Der madagassische Bischof Luc Olivier Razafitsimialona hat die Bundesregierung aufgefordert, sich bei der Übergangsregierung seines Landes für mehr Transparenz und eine gerechtere Verteilung der Erlöse aus dem Rohstoffabbau in seiner Heimat einzusetzen. Er äußerte sich als Gast des katholischen Hilfswerkes missio Aachen und des Bistums Aachen, die an diesem Wochenende den Monat der Weltmission bundesweit eröffnen.
„Madagaskar ist ein Land, das sehr reich an Bodenschätzen ist. Wir haben Gold, Mica, Saphire und andere Rohstoffe, die weltweit gebraucht werden. Aber wer profitiert von diesem Reichtum? Das sind vor allem die Wohlhabenden“, sagte Bischof Luc Olivier, der das Bistum Tôlagnaro im Süden Madagaskars leitet. Die breite Bevölkerung müsse stärker an den Erlösen beteiligt werden. Darauf solle die Bundesregierung bei politischen Gesprächen in Madagaskar ausdrücklich drängen. „Wir möchten, dass die lokale Bevölkerung, die dazu beiträgt, dass diese Bodenschätze gewonnen werden können, davon einen Nutzen hat“, so Bischof Luc Olivier. Die Menschen dort schürfen unter widrigsten Bedingungen und mit geringster Entlohnung nach diesen Bodenschätzen.
Unternehmen: Beitrag für ein Leben in Würde in Madagaskar leisten
Auch Unternehmen in Deutschland nahm der Bischof in die Pflicht. Das gelte etwa für Mica, auch Glimmer genannt, das unter anderem für Glanzeffekte in Autolacken und Kosmetikprodukten verwendet wird. Die Auto- und Kosmetikindustrie müsse transparenter machen, woher das verwendete Mica stamme und unter welchen Bedingungen es gewonnen werde. „Diese Unternehmen sollten dazu beitragen, dass die Menschen meiner Heimat gerecht behandelt werden und ein Leben in Würde führen können“, sagte Bischof Luc Olivier.
Politische Mechanismen gegen Ausbeutung notwendig
Das Bistum Aachen und das katholische Hilfswerk missio Aachen unterstützen die Forderungen des Bischofs an Bundesregierung und Unternehmen. Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen, verweist in diesem Zusammenhang auf das Lieferkettengesetz. Man könne dem Gesetz kritisch gegenüberstehen. Aber dann müsse die Politik die Frage beantworten, mit welchen Mechanismen eine solche „himmelschreiende Ausbeutung“ wie der Menschen in Madagaskar verhindert werden könne, so Pfarrer Bingener.
Zum Hintergrund: missio Aachen und das Bistum Aachen eröffnen an diesem Wochenende gemeinsam mit acht Gästen aus Madagaskar bundesweit den Monat der Weltmission. Er endet am 25. Oktober mit dem Weltmissionssonntag. Dann wird in 100 Ländern für einen globalen katholischen Solidaritätsfonds gesammelt, der für die Arbeit der Kirche in den ärmsten Regionen des Globalen Südens bestimmt ist. Madagaskar steht 2026 im Mittelpunkt der Aktion in Deutschland. Diese Aktion ist die größte globale katholische Solidaritätsaktion. Sie besteht seit 100 Jahren und 2026 von Papst Pius XI. eingeführt.