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PRESSEMITTEILUNG

missio Aachen macht sich große Sorgen um Christen im Nahen Osten

Aachen - Iranisch-amerikanischer Konflikt bringt Christen zwischen die Fronten – Bundesregierung und Europäische Union müssen diplomatische Initiativen verstärken – Zivilgesellschaftliche Bewegungen scheitern

Pfarrer Dirk Bingener vor dem Aachener Dom Foto: KNA
Pfarrer Dirk Bingener ist Präsident von missio Aachen und dem Kindermissionswerk ,Die Sternsinger'. Fotografiert wurde er hier vom Kindermissionswerk aus vor der Silhouette des Aachener Domes.

„Wir machen uns große Sorgen um die Christen im Nahen Osten, weil sie der geostrategische Konflikt zwischen Iran und USA zu zerreiben droht, wenn keine nachhaltige Entspannung erreicht wird“, sagte Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des katholischen Hilfswerkes missio Aachen, am Freitag. Er appellierte an die Bundesregierung und die Europäische Union, dass sie jetzt ihre aufgenommenen diplomatischen Initiativen verstärken müssen, und dabei nicht nur Regierungen und Militärs, sondern auch die Zivilgesellschaft einbeziehen müssen.

Auch wenn es nach der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani durch einen amerikanischen Drohnenangriff und iranische Vergeltungsschläge Entspannungssignale gebe, könne sich die Lage jederzeit wieder zuspitzen, so Bingener.

Gratwanderung, sich dem machtpolitischen Ringen zu entziehen

Schon bisher sei es für die bedrängten Christen in der Region eine Gratwanderung gewesen, sich den Folgen des machtpolitischen Ringens zwischen sunnitischen und schiitischen Kräften zu entziehen. Gleichzeitig müssten sich die orientalischen Christen gegen Vorwürfe wehren, sie seien Handlanger der Interessen Amerikas oder Russlands. Gerade Russland spiele im syrischen Bürgerkrieg geschickt die Karte einer christlichen Schutzmacht aus. Zudem litten nicht allein die Christen in der Region seit Jahrzehnten unter der extremen Konfessionalisierung der Politik, die Menschen nicht als Bürgerinnen und Bürger des Landes, sondern zuerst als Anhänger einer bestimmten Religion betrachteten. Dies verhindere das Wachsen einer Zivilgesellschaft über religiöse, konfessionelle und soziale Grenzen hinweg.

„Die religiösen Regime und konfessionellen Milizen sitzen wieder fest im Sattel“

„Die jüngsten konfessions- und religionsübergreifenden Demonstrationen im Libanon und im Irak waren deshalb auch für Christinnen und Christen Zeichen der Hoffnung“, erklärte Pfarrer Bingener weiter. Die Demonstranten setzten sich für eine Politik ein, die Korruption, soziale Ungleichheit und Konfessionalismus überwindet, die Rechte der Bürger in den Mittelpunkt stellt – und nicht die Interessen von Regimen, die Religion für ihren Machterhalt missbrauchen. Selbst im Iran gingen über Wochen Menschen auf die Straße. „Alle diese Bewegungen drohen jetzt zu scheitern. Schlimmer noch: Die religiösen Regime und konfessionellen Milizen sitzen wieder fest im Sattel. Sie zementieren die Feindbilder“, warnte Pfarrer Bingener.

Der Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche im Irak, Kardinal Louis Raphaël I. Sako, appelliere dringend an die internationale Gemeinschaft, Maßnahmen zur Deeskalation zu ergreifen. Er schlägt einen runden Tisch vor, der alle Parteien zum Dialog und zum gegenseitigen Verstehen zusammenbringen solle. „Diese Forderung unterstützt missio“, sagte Pfarrer Bingener. Sonst werde der Auswanderungsdruck für Christen immer stärker.
 


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