Das katholische Hilfswerk missio Aachen und seine Partner sehen deutliche Fortschritte im Einsatz gegen sexualisierte Gewalt an Ordensfrauen in Afrika und Asien. „Die Kultur des Schweigens bricht auf. Insbesondere wo Ordensfrauen zu Akteurinnen werden, sich vernetzen und den Wandel einfordern, ändert sich etwas“, sagte Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen, am Freitag (6. Februar 2026) bei einem Pressegespräch. An dem Gespräch nahmen auch Pater Hans Zollner SJ, Leiter des Instituts für Anthropologie in Rom, sowie missio-Projektpartnerinnen aus Togo, Indien und den Philippinen teil.
Mit rund 17,5 Millionen Euro Projekte unterstützt
Zwischen 2020 und 2025 unterstützte missio Aachen mit rund 17,5 Millionen Euro Projekte im globalen Süden, die Ordensfrauen stärken und vor Missbrauch schützen. Damit wurden rund 80.000 Ordensfrauen erreicht. Pater Hans Zollner SJ, führender Experte für Missbrauchsprävention (Safeguarding) in der Kirche, würdigte die Arbeit von missio: „Schutz vor Gewalt und Machtmissbrauch gehört weltweit ins Zentrum kirchlicher Verantwortung. Die Safeguarding-Arbeit von missio Aachen mit Ordensfrauen zeigt, wie dieser Auftrag konkret und wirksam umgesetzt werden kann.“
Die Projektpartnerinnen stellten gemeinsam mit Johanna Streit, Leiterin der Stabsstelle Safeguarding bei missio Aachen, Strategien und Projekte vor, um die Situation der Ordensfrauen im globalen Süden zu verbessen. Damit diese sicher leben und arbeiten könnten, brauche es ein Bündel an Maßnahmen: Aus- und Weiterbildungen, Anwaltschaft sowie internationale Vernetzung. Schutzkonzepte müssten weltweit in Bistümern und Ordensgemeinschaften umgesetzt werden. Dazu gehörten Melde- und Beschwerdestellen, Schutzzentren sowie eine konsequente Aufarbeitung von Missbrauchsfällen.
„Die Unterstützung durch missio – finanziell und in der persönlichen Begleitung – ist enorm wichtig. Viele Ordensschwestern vor Ort sind Einzelkämpferinnen und leisten schwierige, aber unverzichtbare Arbeit“, sagte Johanna Streit. Gemeinsam mit rund 25 Ordensfrauen und weiteren Expertinnen und Experten aus dem globalen Süden hat sie ein entsprechendes Netzwerk aufgebaut.
Sr. Mary Lembo mahnte an, dass Schutzkonzepte auch tatsächlich umgesetzt werden
Schwester Mary Lembo CSC aus Togo, die aktuell in Rom Psychologie und Safeguarding unterrichtet, sagte während des Pressegesprächs, dass die Bereitschaft, aufzustehen und offen über sexualisierte Gewalt zu sprechen, in der Kirche deutlich zugenommen habe. Zugleich mahnte sie an, Schutzkonzepte auch umzusetzen, indem einheitliche, verbindliche Verfahren und Verhaltenskodexe eingerichtet sowie Schutzzentren für Betroffene und Überlebende geschaffen würden.
Rojean Charian Macalalad, Geschäftsführerin des Catholic Safeguarding Institute in Manila, unterstrich die Bedeutung qualifizierender Bildungsangebote: „Ordensfrauen entwickeln eine Spiritualität der Selbstachtung und Selbstsorge. Das macht sie fähig, sichere Beziehungen zu gestalten und ihr Umfeld als sicheren Ort aufzubauen.“
Anlass des Pressegesprächs war der Rückblick auf die Umfrage „Missbrauch an Ordensfrauen“ , die missio Aachen 2020 unter kirchlichen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien durchgeführt hat. Rund 70 Prozent stuften das Thema damals als sehr drängend ein. missio Aachen richtete daraufhin eine entsprechende Arbeitsgruppe und die Stabsstelle Safeguarding ein, um Ordensfrauen gezielt zu unterstützen.