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missio Aachen warnt vor Rückzug des Westens im Kampf gegen Menschenhandel

Am 30. Juli 2025 ist der Internationale Tag gegen Menschenhandel. Die Kirche in Afrika, Asien und Ozeanien ist das Rückgrat des Kampfes gegen moderne Sklaverei. Sie brauchen mehr politische Solidarität.

Eine Frau in gestreiftem Shirt und grüner Rock schaufelt Gestein aus einem schmalen Graben, der mit Wasser gefüllt ist. Sie befindet sich in einer natürlichen Umgebung mit üppigem Grün im Hintergrund und konzentriert sich auf ihre Arbeit.
Frauen sind oft Opfer von moderner Sklaverei. Sie sind gezwungen, unter widrigsten Umständen wie hier im Kongo Rohstoffe abzubauen. Davon profitieren Kriminelle.

Das Hilfswerk missio Aachen warnt vor einem Rückzug des Westens im Kampf gegen moderne Sklaverei und Menschenhandel. Die Debatten über das deutsche und europäische Lieferkettengesetz verdeutlichen dies. Bürokratieabbau und Wirtschaftsinteressen der Industrieländer stehen im Fokus. „Der Schutz vor Ausbeutung und Versklavung, das eigentliche Ziel dieser Gesetze, gerät in den Hintergrund. Besonders für den globalen Süden ist das fatal. Wirtschaftsinteressen und Menschenrechte dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden; wir müssen beides solidarisch vereinen“, mahnte Johannes Seibel, Pressesprecher von missio Aachen, anlässlich des Internationalen Tages gegen den Menschenhandel (30. Juli). 

In Afrika, dem Nahen Osten, Asien und Ozeanien spielt die katholische Kirche eine Schlüsselrolle im dortigen Kampf gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei. Mitarbeitende der Kirche bauen effektive Netzwerke zur Prävention und Hilfe für Betroffene auf und sind oft das Rückgrat zivilgesellschaftlichen Engagements, wo staatliche Strukturen versagen. „Unsere Partner äußern häufig die Sorge, dass Industrieländer ihre Solidarität im Kampf gegen Menschenhandel aufgeben. Das erschwert ihre Arbeit erheblich. Wir nehmen das ernst“, betonte Seibel. 

Strafverfolgungs- und Verurteilungsrate der Täter ist sehr gering

Wenn zum Beispiel das Bewusstsein für die gemeinsame Verantwortung von Industrie- und Entwicklungsländern im Kampf gegen Menschenhandel weiter schwindet und nur noch nationale Interessen zählen, sinkt die Strafverfolgungs- und Verurteilungsrate der Täter weiter. Internationale Experten schätzen, dass nur ein Fünftel der gemeldeten Fälle tatsächlich zu einer Verurteilung führt. „Das ist für unsere Partnerorganisationen ein echtes Problem“, so Seibel.

Angesichts dieser zunehmenden politischen Zurückhaltung im Kampf gegen Menschenhandel ist weltkirchliche Solidarität umso wichtiger. „Papst Franziskus hat dieses Engagement als große soziale Aufgabe der Kirche bezeichnet. Sein Nachfolger führt diese Linie fort. Das können wir selbstbewusst in die deutsche und europäische Politik einbringen“, so Seibel. „Gleichzeitig sind wir unseren Unterstützern in Deutschland dankbar, die Projekte unserer Partner gegen Menschenhandel verlässlich fördern. Das ist ein wichtiges Signal.“

38 Prozent aller Betroffenen sind Minderjährige

Der jüngste Bericht der UN-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNDOC) zeigt für 2022 mit 75.000 Fällen von Menschenhandel einen Anstieg um 25 Prozent im Vergleich zu 2019. Von den im Zeitraum 2020 bis 2023 identifizierten etwas mehr als 200.000 Opfern waren 38 Prozent Minderjährige. 42 Prozent aller identifizierten Opfer litten unter Arbeitsausbeutung, 36 Prozent unter sexueller Ausbeutung.


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