Aachen (27. Januar 2026) Vor der Unterzeichnung des Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union (EU) und Indien kritisiert das internationale katholische Hilfswerk missio Aachen, dass bei den Verhandlungen das Thema Religionsfreiheit und Menschenrechte anscheinend keine Rolle gespielt hat. Kirchliche Partner von missio Aachen berichten seit Jahren von zunehmender Diskriminierung, rechtlicher Unsicherheit und Gewalt gegen religiöse Minderheiten, zumeist Christen und Muslime.
„Schweigen wird häufig als Zustimmung interpretiert“
„Für Menschen, die aufgrund ihres Glaubens ausgegrenzt oder bedroht werden, ist das Verhalten internationaler Partner wie der Europäischen Union von großer Bedeutung“, so Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen. „Schweigen wird häufig als Zustimmung interpretiert. Eine klare, sachliche Haltung kann hingegen Schutz bieten und Dialogräume offenhalten“, so Bingener weiter.
missio Aachen fordert, dass die EU auch nach der Unterzeichnung des Handelsabkommens gegenüber Indien menschenrechtliche Risiken ernsthaft benennt, regelmäßige und strukturierte Menschenrechtsdialoge führt, sowie wirksame Monitoring-Mechanismen unter Einbeziehung zivilgesellschaftlicher und religionsbasierter Akteure verankert.
Langfristige Partnerschaften bauen auf Menschenrechte
Dem katholischen Hilfswerk missio Aachen sei durchaus bewusst, dass Indien unter den aktuellen geopolitischen Bedingungen ein wichtiger strategischer und wirtschaftlicher Partner für Europa ist. „Aber es geht um eine wertebasierte europäische Politik, die langfristige Partnerschaften auf Vertrauen, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlicher Stabilität aufbaut und damit auch die internationale Glaubwürdigkeit der EU stärkt“, erklärte Pfarrer Bingener. „Zu diesen fundamentalen europäischen Werten zählt eben auch der Einsatz für Religionsfreiheit, der hier fehlt“, ergänzte Pfarrer Bingener.
Ein neuer pragmatischer Realismus in der europäischen Außenpolitik dürfe nicht bedeuten, dass in internationalen Beziehungen Menschenrechte angesichts einer Welt, in der das Recht des Stärkeren die Stärke des Rechts verdrängt, zunehmend keine Rolle mehr spielen. „Darüber müssen wir endlich eine Debatte führen“, forderte Pfarrer Bingener weiter.
Zuletzt hatte missio Aachen an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor dessen Indienreise Mitte Januar appelliert , sich für bedrängte Christen und Muslime einzusetzen.