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Philippinen: Kirchenführer verurteilen die Ermordung eines jungen Priesters

Bettina Flitner
Der irische Pater Shay Cullen setzt sich seit vielen Jahren auf den Philippinen für die Menschenrechte ein.

Von Pater Shay Cullen

Führende Mitglieder der katholischen Kirche in den Philippinen verurteilen die brutale Ermordung des jungen Priesters, Mark Anthony Venutura, 37, aus der Stadt Gattaran in der Provinz Cagayan am 29. April 2018.

Pfarrer Mark wurde von einem Attentäter im Barangay Pina Weste Gymnasium am Stadtrand von Gattaran nach einer Eucharistiefeier erschossen. Er segnete gerade die Kinder und unterhielt sich mit den Mitgliedern des Kirchenchors, als ihn die tödlichen Kugeln trafen. Der Schütze rannte davon und floh auf einem Motorrad, das von einer weiteren Person gefahren wurde.

Kirche fordert Behörden zum Handeln auf

Erzbischof Romulo Valles, Präsident der Katholischen Bischofskonferenz in den Philippinen, sagte in einer Stellungnahme: „Wir sind geschockt und fassungslos über die brutale Ermordung von Pfarrer Mark Ventura, katholischer Priester der Erzdiözese Tuguegarao. Unmittelbar nach der Eucharistiefeier um 8 Uhr heute Morgen wurde er von zwei Mördern auf einem Motorrad erschossen. Wir beten für Pfarrer Ventura, für seine Familie und die Laien der Gemeinde in Tuguegarao. Wir verurteilen diese schreckliche Tat! Wir fordern die Behörden auf, die Tätern dieses Verbrechens ausfindig zu machen und sie zur Rechenschaft zu ziehen.“

Ermorderter Priester setzte sich für Rechte der indigenen Bevölkerung ein

Pfarrer Mark setzte sich offen für die Rechte der indigenen Völker ein und war ein Gegner von Bergbauarbeiten, die in das angestammte Land der Menschen eindrangen. Pfarrer Mark wurde kürzlich zum Direktor der San Isidro Missionsstation in Mabuno, zugehörig zu Gattaran, ernannt.

Die indigenen Völker in dieser Region stehen unter großem Druck durch lokale und internationale Bergbauunternehmen, die versuchen, Zugang zu den reichen Mineralstoffvorkommen auf dem Land der Menschen zu erlangen. Pfarrer Mark war bekannt dafür, die indigene Bevölkerung in ihrem Kampf für Gerechtigkeit zu unterstützen. Einige Stammesführer wurden als Terroristen verleumdet, um ein militärisches Eingreifen zu rechtfertigen. Senator Francis Pangilian, der Präsident der Liberalen Partei, erklärte, dass seine Partei „die sinnlose Ermordung“ von Pfarrer Mark Ventura verurteilt.

missio/Hartmut Schwarzbach
Der italienische PIME-Priester Fr. Tullio Favali fiel 1985 einem Auftragsmord zum Opfer.

Auftragsmorde und Ausweisung ausländischer Missionare

Auftragskiller nehmen Menschenrechtsaktivisten und politische Gefangene ins Visier. Unbekannte Attentäter ermordeten im Dezember 2017 den 72-jährigen Fr. Marcelito Paez, als er auf einem Motorrad in Jaen, Nueva Ecija, auf dem Weg zu einem politischen Gefangenen war.

Der italienische Priester, Pfarrer Fausto Tentorio, 59, wurde in North Cotabato im Oktober 2011 ermordet, als er sein Pfarrhaus verließ, ebenfalls von einem Auftragskiller auf einem Motorrad. Pfarrer „Pops“ wie er genannt wurde, war der dritte Priester des Pontificial Institute for Foreign Missions (PIME), der in den Philippinen ermordet wurde. Er starb auf dem Gelände der Pfarrei Mutter der beständigen Hilfe in Arakan, North Cotobato, Mindanao.

Als lokale Bergbauunternehmen, unterstützt durch multinationale Bergbaugesellschaften, in das angestammte Land der indigenen Bevölkerung eindrangen, half Pfarrer „Pops“ ihnen, dagegen vorzugehen. Auch die Missionare, die mit Pfarrer „Pops“ zusammenarbeiteten, wurden ermordet.

1985 war der italienische PIME-Missionar Fr. Tulio Favali in Tulunan in North Cotabato brutal ermordet worden und 1992 sein Mitbruder Fr. Salvatore Carzedda in Zamboanga-Stadt.

Im April 2018 forderten die philippinischen Behörden die australische Schwester Patricia Fox auf, die Philippinen aufgrund angeblicher „Aktivitäten, die über den Rahmen ihres Visums hinausgehen“ zu verlassen. Sie hatte an einer Demonstration für politisch Inhaftierte teilgenommen und half der indigenen Bevölkerung vor Ort.

Steigende Nachfrage nach Elektroautos, Laptops, Smartphones

Bergbaugesellschaften setzen alles daran, Zugang zu den reichen Rohstoffvorkommen an Kobalt, Nickel, Gold, Silber zu bekommen. Die steigende Popularität und Nachfrage nach Elektroautos, Laptops, Smartphones und anderen elektronischen Geräten, die mit Batterie betrieben werden, treiben die Preise für Mineralien nach oben und die Bergbauunternehmen werden sich nicht zufrieden geben, bevor sie haben, was sie wollen.

Die Philippinen sind der sechstgrößte Kobaltproduzent der Welt, selbst nachdem im Jahr 2017 der philippinische Präsident Duterte den offenen Tagebau verboten hatte und 100 Metriche Tonnen Kobalt weniger produziert worden waren. Berichten zufolge hatte Duterte der Empfehlung des Mining Industry Coordinating Council (MICC), das Verbot wieder aufzuheben, nicht entsprochen und auf das Risiko von Umweltschäden verwiesen.

Indigene Bevölkerung unter Druck von Privatarmeen

Dies aber ist nur ein kleiner Anteil betrachtet man die Gesamtproduktion von Kobalt auf den Philippinen. Der Aktienwert ist im Jahr 2017 um 100 Prozent gestiegen. Schnell wird Kobalt zum Konfliktmineral, da sich die indigene Bevölkerung zunehmendem Druck von Privatarmeen und bewaffneten Handlangern ausgesetzt sieht, die die Stammesführer als Terroristen und Rebellen brandmarken und diese ungestraft ermorden. Diese gewalttätigen Übergriffe sind es, gegen die Missionare und mutigen Verfechter des Rechts auf den Philippinen kämpfen und getötet werden.

Elektrische Autos oder das neueste Smartphone sind womöglich nicht unter ethischen oder fair-trade Standards produziert worden. Damit wir solche Geräte besitzen können, verlieren Menschen unter Umständen ihr Leben. Jedes Leben ist kostbar, wertvoll, besonders derer, die arm und ausgeschlossen sind. Sie haben in diesem Leben so viel weniger als andere und verdienen mehr Würde und Gleichheit, besonders diejenigen, die als wertlos betrachtet und als Verdächtige erschossen werden.

"Schweigen in Anbetracht dieser entsetzlichen Tat ist Komplizenschaft"

In einem Kommentar zu den Ermordungen sagte der ehemalige Präsident der philippinischen Bischofskonferenz Erzbischof Socrates Villegas: „Wir fordern Antworten. Hirten müssen manchmal ihre Stimme erheben, wenn Wölfe in Gottes Herde Beute machen wollen. Gesteht das Todeskommando, irgendein Todeskommando, diesen Hohn ein?“

Solche Handlungen, sagte Villegas, seien ein eindeutiger Beweis dafür, dass das Problem der unaufgeklärten Morde bestehen blieben. „ Es sagt uns, liebe Bischöfe, dass wir mit dieser Situation nicht versöhnt werden können. Schweigen in Anbetracht dieser entsetzlichen Tat ist Komplizenschaft“, sagte der Erzbischof.

04.05.2018

 

Pater Shay Cullen setzt sich mit seiner Organisation PREDA für Opfer von Menschenrechtsverletzungen » ein.

Hartmut Schwarzbach/missio
Auf den Philippinen sind in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Missionare durch Gewalt ums Leben gekommen.