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Religion und Gewalt

Das Forschungsprojekt „Religion und Gewalt” widmet sich dem aktuellen politischen und gesellschaftlichen Thema religiöser Konflikte. Mit diesem komplexen Thema sind verschiedene Fragen verbunden: Wie verhalten sich Gewalt und Religion zueinander? Wo stehen Religionen zwischen Krieg und Frieden? Wie ist es um den Frieden zwischen den Religionen bestellt? Der Fokus des Projekts richtet sich auf das Verhältnis von Christentum und Islam. Das Spannungsfeld von Religion und Gewalt gibt es jedoch auch in und mit den anderen großen Religionen Judentum, Hinduismus und Buddhismus. Langfristig geht es darum, den vordergründigen Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt zu hinterfragen und umzukehren in die Formel „Religion macht Frieden”.

Am Beispiel verschiedener afrikanischer Länder geht das Forschungsprojekt der Frage nach, wie Menschen in konkreten Konfliktsituationen das Verhältnis von Religion und Gewalt wahrnehmen. Dazu befragen Kooperationspartner in den jeweiligen Ländern Christen und Muslime sowie Vertreter der Politik und der verschiedenen Religionen. Erschienene  Länderstudien finden Sie untenstehend als PDF. Die Erhebungen zu Tschad, Mali und der Zentralafrikanischen Republik werden vorbereitet.

Jugendliche bei einem Ant-Gewalt-Rollenspiel in der Gemeinde Timothy in Maiduguri, Nigeria. Foto: Fritz Stark/missio
Jugendliche bei einem Anti-Gewalt-Rollenspiel in der Gemeinde St. Timothy in Maiduguri, Nigeria.

Studien zum Thema „Religion und Gewalt”

Tansania wird von seinen Bewohnern und Politikern gerne als das „Land des Friedens“ bezeichnet, und in der Tat sind dem Land in seiner Geschichte größere blutige Konflikte und ethnische Auseinandersetzungen in weiten Teilen erspart geblieben. Doch in jüngster Zeit gab es vermehrt negative Schlagzeilen von Gewalt im Land, etwa über den Anschlag auf die amerikanische Botschaft, aber auch über immer wieder aufflammende Konflikte in Städten wie Moshi und Daressalaam sowie über religiöse Spannungen, insbesondere auf der Insel Sansibar.

Die Studie untersucht den Zusammenhang von Gewalt und Religion am Beispiel verschiedener konfliktiver Situationen und Fragestellungen in Tansania. Durchgeführt wurde die Studie vom „Hekima Institute of Peace Studies and International Relations“ mit Sitz in Nairobi. Die Ergebnisse werden vorgestellt, in einen theoretischen Rahmen eingeordnet und ausgewertet. Dabei zeigt sich, dass es vielfältige Ursachen von Gewalt gibt, die häufig ineinander verwoben sind. Eine auch mit religiösen Begriffen konnotierte Konfliktsituation als „religiösen Konflikt“ zu bezeichnen, greift häufig zu kurz. Zudem besteht die Gefahr, dass hier Religion für politische oder wirtschaftliche Ziele instrumentalisiert wird. Notwendig ist ein genaues Hinschauen auf die Wahrnehmungen und die Gefühlslage der handelnden und betroffenen Menschen, wie dies die Autoren der hier vorliegenden Studie tun. Studie lesen    

Die Republik Côte d’Ivoire gehört zu den wirtschaftlich stärkeren Ländern Afrikas, wurde aber in den letzten Jahren immer wieder von Krisen erschüttert, die mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen und erheblicher Gewalt einher gingen. Der interne Konflikt zwischen den beiden wichtigsten Bevölkerungsgruppen, den mehrheitlich christlichen Ivorern und den überwiegend muslimischen Burkinern, wurde politisch instrumentalisiert, was für das traditionell gute Verhältnis der beiden Religionen in Côte d’Ivoire zu einer schweren Belastungsprobe wurde.

Die Autoren dieser Studie, der zweiten im Rahmen des von missio koordinierten Forschungsprojekts über „Religion und Gewalt“, gehen den Wechselverhältnissen nach. In 381 Interviews und Gruppendiskussionen haben sie ein Bild jener vielschichten Vorstellungen zusammengetragen, die in der Bevölkerung und bei verantwortlichen religiösen und politischen Führern zur Frage von Religion und Gewalt kursieren. Dabei sind sie auch der Frage nach dem Konflikt- und nach dem Friedenspotential der Religionen nachgegangen. Studie lesen