Das katholische Hilfswerk missio Aachen und Vertreter der Kirche in Ghana haben während einer gemeinsamen Aktion in Accra die Einführung eines Handypfands in Deutschland gefordert. „Wir appellieren an Bundesumweltminister Carsten Schneider, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit Deutschland endlich die EU-Recycling-Quote erfüllt. Die Einführung eines Handypfands wäre dazu ein entscheidender Beitrag“, erklärte Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen, auf der Elektroschrotthalde Agbogbloshie in Accra. Das Hilfswerk hat am Rande der Schrotthalde ein Projekt aufgebaut, das Mädchen und Jungen vor Kinderarbeit unter extrem gesundheitsschädlichen Bedingungen schützt.
Recycling statt illegaler Export nach Afrika
„Gerade am Beispiel der Smartphones wird deutlich, wie wichtig Recyceln und Wiederaufbereiten für eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen ist. Es geht aber nicht nur um Umweltschutz, sondern auch um Menschenrechte, wenn man etwa sieht, wie die Menschen hier auf dieser Schrotthalde arbeiten“, so Pfarrer Bingener. Gegenwärtig haben sich in Deutschland aufgrund des bislang fehlenden Handypfands rund 200 Millionen Handys angesammelt. Die darin enthaltenen Materialien würden ausreichen, um den Rohstoffbedarf aller neuen Smartphones der kommenden zehn Jahre zu decken, so eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Ordensschwester Mercy Benson fordert Umdenken in Deutschland
Unterstützt wird die Forderung nach einem Handypfand von Projektpartnern von missio Aachen wie von der ghanaischen Ordensschwester Schwester Mercy Benson. „Je mehr in Deutschland recycelt wird, desto weniger illegale Elektroschrott-Exporte gibt es, die meine Heimat Ghana verschmutzen“, so die Ordensschwester, die bereits bei der Europäischen Union und in Deutschland an Gesprächen zum Thema Recycling teilgenommen hat. Im Mai wird sie auf dem Katholikentag in Würzburg bei der Podiumsdiskussion „Handys, Krieg und Elektroschrott“ sprechen.
„Wir brauchen Handys mit Gold-zurück-Garantie“
missio Aachen macht mit seiner Kampagne für ein Handypfand und eine Recycling-Wende insbesondere auf die Verbindungen zwischen Smartphones und Menschenrechtsverletzungen aufmerksam. „Es ist oft unser Gold aus Afrika, das für die Herstellung der Geräte verwendet wird. Es stammt aus ausbeuterischen Minen in Ghana, deren Chemikalien die Umwelt und die Menschen vergiften. Und es stammt aus den Bürgerkriegsregionen der Demokratischen Republik Kongo“, so Schwester Mercy Benson.
„Wir brauchen Handys mit Gold-zurück-Garantie“ , fordert Pfarrer Bingener. Mit einem Handypfand könne das Gold alter Handys wieder verwendet werden. Aktuell sollen laut Rechnungen etwa 6.000 Kilogramm Gold, das in Mobiltelefonen verbaut ist, in alten Handys in deutschen Schubladen schlummern.
Von Papst Leo gesegnetes „Recyclingkreuz“ bei der Messe in Accra
Als Symbol für die Forderung nach einem Handypfand präsentierte Pfarrer Dirk Bingener das von Papst Leo XIV. gesegnete „Recyclingkreuz“ bei einem Gottesdienst mit über 1.000 Teilnehmenden in der Kathedrale von Accra. Das Kreuz besteht auf der einen Seite aus dem Messing defekter Klimaanlagen von der Elektroschrotthalde Agbogbloshie. Die andere Seite zeigt alte Handys mit Fotos von Menschen aus Ghana und der DR Kongo. Mit dem Recyclingkreuz wird missio Aachen auch anderorts für die Einführung eines Handypfands werben. Geplant sind Termine unter anderem in Brüssel und Berlin.