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Libanon: Kirche hilft Vertriebenen über Religionsgrenzen hinweg

Jeder fünfte Mensch im Libanon ist auf der Flucht. missio-Partner berichten von wachsender Not. Christen, Muslime und Drusen helfen gemeinsam Menschen, die vor der Gewalt fliehen mussten.

Auf einem Gehweg sind mehrere Menschen zu sehen, darunter Kinder, die spielen. Im Hintergrund stehen einige Zelte und Schlafplätze. Palmen und eine Straßenlaterne sind ebenfalls sichtbar, während Passanten vorbeigehen. Ein Banner mit blauen Farben hängt an einem Lichtmast.
Überfüllte Notunterkünfte zwingen Tausende Binnenvertriebene, darunter viele Kinder, auf der Straße zu leben und in Autos oder öffentlichen Parks zu übernachten.

(Aachen/Beirut.) Die jüngste Eskalation der Gewalt im Südlibanon hat eine neue Welle von Vertreibungen ausgelöst. Nach Angaben von Partnern des katholischen Hilfswerks missio Aachen wurden Anfang Juni innerhalb weniger Tage mehr als 150.000 Menschen neu vertrieben. Die wachsende Not bringt Menschen unterschiedlicher Religionen zusammen: Christliche, sunnitische und drusische Gemeinschaften nehmen Vertriebene auf und unterstützen sie unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Glauben.

Insgesamt sind inzwischen mehr als eine Million Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Für viele Familien geht es um das nackte Überleben und fehlt an Unterkünften, Trinkwasser, Lebensmitteln und lebenswichtigen Medikamenten.

Der Libanon durchlebt eine beispiellose humanitäre Katastrophe“,  sagte Michel Constantin, Regionaldirektor von CNEWA/Pontifical Mission in Beirut gegenüber missio. „Die Situation befindet sich in einer kritischen Phase.“

Gleichzeitig wächst die Sorge, dass viele Menschen nicht mehr in ihre Heimatorte zurückkehren können. Nach Einschätzungen kirchlicher Partner wurden mindestens 67 Dörfer nahezu vollständig zerstört. Mehr als 30.000 Häuser sowie Schulen, Geschäfte, Moscheen und Kirchen liegen in Trümmern. Besonders betroffen sind chronisch Kranke sowie Kinder. Bombardierungen, Flucht und die Angst ihrer Familien traumatisieren viele von ihnen und hinterlassen tiefe seelische Spuren.

„Die Menschen im Libanon können diese Herausforderungen nicht allein bewältigen. Sie brauchen humanitäre Unterstützung, internationale Solidarität und neue Anstrengungen für Frieden und Stabilität“, betont Bischof Hanna Rahme von Baalbek-Deir El-Ahmar. Er beobachtet eine wachsende Verunsicherung innerhalb der Gemeinschaften. Viele Familien trügen bereits die Last einer schweren Wirtschaftskrise. „Jede neue Eskalation verstärkt ihre Angst um Sicherheit, Lebensunterhalt und die Zukunft ihrer Kinder“, so Rahme.

missio Aachen unterstützt gemeinsam mit seinen Partnern kirchliche Hilfsprojekte für Vertriebene und besonders bedürftige Familien im Libanon. Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen, würdigte die Solidarität der Menschen vor Ort: „Dieses Zeichen der Menschlichkeit bringt den leidenden Menschen im Libanon Hoffnung und strahlt weit über die Grenzen des Landes hinaus. Das ist ein vorbildhaftes Beispiel im Hinblick auf den Internationalen Weltflüchtlingstag am 20. Juni.“

Hier lesen Sie das vollständige Q&A-Interview mit unserem Partner Michel Constantin über die Situation im Libanon ».

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Nataliia Datskevych

Volontärin in der Stabsstelle Presse & Kommunikation
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