Nach den schweren Angriffen der USA und Israels auf den Iran und der Ausweitung der Kämpfe auf weitere Länder der Region ruft das katholische Hilfswerk missio Aachen eindringlich zur Deeskalation, zum Schutz der Zivilbevölkerung und zur Ermöglichung humanitärer Hilfe auf. Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen, warnt zugleich vor erheblichen Gefahren für christliche Minderheiten in der Region. „Jede weitere Eskalation versetzt viele christliche Familien im Libanon, in Gaza, im Westjordanland, im Irak und in Syrien in Angst. Sie geraten schnell zwischen die Fronten und brauchen in den kommenden Monaten unsere Solidarität“, erklärt Bingener.
Libanon: Flucht in christliche Dörfer – Kirche bereitet Nothilfe vor
Ein Projektpartner von missio Aachen berichtet aus dem Libanon, dass die weitere Entwicklung nicht absehbar sei. Die mit dem Iran verbundene Hisbollah stelle, auch wenn sie aktuell über keine klare Führungsstruktur verfügt, einen „unberechenbaren Faktor“ dar. Ein unbedachtes Vorgehen könne gefährliche innenpolitische Dynamiken auslösen, bis hin zu einem Bürgerkrieg.
Der Partner schildert, dass die Raketenangriffe der Hisbollah auf Israel eine schnelle und harte Reaktion nach sich gezogen hätten. Betroffen seien unter anderem schiitische Stadtteile im Süden Beiruts sowie etwa 50 Dörfer in der nördlichen Bekaa-Ebene. „Die Menschen hatten kaum Zeit, ihre Dörfer zu verlassen, und suchten auch in christlichen Dörfern Zuflucht“, so der Projektpartner. Derzeit sei es gefährlich, in der betroffenen Region rund um Baalbek in der Bekaa-Ebene Hilfe zu leisten.
Die Projektpartner von missio Aachen bereiten Akuthilfe mit Lebensmitteln, Medikamenten und Heizmaterial vor. „Es ist immer noch sehr kalt“, erklärt der missio-Partner. Im Jahr 2025 hat missio Aachen Projekte im Nahen Osten in Höhe von knapp drei Millionen Euro bewilligt. Das Hilfswerk unterstützt gerade dort, wo staatliche Strukturen schwach sind und internationale Unterstützung, etwa seitens der USA, zurückgegangen ist.