Das Hilfswerk missio Aachen fordert mehr Aufmerksamkeit in der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik für die doppelte Diskriminierung, die viele Frauen aufgrund ihres Geschlechts und ihres Glaubens erfahren. Besonders Mädchen und Frauen im globalen Süden, die religiösen Minderheiten angehören, litten oft unter Benachteiligungen und Gewalt. „Dieses Problem erfordert einen integrativen Ansatz, der Frauenrechte, Minderheitenschutz und Religionsfreiheit miteinander verbindet. Hierfür braucht es ein stärkeres Problembewusstsein und mehr Engagement in der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik“, appellierte missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener mit Blick auf den Weltfrauentag am 8. März an die Bundesregierung.
Rechtliche Benachteiligung von Frauen aus religiösen Minderheiten
Beispiele aus Afrika, dem Nahen Osten und Asien verdeutlichen die Dringlichkeit dieser Forderung: Dazu gehören die rechtliche Benachteiligung von Frauen aus religiösen Minderheiten, etwa bei Heirat und Scheidung oder im Sorge- und Vormundschaftsrecht. Hinzu kommen oft Nachteile im Bildungswesen, auf dem Arbeitsmarkt oder beim Zugang zu staatlichen Leistungen. Mädchen und Frauen aus religiösen Minderheiten werden auch überproportional oft Opfer von Menschenhandel, Entführungen, Zwangskonversionen oder Zwangsehen. Nicht selten wird sexualisierte Gewalt gezielt eingesetzt, um Minderheiten einzuschüchtern. Dabei gehen die Täter in vielen Fällen straffrei aus.
missio unterstützt Frauenhäuser und Schutzzentren
missio Aachen hat gemeinsam mit kirchlichen Partnerinnen und Partnern im globalen Süden zahlreiche Hilfsangebote für betroffene Frauen geschaffen. Dazu gehören Frauenhäuser, Schutz- und Traumazentren sowie Bildungs- und Berufsprogramme. „Diese Angebote helfen Mädchen und Frauen aus religiösen Minderheiten, ihre Fähigkeiten zu entfalten und so selbstbewusster zu werden. Das stärkt sie auch gegen die verschiedenen Formen der Diskriminierung, denen sie ausgesetzt sind“, sagte Pfarrer Bingener.
Wirksame Strafverfolgung nach geschlechtsspezifischen Verletzungen der Religionsfreiheit
„Politisch muss noch deutlich mehr getan werden“, betonte Bingener weiter. Die Bundesregierung müsse das Thema auf internationaler Ebene ansprechen, etwa in der Entwicklungszusammenarbeit oder bei Regierungsgesprächen. Besonders wichtig sei es, im Zusammenhang geschlechtsspezifischer Verletzungen der Religionsfreiheit auf klare rechtliche Regelungen und eine wirksame Strafverfolgung hinzuwirken. „Länder wie Indien, Nigeria oder Pakistan werden für Deutschland immer bedeutsamer. Das bietet die Möglichkeit, sich stärker für die Rechte von Frauen, besonders aus religiösen Minderheiten, einzusetzen. Ein solcher Einsatz ist auch zentral für die politische Glaubwürdigkeit Deutschlands im globalen Süden“, so Pfarrer Bingener.