Das katholische Hilfswerk missio Aachen unterstützt Initiativen, den Schutz von Ordensfrauen vor Missbrauch in der Kirche durch klare kirchenrechtliche Vorgaben und Richtlinien zu stärken. Gesonderte Melde- und Verfahrenspflichten bei Missbrauch dürften sich nicht allein auf Minderjährige und schutzbedürftige Erwachsene fokussieren, wie es im Motu proprio „Vos estis lux mundi“ bislang der Fall ist.
Kirchliche Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse gefährden Ordensfrauen, nicht ihre individuellen Eigenschaften
Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen empfiehlt, verbindliche Safeguarding-Standards ausdrücklich auch für den Bereich des geweihten Lebens zu entwickeln. Damit schließt er sich jüngsten Forderungen von Expertinnen an, darunter die kenianische Ordensfrau und Safeguarding-Expertin Schwester Jacinta Ondeng, die Kirchenrechtlerin Claudia Giampietro von der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen (PCPM) und Schwester María Rosaura González Casas, Ordensfrau und Dekanin des Instituts für Anthropologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana.
„Kirchliche Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse gefährden in vielen Teilen der Weltkirche in besonderer Weise Ordensfrauen. Das wird durch den Begriff schutzbedürftige Erwachsene nur unzureichend erfasst. Dem müssen die kirchlichen Regelungen Rechnung tragen“, sagt Pfarrer Bingener. Johanna Streit, Leiterin der missio-Stabsstelle Safeguarding, ergänzt: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass Ordensfrauen eben nicht aufgrund individueller Eigenschaften, wie es der Begriff schutzbedürftige Erwachsene nahelegt, sondern aufgrund bestehender Strukturen in vulnerablen Situationen leben und arbeiten. Dafür besteht noch zu wenig Problembewusstsein.“
Nicht allein in den Kategorien Minderjährige und schutzbedürftige Erwachsene denken
Wer ausschließlich in den Kategorien Minderjährige und schutzbedürftige Erwachsene denke, übersehe die spezifische Situation von Ordensfrauen. Eine Ausweitung der bisherigen Schutzpflichten sei deshalb notwendig, um Missbrauch an Ordensfrauen in der Kirche besser verhindern und konsequent verfolgen zu können. „Diese rechtliche Lücke muss im Sinne der Betroffenen geschlossen werden, damit diese Form des Missbrauchs verhindert und nicht weiter tabuisiert wird“, fordert Bingener.
missio Aachen setzt sich seit Jahren für die weltweite Vernetzung von Ordensfrauen im Kampf gegen Missbrauch ein. Das Hilfswerk unterstützt Schulungen, Schutzkonzepte, Meldestellen sowie psychosoziale und rechtliche Begleitung. Zudem qualifiziert es Ordensfrauen zu Fachkräften und Multiplikatorinnen im Safeguarding für Afrika, Asien und Ozeanien.
Vom 9. bis 11. Dezember 2026 findet in Rom ein Kongress der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen statt. Im Mittelpunkt steht dann die Prävention von Missbrauch an Ordensfrauen und erwachsenen Frauen sowie wirksame Schutzmaßnahmen.