Die wachsende katholische Kirche in Afrika wird für die zukünftige Entwicklung des Kontinents eine entscheidende Rolle spielen. Dies wurde auf der 20. Vollversammlung der nationalen Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar (SECAM) in Ruandas Hauptstadt Kigali deutlich. Auf der Agenda stand die Entwicklung von Arbeitsschwerpunkten für die kommenden 25 Jahre.
Pfarrer Bingener: Afrikanische Bischöfe treten für Frieden und Gerechtigkeit ein
„Es war spürbar, dass die anwesenden Bischöfe sich ihrer Verantwortung bewusst waren, für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten. Den Herrschenden gilt es ins Gewissen zu reden, Hindernisse für Friedensprozesse sind zu benennen und gleichzeitig ist auf einer breiten Basis die Friedensbildung der Bevölkerung zu intensivieren.“ Dies berichtet Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des katholischen Hilfswerks missio Aachen, der auf Einladung der SECAM an der Konferenz teilnahm, aus dem Plenum in Kigali. „Zu viele Menschen leiden unter Krieg, Vertreibung und Flucht. Die Geschichte Ruandas weiß um das, was Menschen einander antun können. Das Land steht nach den Schrecken des Genozids im Jahre 1994 aber auch für die Bemühungen um Versöhnung“, so Bingener weiter.
Das Leitwort der Vollversammlung in Kigali lautet „Jesus Christus – Quelle der Hoffnung, Versöhnung und des Friedens“. Pfarrer Bingener bezeichnete dies in seiner Ansprache vor den Vertretern der afrikanischen Bischofskonferenzen als „kraftvolle Botschaft“ für die Weltkirche.
Bischöfe hören den Ordensfrauen aufmerksam zu
Der Präsident von missio Aachen warb in Kigali auch für den stärkeren Schutz von Ordensfrauen vor Ausbeutung und Missbrauch. „Ich bin Kardinal Ambongo, dem Vorsitzenden der Konferenz, dankbar, dass dieses Thema bei der Vollversammlung Raum fand und die Bischöfe den Ordensfrauen, die missio Aachen unterstützt, aufmerksam zugehört haben“, berichtet Pfarrer Bingener. Hintergrund: Im vergangenen September hatten die SECAM und missio Aachen in Togo einen großen Kongress mit 120 Ordensfrauen aus 30 afrikanischen Ländern veranstaltet, bei dem über das Empowerment von Ordensfrauen gesprochen wurde. Dort wurden auch die Themen Missbrauch und Ausbeutung thematisiert, woraufhin die SECAM eine Delegation der Ordensfrauen zu ihrer jetzigen Generalversammlung in Kigali eingeladen hatte.
Umgang der afrikanischen Kirche mit polygamen Beziehungen
Weitere Themen der Konferenz, die noch bis zum heutigen Sonntag andauert, waren die Frage des Umgangs der Kirche mit polygamen Beziehungen. Die Bischöfe des afrikanischen Kontinents waren auf der Weltsynode gebeten worden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und Wege der pastoralen Begleitung aufzuzeigen. „Es war interessant zu beobachten, wie differenziert die Bischöfe zunächst bereit waren, die Realität zu benennen und im Austausch nach angemessenen Wegen des pastoralen Umgangs zu suchen“, sagt Pfarrer Bingener.
missio Aachen langjähriger Partner der Kirche in Afrika
Das katholische Hilfswerk missio Aachen ist ein langjähriger Partner der Kirche in Afrika. Gemeinsam mit afrikanischen Partnerinnen und Partnern werden Projekte der Ausbildung, der Seelsorge, der kirchlichen Sozialarbeit, des interreligiösen Dialoges, des Aufbaus von Infrastruktur und akuter Hilfen in Notlagen entwickelt und betreut. Dafür stellte missio Aachen 2024 der Kirche in Afrika knapp 17,9 Millionen Euro in rund 30 Ländern zur Verfügung.