Das katholische Hilfswerk missio Aachen warnt vor einer neuen Gewaltspirale, die Verhandlungslösungen zwischen Israel und Palästinensern unmöglich machen könnte. „Die anhaltenden Kämpfe und die humanitäre Katastrophe in Gaza, aber auch die militärisch wie sozial angespannte Lage im Westjordanland fördern zunehmend Radikalisierung und Extremismus, wie uns unsere Partner vor Ort berichten“, sagte Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen, am Sonntag.
Neben der katastrophalen Lage in Gaza seien die Partner von missio Aachen über die aktuelle Schwäche der palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland sehr besorgt. „Radikale Gruppierungen haben so freie Bahn, um neue Mitglieder zu rekrutieren und Ressourcen zu mobilisieren, was besonders für die dort lebenden Christen eine große Gefahr darstellt“, erläutert Pfarrer Bingener. Die Arbeitslosigkeit in dem Gebiet befinde sich mittlerweile auf einem Rekordhoch, so dass man vor Ort inzwischen vom Entstehen einer Klasse von „Neuen Armen“ spreche. Viele Familien, die sonst wirtschaftlich unabhängig waren, seien nun für ihre Grundbedürfnisse auf humanitäre Hilfe angewiesen.
missio-Partner organisieren Hilfskonvois
Aus Gaza berichten die missio-Partner von unerträglichen Lebensbedingungen. Jüngste Abrissarbeiten durch die israelische Armee nahe der katholischen Pfarrei zur Heiligen Familie verstärkten nun die Angst vor einer bevorstehenden Bodenoffensive. Trotz der schwierigen Umstände gelang es missio-Partnerorganisationen, in den vergangenen Monaten vier humanitäre Hilfskonvois nach Gaza zu bringen. Ein fünfter sei bereits unterwegs. Diese Lieferungen sicherten das Überleben nicht nur der christlichen Gemeinschaft, sondern auch ihrer Nachbarn.
Aktuelle Militärstrategie der israelischen Regierung ungeeignet
„Das Sicherheitsinteresse Israels nach dem Terroranschlag der Hamas 2023 ist unbestritten. Die Hamas muss die israelischen Geiseln sofort freilassen. Die aktuelle Militärstrategie der israelischen Regierung scheint jedoch ungeeignet, eine weitere Gewalteskalation zu verhindern. Dafür braucht es zeitnahe Verhandlungen, einen dauerhaften Waffenstillstand und den raschen Zugang zu humanitärer Hilfe “, ist Pfarrer Bingener überzeugt.