist, dies darf kein einmaliges Ereignis bleiben.“

Eine Gruppe von Menschen sitzt in einem Raum und hört einer Online-Präsentation zu. Auf einem Bildschirm ist eine Person zu sehen, die spricht. Die Atmosphäre ist engagiert, während die Zuhörer aufmerksam auf die Präsentation fokussiert sind.
Bischof Bob John H. Koroma aus Sierra Leone spricht über Videozuschaltung zu Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz, Diözesen, Orden und katholischen Verbänden über die Folgen, wenn ausländische Priester in Afrika Missbrauch begehen. Das Bild stammt von einer Fachtagung am 12. November 2025 in Frankfurt.

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Ihre Ansprechpartner

Porträt einer Frau mit kurzen, braunen Haaren und einer Brille. Sie trägt ein dunkles Oberteil und lächelt freundlich.

Johanna Streit

Leiterin der Stabsstelle „Safeguarding”
+49 (0)241 / 7507 - 315

Johannes Seibel

Leiter der Stabsstelle Presse & Kommunikation
+49 (0)241 / 75 07 - 286