Die Aktivistin Patience Félicité Molle Lobe aus Kamerun erhält in diesem Jahr den mit 5.000 Euro dotierten Pauline-Jaricot-Preis des katholischen Hilfswerkes missio Aachen. Die Preisverleihung findet am 26. September 2026 im Krönungssaal des Aachener Rathauses zur Eröffnung des Monats der Weltmission statt. Damit würdigt das Hilfswerk den bald 30-jährigen Einsatz von Frau Molle Lobe für benachteiligte Mädchen und junge Frauen in der Millionenstadt Douala.
„Gibt jungen Frauen Vertrauen in ihre Fähigkeiten zurück“
„Die Preisträgerin gibt jungen Frauen in Not das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zurück und ermutigt sie, ihr Leben aus eigener Kraft zu gestalten. Ihr Engagement entspringt ihrem christlichen Glauben und der Überzeugung, dass jeder Mensch eine unverlierbare Würde besitzt“, begründet Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen, die Preisvergabe.
Drei Sozialzentren und und eine Berufsschule aufgebaut
Frau Molle Lobe setzt sich seit rund 30 Jahren in Douala für Mädchen und junge Frauen ein, die Armut, Gewalt und Ausbeutung erfahren. Ausgangspunkt für ihr heutiges Netzwerk aus Sozialzentren und Bildungsangeboten war eine zufällige Begegnung mit einem jungen Mädchen, das aufgrund von Armut zur Prostitution gezwungen war. Frau Molle Lobe brachte das Mädchen zu ihrer Familie zurück, erkannte aber schnell, dass junge Frauen in solchen Situationen eine wirkliche Perspektive für ein selbstbestimmtes Leben brauchen.
Gemeinsam mit der katholischen Fokolar-Bewegung aktiv
1998 gründete sie gemeinsam mit Frauen aus der katholischen Fokolar-Bewegung das erste von heute drei Sozialzentren (Tageszentren), die später um eine Berufsschule erweitert wurden. Mit diesen Einrichtungen hat die 69-Jährige bis heute mehr als 840 Mädchen und jungen Frauen im Alter von 14 bis 25 Jahren geholfen. Sie finden hier einen geschützten Raum, trainieren ihre sozialen Fähigkeiten und erhalten Unterricht und eine Ausbildung, etwa zur Informatikerin, Schneiderin oder Dekorateurin. Die Mädchen und jungen Frauen leben und lernen zusammen, unabhängig von ihrer Religion oder Herkunft.
Die Preisträgerin und gelernte Bauingenieurin ist in Kamerun auch ein Vorbild für Frauen, die Führungspositionen anstreben. Als erste Frau übernahm sie die leitende Position einer Déléguée régionale (Regionalverantwortlichen) für den staatlichen Hoch- und Tiefbau in Douala, einer wichtigen Industrie- und Hafenregionen Kameruns. Wegen ihrer Unbestechlichkeit wurde sie während ihrer Amtszeit auch „Madame Propre“ (Madame Sauber) genannt.
Patience Félicité Molle Lobe will das Preisgeld von 5.000 Euro unter anderem die Anschaffung neuer Nähmaschinen, die Arbeit der Sozialzentren und den Ausbau der Berufsschule einsetzen.