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Pressemitteilung

Myanmars Militär greift auch christliche Dörfer an

Militärjunta in Myanmar nimmt ethnische und religiöse Minderheiten ins Visier. Bundesregierung muss handeln. missio bewilligt Projektgelder.

Das Bild illustriert die Gewalt der Militärjunta Myanmars gegen ethnische und religiöse Minderheiten. Foto: missio / Projektpartner
Der Ausschnitt aus einem Video zeigt ein zerstörtes christliches Dorf in Myanmar nach einem Angriff des Militärs im Sommer 2022.

Das Militärregime in Myanmar verstärkt nach Beobachtungen des katholischen Hilfswerkes missio Aachen seine militärischen Angriffe auf ethnische und religiöse Minderheiten im Land. „Der Westen nimmt im Windschatten des Russland-Krieges gegen die Ukraine diese Kriegsverbrechen zu wenig wahr. Die Bundesregierung und die Europäische Union müssen den Druck auf das Militärregime verstärken, damit diese Verbrechen aufhören und neue politische Initiativen starten“, forderte Gregor von Fürstenberg, Vize-Präsident des katholischen Hilfswerkes missio Aachen. 

„Die Militärs werfen Bomben auf Kirchen, Moscheen, Tempel oder indigene Heiligtümer. Dörfer werden angegriffen, niedergebrannt und die Menschen aufgrund ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit vertrieben. Das trifft Christen, Muslime, Hindu und Angehörige indigener Religionen gleichermaßen“, so von Fürstenberg weiter. „Selbst buddhistische Einrichtungen und Organisationen werden angegriffen, wenn ihnen das Militär in dem mehrheitlich buddhistischen Land vorwirft, nicht ihre nationalistische Lesart des Buddhismus vorbehaltlos zu unterstützen“, so von Fürstenberg. 

Ziel der Militärs ist es auch, dort den Druck auf ethnische und religiöse Minderheiten zu erhöhen, wo attraktive wirtschaftliche Ressourcen ausgebeutet werden können. So liegen etwa im Kachin-State, dessen indigene Bevölkerung mehrheitlich christlichen Kirchen angehören, große Minen für Jade, Rubine, andere Edelsteine oder Gold und wertvolle Wälder. „Unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung geht es um Macht und Geld für die Militärs und ihre Cliquen“, erklärt von Fürstenberg.

Zunehmende interreligiöse Kooperation ist für das Militärregime ein Problem

Allerdings haben der Druck der Militärregierung auf ethnische und religiöse Minderheiten und die Folgen der Corona-Pandemie die interreligiöse Akzeptanz und Kooperation gestärkt, beobachtet missio ebenfalls. „Christen, Muslime, Hindu, gemäßigte Buddhisten oder Angehörige von indigenen Religionen unterstützen sich gegenseitig. Sie betreuen gemeinsam Vertriebene oder Kranke. Sie organisieren zivilen Widerstand gegen die Junta. Sie besorgen Lebensmittel für alle. Das wäre vor einigen Jahren in diesem Umfang nicht möglich gewesen. Das ist für das Militärregime ein Problem“, so von Fürstenberg.

Seit dem Putsch des Militärs in Myanmar im Februar 2021 hält der massive Protest der Bevölkerung an. „Unabhängig von ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit wollen die Menschen in Myanmar auf keinen Fall eine erneute Militärherrschaft, und kämpfen vor aller für die Zukunft ihrer Kinder“, sagte von Fürstenberg. 

Nach der systematischen Zerschlagung des zivilen Widerstands durch das Militär greifen auch einzelne Kräfte der Minderheiten zu Gewalt. Das Militär reagiert mit Flächenbombardements, Erschießungen, Verhaftungen, Folter, Zerstörung medizinischer Einrichtungen und Medienzensur. Zuletzt wurden vier Todesurteile gegen Oppositionelle vollstreckt. Am gestrigen Montag starb ein Fotograf im Gefängnis, der den Widerstand dokumentierte.

missio Aachen leistet Hilfe für die Betroffenen der Militäraktionen

missio Aachen selbst bewilligte für die katholische Kirche in Myanmar 2021 und 2022 Projektgelder in Höhe von 1,245 Millionen Euro. Davon wird unter anderem akute Hilfe für die Betroffenen der Militäraktionen », für Geflüchtete in Flüchtlingslagern an der Grenze von Thailand und Myanmar, das Aufrechterhalten der kirchlichen Arbeit oder Ausbildung und Unterhalt von Priestern, Ordensleuten sowie Katechistinnen und Katechisten finanziert. Gerade Katechistinnen und Katechisten – vergleichbar in Deutschland mit Gemeindereferentinnen und Referenten in Pfarrgemeinden – unterstützen die Menschen in entlegenen Regionen mit dem Lebensnotwendigen.


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Johannes Seibel

Leiter der Stabsstelle Presse & Kommunikation
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