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Religion prägt 2026 zunehmend internationale Politik

Themen wie Christenverfolgung nicht Populisten überlassen. Deutsche Außenpolitik ignoriert globale religiöse Dynamik. missio-Chef stößt Debatte an.

Eine Gruppe von Menschen versammelt sich zu einer Protestdemonstration mit Transparenten, die gegen Hass, Extremismus und Terrorismus eintreten. Sie fordern die Umsetzung eines nationalen Aktionsplans zur Bekämpfung von Extremismus und zur Förderung von religiöser Toleranz und Pluralismus.
In Pakistan wird das Menschenrecht auf Religionsfreiheit auch für Christen verletzt. Dagegen protestieren hier Christen und Muslime gemeinsam.

Das Thema Religion in Afrika, Asien und im Nahen Osten gewinnt für die internationalen Beziehungen zunehmend an Bedeutung. Für das katholische Hilfswerk missio Aachen zählt dies zu den zentralen globalen Entwicklungen des Jahres 2025. „In Deutschland wird weiterhin unterschätzt, wie sehr religiöse Dynamiken künftige Fragen der Außen- und Innenpolitik vieler Staaten mitbestimmen werden. Eine breite, offene Debatte darüber ist überfällig“, betont missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener in Aachen zum Jahresende.

Schlimme Realität für Christen in vielen Ländern: Deutschland sieht das nicht ausreichend

Besonders deutlich zeigt sich dies beim Thema Christenverfolgung, das 2025 weltweit größere Aufmerksamkeit erhielt, nicht zuletzt als die US-Regierung Nigeria wegen des unzureichenden Schutzes christlicher Gemeinschaften militärische Maßnahmen androhte und an Weihnachten tatsächlich zwei Bombenangriffe auf Islamisten flog. Auch wenn so das Thema immer wieder droht, instrumentalisiert zu werden, bleibt die schlimme Realität: In einer ganzen Reihe von Ländern des globalen Südens erleben Christen Diskriminierung, Bedrohung und teils extreme Gewalt. „Während das Thema die internationale Politik beschäftigt, wird es in Deutschland noch nicht ausreichend gesehen oder von Rechtspopulisten für die eigenen politischen Zwecke missbraucht. Dies verhindert eine ausgewogene Debatte“, macht Bingener deutlich.

Differenzierte Auseinandersetzung mit Ursachen für die Bedrohung von Christen

Daher fordert missio Aachen eine differenzierte Auseinandersetzung mit den vielfältigen Ursachen für die Bedrohung von Christen im globalen Süden: politische Instabilität, soziale Ungleichheit, Korruption, zerfallende Sicherheitsstrukturen und der Einfluss extremistischer Netzwerke. Hierauf müsse Europa noch entschlossener reagieren – durch den Kampf gegen Armut und Staatsversagen, den Ausbau internationaler Schutzmechanismen für religiöse Minderheiten und das Stoppen von Finanzströmen, die Terrorgruppen stärken. „Auch die deutsche Außen- und Entwicklungspolitik braucht hier eine entsprechende Expertise und Ressourcen. Nur dann kann sie bedrängten Christen und anderen Opfern der Verletzungen von Religionsfreiheit langfristig helfen“, betont Bingener.

Mit dem Wahrheitsanspruch von Religion so umgehen, dass sie andere nicht abwertet

Ferner hält missio Aachen das offene Gespräch zwischen Kirchen, Religionsgemeinschaften, Politik und Zivilgesellschaft darüber für unabdingbar, wie Gläubige mit dem Wahrheitsanspruch ihrer Religion umgehen können, damit sie andere nicht abwerten oder ausgrenzen. „Die Erfahrung lehrt, dass ein religiöses Überlegenheitsgefühl Hass gegen andere Gläubige nährt“, so Pfarrer Bingener. Das gilt für alle Religionen gleichermaßen. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben, die Intensivierung des interreligiösen Dialogs und die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Weltanschauung ist gerade jetzt wichtiger denn je. 

Islamisten, Hindunationalisten oder christliche Nationalisten drohen das Thema für ihre Zwecke zu vereinnahmen

„Wenn wir diese Debatten nicht in der Breite führen, drohen extremistische Kräfte – von islamistischen Terroristen im Nahen Osten und Afrika über hindufundamentalistische Bewegungen in Indien bis hin zu christlichen Nationalisten in den USA – das Thema zu dominieren und für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Das werden wir auch in Deutschland gesellschaftlich immer stärker spüren“, warnt Pfarrer Bingener. „Solche Vereinnahmungen zu verhindern, hilft bedrängten Christen weltweit, aber auch allen, die eine liberale Demokratie und Politik der Mitte bewahren wollen“, blickt Pfarrer Bingener auf das Jahr 2026 voraus.


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Johannes Seibel

Leiter der Stabsstelle Presse & Kommunikation
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