missio Aachen fordert auf dem 104. Deutschen Katholikentag mit der ghanaischen Ordensfrau und Umweltaktivistin Sr. Mercy Benson SSpS sowie katholischen Verbänden ein gesetzliches Handypfand in Deutschland. Unterstützt wird der Appell an Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) von Kolping, der Deutschen Pfadfinder*innenschaft St. Georg (DPSG) und der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).
Ein Pfandsystem soll Rückgabe, Sammlung und Recycling alter Mobiltelefone verbessern und verhindern, dass Elektroschrott illegal aus Deutschland nach Westafrika gelangt, zum Beispiel zu einer der weltweit größten Deponien nach Agbogbloshie in Ghana. Dort gewinnen Männer und Kinder unter menschenunwürdigen, gesundheitsgefährdenden Bedingungen Rohstoffe aus Altgeräten zurück.
Ein verheerender Kreislauf für Afrika
„Der Kreislauf ist verheerend. Erst werden Rohstoffe aus Afrika ausgebeutet, dann werden damit unsere Smartphones und Tablets produziert. Sind sie kaputt oder überholt, landet ein Teil des Mülls wieder bei den Menschen, die schon den Preis der Rohstoffausbeutung zahlen“, sagte Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen. „Ein Handypfand wäre ein konkreter, wirksamer und gerechter Schritt, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen.“
Nach Schätzungen lagern in Deutschland rund 170 Millionen ungenutzte Handys in den Schubladen der Haushalte. In ihnen stecken wertvolle Rohstoffe, die sich durch Recycling gewinnen ließen. Darunter auch etwa 6.000 Kilogramm Gold. missio fordert deshalb ein Pfandsystem, das zur Rückgabe motiviert und fachgerechtes Recycling in Deutschland stärkt.
Sr. Mercy Benson: Jedes in Europa recycelte Handy hilft Afrika
Sr. Mercy Benson, Projektpartnerin von missio Aachen in Ghana, wirbt für ein Ende der Wegwerfmentalität. „Ich habe gesehen, was dieser Elektroschrott mit den Menschen macht. Er zerstört die Gesundheit, Zukunft und Würde zuerst und vor allem die der Kinder“, sagte sie. „Die Menschen in Deutschland können helfen: Geben Sie Ihre alten Handys zum Recycling ab und fordern Sie von der Politik Regeln, die Menschen schützen. Jedes gespendete Handy hilft uns unmittelbar,“ appellierte sie in Würzburg an die Politik und Gesellschaft in Deutschland.
Bundesumweltministerium kommt trotz Einladung nicht zum Katholikentag
missio Aachen sammelt auf dem Katholikentag alte Handys am missio-Stand, bei den Engelsflügeln und an Servicepunkten. Die Geräte werden sicher gesammelt, geprüft und fachgerecht recycelt; missio verweist auf zuverlässige Datenlöschung. Erlöse unterstützen missio-Projekte, unter anderem in Ghana.
Zu dem Thema veranstaltete missio Aachen auf dem Katholikentag auch ein Podium. Bedauerlich sei, dass das Bundesumweltministerium trotz Anfrage keine Vertretung entsandt habe. „Wir hoffen, dass es dennoch zu Gesprächen mit dem Umweltministerium kommt. Wer Recyclingquoten ernst nimmt, muss sich der Debatte stellen. Das gilt gerade dort, wo Kirche, Jugend- und Frauenverbände und internationale Partnerinnen gemeinsam Verantwortung einfordern“, sagte Bingener.
Der 104. Deutsche Katholikentag läuft vom 13. bis 17. Mai 2026 in Würzburg. missio Aachen ist mit Veranstaltungen, Gästen und Aktionen zu Handys, Elektroschrott, Recycling, Religionsfreiheit und moderner Sklaverei vertreten.