missio - glauben.leben.geben

Länderberichte Religionsfreiheit

missio setzt sich ein für Religionsfreiheit im Sinne des Artikels 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948, des Artikels 18 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) vom 16. Dezember 1966 und der Erklärung Dignitatis humanae des Zweiten Vatikanum über die Religionsfreiheit vom 7. Dezember 1965. Diese hält fest:

„Das Vatikanische Konzil erklärt, dass die menschliche Person das Recht auf religiöse Freiheit hat. Diese Freiheit besteht darin, dass alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang sowohl von Seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlichen Gewalt, so dass in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat und öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen – innerhalb der gebührenden Grenzen – nach seinem Gewissen zu handeln. Ferner erklärt das Konzil, das Recht auf religiöse Freiheit sei in Wahrheit auf die Würde der menschlichen Person selbst gegründet, so wie sie durch das geoffenbarte Wort Gottes und durch die Vernunft selbst erkannt wird. Dieses Recht der menschlichen Person auf religiöse Freiheit muss in der rechtlichen Ordnung der Gesellschaft so anerkannt werden, dass es zum bürgerlichen Recht wird.“

Dignitatis humanae, 2

In den Länderberichten Religionsfreiheit beantworten Expertinnen und Experten die Frage, wie es in einzelnen Ländern um die Religionsfreiheit bestellt ist. Die Berichte liefern länderspezifische Informationen zur Lage eines bedrohten Menschenrechts – nicht nur für politische Entscheider und zivilgesellschaftliche Organisationen.

Aktuell

Länderbericht Religionsfreiheit (45): Indien

Indien ist ein Subkontinent mit einer immer noch wachsenden Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen unterschiedlicher ethnischer Abstammung und religiöser Zugehörigkeit, die unter einer demokratischen Verfassung zusammenleben. In den nunmehr gut 70 Jahren des Bestehens der Indischen Union hat das Land immer wieder gewalttätige Auseinandersetzungen auf der Basis der ethnischen und religiösen Zugehörigkeit erlebt, die den demokratischen Prozess gefährdet haben. Die demokratischen Institutionen des Landes haben jedoch immer standgehalten. Ein wichtiger Erfolg der demokratischen Kräfte ist es, dass sich das Militär in Indien in all den Jahren der Kontrolle der politischen Macht untergeordnet hat.

Im April und Mai 2019 fanden die Wahlen zur Nationalversammlung statt. Die Regierungspartei Bharatiya Janata Partei (BJP) von Ministerpräsident Narendra Modi gewann eine klare Mehrheit und kann somit ihre hindu-nationalistische Politik weiterführen. Die Situation der religiösen und ethnischen Minderheiten wird sich dadurch voraussichtlich weiter verschlechtern. Dem Regierungschef wird angelastet, mit seiner Politik die Nation zu spalten und einseitig die hinduistischen Gruppen zu fördern. Die katholische Kirche hatte bereits seit geraumer Zeit versucht, ihre Gläubigen auf die Bedeutung der Wahl zur Nationalversammlung einzustimmen. So hatte der Erzbischof von Neu-Delhi, Anil Couto, am 13. Mai 2018 eine auf ein Jahr befristete Gebetskampagne gestartet und die Katholiken dazu aufgefordert, besondere Gebete zu verrichten und jeden Freitag zu fasten, da die „turbulente politische Situation“ im Lande die Demokratie gefährde.

missio begleitet und unterstützt seit Jahren die katholische Kirche in Indien in ihrem Zeugnis für das Evangelium und in ihrem Einsatz in der Pastoral, in der Bildung und im sozialen Sektor. Die Angriffe radikaler hinduistischer Gruppen gegen Personen und Einrichtungen der katholischen Kirche sowie gegen andere ethnische und religiöse Gruppen haben in den letzten Jahren zugenommen und eine Atmosphäre der Angst geschaffen.

Bibliographische Angaben
Evers, Georg, Religionsfreiheit: Indien, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Länderberichte Religionsfreiheit (Heft 45), Aachen 2019
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 553    

Länderbericht Religionsfreiheit (44): Pakistan

Pakistan ist ein Land, das seit Jahren mit dem Problem eines radikalen Islam konfrontiert ist. Islamistische Gruppierungen und Parteien sorgen immer wieder für eine bedrohliche Vermischung von Politik und Religion. Ein den inneren Frieden des Landes gefährdendes Problem stellen die Antiblasphemiegesetze dar, die für unterschiedliche Vergehen hohe Haftstrafen und für die Beleidung des Propheten Muhammad sogar die Todesstrafe vorsehen.

Ein international bekannt gewordenes Beispiel ist der Fall der katholischen Mutter Asia Bibi, die 2010 wegen eines Streits unter Frauen beim Wasserholen der Blasphemie bezichtigt und zum Tode verurteilt wurde. Nicht nur die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus, sondern auch viele andere Persönlichkeiten und Organisationen haben sich über Jahre für Asia Bibi eingesetzt. Im Jahr 2014 hat missio in einer Kampagne 18.425 Unterschriften für ihre Freilassung gesammelt. Nachdem Asia Bibi am 31.Oktober 2018 vom Obersten Gericht des Landes freigesprochen worden war, formierte sich großer Widerstand unter den Islamisten im Land. Als die Regierung den durch die radikale islamistische Partei Tereek-e-Labbaik organisierten Straßenprotesten nachgab und Asia Bibi zwar freisprach, aber sie an einer Ausreise hinderte sowie eine Revision gegen den Freispruch zuließ, wandte sich missio in einer Briefkampagne an Bundeskanzlerin Angela Merkel und forderte sie dazu auf, dass die Bundesregierung sich bei der akistanischen Regierung für Asia Bibis Ausreiseerlaubnis einsetzen solle. Am 29. Januar 2019 hat der Oberste Gerichtshof Pakistans den Revisionsantrag gegen den Freispruch von Asia Bibi zurückgewiesen und erklärt, dass Asia Bibi Pakistan verlassen könne. Damit hat der Einsatz von missio und vielen anderen Personen und Organisationen für Asia Bibi zu einem guten Ende beigetragen.

missio begleitet und unterstützt seit Jahren die katholische Kirche in Pakistan in ihrem Zeugnis für das Evangelium und in ihrem Bestreben, als kleine Minderheit mit ihren Einrichtungen im Bereich Gesundheit und Erziehung sowie mit sozialen Aktivitäten dem Land zu dienen. Die Angriffe radikaler muslimischer Gruppen gegen Personen und Einrichtungen der katholischen Kirche sowie gegen andere ethnische und religiöse Gruppen haben in den letzten Jahren zugenommen und eine Atmosphäre von Angst und Bedrohung geschaffen.

Mit diesem Bericht möchte missio auf die Gefährdung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit in Pakistan aufmerksam machen und für die Unterstützung unserer Arbeit zum Schutz christlicher und anderer ethnischer und religiöser Minderheiten in Pakistan werben.

 

Bibliographische Angaben
Evers, Georg, Religionsfreiheit: Pakistan, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Länderberichte Religionsfreiheit (Heft 44), Aachen 2019
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 552    

 

Länderbericht Religionsfreiheit (43): Turkmenistan

Turkmenistan ist eines der isoliertesten Länder der Welt. Nur wenige Nachrichten gelangen aus dem zentralasiatischen Staat heraus und noch viel weniger Informationen erhalten die Bewohner des Landes über die Außenwelt. Internationale Medien sind nicht erhältlich, die nationale Medienlandschaft ist in staatlicher Hand und gleichgeschaltet. Satellitenschüsseln sind verboten, das Internet ist umfassend zensiert. Die Regierung hat das Land nahezu hermetisch von der Außenwelt abgeschottet. Einreisevisa werden nur äußerst restriktiv und Ausreisevisa noch seltener vergeben. Zu keinem Nachbarstaat besteht eine Flug-, Bus- oder Eisenbahnverbindung. Sämtliche Freiheits- und Schutzrechte sind auf eine Weise eingeschränkt, wie dies auch historisch gesehen weltweit nur selten erreicht wurde und wird. Harte Repressionen drohen jedem, der es wagt, die Regierung zu kritisieren, und schon der Kontakt zu Ausländern kann als Anfangsverdacht der Spionage ausgelegt werden.

Im Zentrum des umfassend kontrollierten öffentlichen Lebens steht der ausgeprägte Personenkult um die wahlweise als Vater der Nation, Prophet oder Beschützer verehrten Präsidenten des Landes. In diesem Sinne unterliegt die Bevölkerung einer permanenten Mobilisierung zur Umsetzung zahlloser Paraden, Festveranstaltungen und anderer Formen der Huldigung. Neben diesem Kult bleibt sehr wenig Raum für gelebten Glauben jedweder Konfession. Dementsprechend ist auch die staatlich strikt kontrollierte sogenannte „Islamische Wiedergeburt“ dem Gebot der Verehrung der Präsidenten unterworfen und in ein engmaschiges System der Nationalstaatsbildung eingebunden.

Dieser Bericht, der von missio und Renovabis gemeinsam herausgegeben wird, skizziert die Entwicklung der Religionsgemeinschaften in Turkmenistan und bietet einen der seltenen Einblicke in den gegenwärtigen Status von Religion in Turkmenistan, in die Herausforderungen, mit denen Angehörige jedweder Religionsgemeinschaft tagtäglich konfrontiert sind, und in die wenigen verbleibenden Nischen des gelebten Glaubens.

 

Bibliographische Angaben
Meurs, Hendrik, Religionsfreiheit: Turkmenistan, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V./
Renovabis e.V. (Hrsg.)
Länderberichte Religionsfreiheit (Heft 43), Aachen 2019
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 551    

 

Seit mehr als 40 Jahren wird Afghanistan von Kriegen und gewaltsamen Konflikten erschüttert. In der deutschen Öffentlichkeit ist das Bild Afghanistans geprägt vom Einsatz der Bundeswehr und der Diskussion darüber, ob das Land sicher genug ist, um Flüchtlinge dorthin abzuschieben. Darüber hinaus ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt über die Geschichte oder die sozialen Realitäten in Afghanistan.

Bis heute bestimmen das Streben nach Modernisierung einerseits und das Festhalten an Traditionen andererseits die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen des Landes. Afghanistan hat sich 2004 eine neue Verfassung gegeben und bis heute drei Präsidentschaftswahlen abgehalten. Das Land hat sich international geöffnet, eine Verwaltung und Infrastruktur aufgebaut, Schulen und Universitäten eröffnet. Gleichzeitig konnten die Taliban wieder an Einfluss gewinnen und kontrollieren mittlerweile ganze Distrikte.

Die jahrzehntelange Kampf- und Gewalterfahrung wirkt sich nach wie vor auf die Menschen und die Ordnungsstrukturen der Gesellschaft aus. Insbesondere Stammesführer, Mullahs, Amtsträger und auch Bewerber für politische Ämter begeben sich in Lebensgefahr, wenn sie sich gegen die Interessen von einflussreichen politischen Akteuren, gegen organisierte Kriminalität oder den Drogenhandel stellen.

Gewalt und Repressionen wirken sich auch auf die religiösen Minderheiten im Land aus. Die meisten Hindus und Sikhs haben Afghanistan mittlerweile verlassen. Internationale christliche Hilfsorganisationen werden bedroht oder angegriffen, wenn sie im Verdacht stehen zu missionieren. Die schiitische Minderheit wird zunehmend zum Angriffsziel des sogenannten Islamischen Staates, der seit 2015 mit einem regionalen Ableger in Afghanistan aktiv ist.

Der Länderbericht von missio gibt einen Überblick über die Situation der verschiedenen Religionsgemeinschaften und stellt die vielfältigen Herausforderungen und Bedrohungen dar, denen sie in Afghanistan ausgesetzt sind. (2019)

Bibliographische Angaben
Birtsch, Nicole, Michael, Religionsfreiheit: Afghanistan, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Länderberichte Religionsfreiheit (Heft 42), Aachen 2019
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 550    

Eritrea erlangte im Jahr 1993 nach einem dreißigjährigen Befreiungskampf die Unabhängigkeit von Äthiopien und galt zunächst als Hoffnungsträger in Afrika. Allerdings kam es schon fünf Jahre später erneut zu einem verheerenden Krieg mit Äthiopien und seit dieser Zeit hat sich Eritrea zu einem der repressivsten Staaten des Kontinents verwandelt. Im Jahr 2001 ging der eritreische Präsident Isaias Afewerki hart gegen eine Reformbewegung vor, die sich innerhalb der Regierungspartei gebildet und die zu demokratischen Reformen und zur Implementierung der Verfassung aufgerufen hatte. Seit jener Zeit ist Eritrea ein Überwachungsstaat, in dem es keine freie Presse, keine Versammlungs-, Reise- und Meinungsfreiheit gibt und in der die Bevölkerung gezwungen wird, für unbestimmte Zeit „Nationaldienst“ zu leisten.

Auch die Religionsfreiheit im Lande ist stark eingeschränkt. Die Regierung erkennt das orthodoxe, katholische und lutherische Christentum sowie den sunnitischen Islam an. Den Anhängern dieser Glaubensrichtungen ist zwar die Religionsausübung erlaubt, die religiösen Führer werden jedoch vom Staat überwacht und für etwaige Kritik an der Regierung sanktioniert. So befindet sich etwa der orthodoxe Patriarch Abune Antonios seit über einem Jahrzehnt unter Hausarrest. Verboten sind evangelikale und Pfingstgemeinden, deren Mitglieder einer rigorosen Verfolgung unterliegen und unter schlimmsten Haftbedingungen gefangen gehalten werden. Ähnliches gilt für die Zeugen Jehovas sowie Muslime, die dem traditionellen Sufismus kritisch gegenüberstehen.

Im Jahr 2014 wandten sich die vier katholischen Bischöfe Eritreas in einem mutigen Hirtenbrief an die Gläubigen, aber auch an die allgemeine Öffentlichkeit, und beklagten die Zerstörung des traditionellen sozialen Zusammenhalts durch den zeitlich unbegrenzten Nationaldienst. Die Regierung hat sich jedoch in den vergangenen Jahren nicht reformwillig gezeigt, und jedes Jahr fliehen zehntausende Eritreerinnen und Eritreer aus dem Lande. Nur eine Minderheit dieser Flüchtlinge erreicht Europa, die meisten bleiben in den Nachbarländern Sudan und Äthiopien oder finden Arbeit in den arabischen Golfstaaten.

Leider hat der Friedensschluss mit Äthiopien im Jahr 2018 bislang nicht zu demokratischen Reformen in Eritrea geführt und die Beschränkung aller bürgerlicher Freiheiten einschließlich der Religionsfreiheit bleibt weiter bestehen.

Der Länderbericht von missio setzt sich kritisch mit den historischen Entwicklungen und den Einschränkungen der Religionsfreiheit in Eritrea insbesondere seit dem Jahr 2002 auseinander. (2019)

Bibliographische Angaben
Hirt, Nicole, Religionsfreiheit: Eritrea, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Länderberichte Religionsfreiheit (Heft 41), Aachen 2019
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 549    

Im Dezember 2014 hatte der damalige US-Präsident Barack Obama die amerikanische Kuba-Politik neu ausgerichtet und nach mehr als 50 Jahren Eiszeit zwischen Amerika und Kuba eine Wiederannäherung angekündigt. Seit Donald Trump Präsident ist, verschlechtern sich die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern, Reisevorschriften wurden verschärft, die wirtschaftliche Zusammenarbeit eingeschränkt. Der US-Präsident begründete die Veränderungen unter anderem damit, dass die unter seinem Vorgänger Barack Obama begonnene Lockerung nicht zu mehr politischen Freiheiten auf Kuba geführt hätten.

Tatsächlich ist die Menschenrechtslage im Land angespannt. Kritiker des Regimes werden nach wie vor massiv unter Druck gesetzt. Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit hängen dabei eng zusammen. Die katholische Kirche besitzt durchaus Freiraum für politische, kulturelle und gesellschaftliche Meinungsäußerung und soziales Engagement. Wird jedoch das bestehende System hinterfragt, sind diesen Freiheiten enge Grenzen gesetzt.

Der vorliegende Länderbericht zeigt die geschichtliche Entwicklung und die aktuelle Lage der Religionsfreiheit in Kuba auf und nimmt insbesondere bestehende Spielräume und Einschränkungen für die katholische Kirche kritisch in den Blick.

missio und Adveniat werden aufmerksam die Veränderungen beobachten, die mit der Neuformulierung der Verfassung durch das Parlament im Juli 2018 verbunden sind. Zu den Änderungsvorschlägen gehört unter anderem die Anerkennung privaten Eigentums und privater Kleinunternehmer. Das Ziel einer kommunistischen Gesellschaft ist im neuen Entwurf nicht mehr enthalten, wohl aber der Aufbau des Sozialismus. Welche Zukunftsentwürfe sich dadurch eröffnen, bleibt abzuwarten. (2018)

Bibliographische Angaben
Hagenmaier, Martin/Huhn, Michael, Religionsfreiheit: Kuba, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Länderberichte Religionsfreiheit (Heft 40), Aachen 2018
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 548    

Äthiopien ist ein Land der Gegensätze. Einerseits ist seit Jahren ein rasanter wirtschaftlicher Aufschwung zu beobachten. Ein riesiges Staudammprojekt am Oberlauf des Nils sorgt international für Aufsehen. Andererseits kommt der wirtschaftliche Fortschritt nur Teilen der Bevölkerung zugute, Millionen Äthiopier leiden unter Armut und Arbeitslosigkeit. Vielerorts eskalieren politische und soziale Konflikte; bestehende Spannungen haben oft auch eine ethnisch-religiöse Dimension.

Auch wenn Christentum und Islam seit dem 7. Jahrhundert Seite an Seite existieren, galt das eng mit dem äthiopischen Kaisertum verbundene orthodoxe Christentum lange Zeit als Staatsreligion. Im Jahr 1974 stürzte ein sozialistisches Militärregime Kaiser Haile Selassie und erklärte erstmals alle Religionen für gleichberechtigt, schränkte jedoch den Aktionsradius der Religionsgemeinschaften stark ein. Die seit 1991 im Amt befindliche EPRDF-Regierungskoalition verankerte in der Verfassung von 1995 das Recht auf Glaubens- und Religionsfreiheit und schrieb die Trennung von Staat und Religion fest.

Während sich in der Folge christliche Gemeinden – darunter auch eine im Wachsen befindliche evangelikale Bewegung – trotz engmaschiger Überwachung durch den Staat weitgehend frei entfalten konnten, griff die Regierung 2011 erheblich in die religiösen Angelegenheiten der Muslime ein. Mit der Begründung, Radikalisierungstendenzen entgegenwirken zu wollen, versuchte die Regierung, den äthiopischen Muslimen die im Libanon beheimatete Al-Ahbash-Doktrin aufzuzwingen. Dies führte zu Protesten und Demonstrationen, deren Koordinatoren nach einer umstrittenen Anti-Terror-Proklamation der Regierung von 2009 zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.

Seit seinem Amtsantritt im April 2018 gilt der neue Premierminister Abiy Ahmed als Hoffnungsträger. Er führte bereits zahlreiche Reformen durch, entließ tausende politische Gefangene aus der Haft und traf im Juli 2018 mit dem eritreischen Präsidenten Isayas Afewerki zusammen, um den seit 1998 andauernden Kriegszustand zu beenden.

Der Bericht schildert das Verhältnis der Religionsgemeinschaften in Äthiopien aus historischer Perspektive und setzt sich kritisch mit den Entwicklungen unter der seit nunmehr einem Vierteljahrhundert regierenden EPRDF auseinander.

Bibliographische Angaben
Hirt, Nicole, Religionsfreiheit: Äthiopien, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Länderberichte Religionsfreiheit (Heft 39), Aachen 2018
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 547    

Die koreanische Halbinsel mit ihren Bewohnern, die eine gemeinsame Geschichte, Sprache und Kultur verbindet, ist infolge des Kalten Krieges in zwei Staaten geteilt: in die Republik Korea (Südkorea) und die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea). Südkorea ist von einer liberalen Demokratie und vom Kapitalismus geprägt, während in Nordkorea das System der sozialistischen Planwirtschaft herrscht. Im Nordteil Koreas hatte nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – mit Unterstützung durch die Sowjetunion – Kim Il-sung die Macht ergriffen und ein System der Alleinherrschaft auf Basis einer monolithischen Ideologie etabliert, das bis heute über drei Erbgenerationen hinweg Bestand hat.

Der Führer gilt in diesem System als unfehlbar und hat absolutistische Macht. Religiöse Aktivitäten werden in Nordkorea nur dann geduldet, wen sie die unfehlbare Autorität des nordkoreanischen Führers nicht in Frage stellen und darüber hinaus für den Staat von Nutzen sind.

Obwohl die Verfassung des Landes Glaubensfreiheit garantiert, wird diese nur insofern gewährt, als sie ein Mittel zur Durchsetzung der politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Ziele des nordkoreanischen Staates ist. In Pjöngjang finden religiöse Aktivitäten für Ausländer statt; in anderen Landesteilen hingegen werden Menschen wegen des Besitzes der Bibel oder des Kontakts mit einem Missionar sozial isoliert, in Lager für politische Gefangene gebracht oder gar hingerichtet.

Trotz dieser harten Gangart gibt es Anzeichen dafür, dass die Zahl der Untergrundkirchen in Nordkorea steigt. Auslöser dieser Entwicklung war die Öffnung der Grenze zu China in Reaktion auf die Hungersnot Mitte der 1990er Jahre. Seit seiner Machtübernahme im Jahr 2012 verschärft Kim Jong-un die religiöse Verfolgung jedoch wieder, indem er die Grenzen stärker kontrollieren und Gläubige einsperren lässt.

Mit demLänderbericht bietet missio – trotz der begrenzten Einblicke in das abgeriegelte Land – aktuelle Erkenntnisse im Hinblick auf die äußerst bedrohliche Situation der Gläubigen in Nordkorea. (2017)

Bibliographische Angaben
Jaiho Chung, Religionsfreiheit: Nordkorea, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Länderberichte Religionsfreiheit Heft 38 (Aachen 2017)
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 546    

Nach Erlangung der Unabhängigkeit Kirgisistans im August 1991 machten sich viele muslimische Gläubige auf den Weg, die Verbindungen zur Ummah, der islamischen Gemeinschaft, neu zu knüpfen. Beinhaltete das Sowjeterbe eine zentral geleitete Aufsicht über die muslimischen Gemeinden, hielten nun neue Ideen und Glaubenspraktiken langsam Einzug in die religiöse Landschaft der Republik. Den alten Imamen aus der Sowjetzeit traten zunehmend im Ausland ausgebildete junge Theologen zur Seite.

Im Gegensatz zu anderen muslimisch geprägten Staaten der Region, in denen neue religiöse Ideen und Inhalte häufig mit Extremismus und gesellschaftlicher Destabilisierung gleichgesetzt wurden, nahm man diesen Prozess in Kirgisistan lange Zeit nicht als Bedrohung wahr. Allerdings gibt es auch in Kirgisistan vermehrt Anzeichen für einen religiös aufgeladenen „Diskurs der Angst“ und für Versuche, die staatliche Kontrolle über die religiösen Angelegenheiten der Bürger auszuweiten.

Das zunehmend autoritär geführte Regime macht auch vor der Einschüchterung der freien Presse nicht halt. Der radikale Islam ist für die Vertreter der Regierung ein willkommenes Schreckgespenst, und dies umso mehr, je häufiger der Krieg in Syrien Nachrichten von aus Zentralasien stammenden Kämpfern – auch aus Kirgisistan – in den Reihen des „IS“ produziert. Vor dem Hintergrund einer stagnierenden Wirtschaft und endemischer Korruption unter den politischen Eliten droht der autoritäre Zug des Regimes am Ende das zu befördern, was er nach eigenen Angaben zu verhindern sucht: die Radikalisierung einer über weite Strecken enttäuschten und perspektivlosen Jugend im Land.

Auf der Grundlage dieser Dynamik setzt sich der Bericht, der von missio und Renovabis gemeinsam herausgegeben wird, mit dem Verhältnis zwischen Politik und Religion in Kirgisistan auseinander. Im Zentrum steht dabei der Konflikt zwischen dem an größtmöglicher Kontrolle interessierten Staat und den Glaubensgemeinschaften mit ihrer Forderung nach religiöser Freiheit. (2017)

Bibliographische Angaben
Alexander Wolters, Religionsfreiheit: Kirgisistan, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Länderberichte Religionsfreiheit Heft 37 (Aachen 2017)
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 545    

In diesem Jahr (2017; Anm. d. Red.) feiert Indien den 70. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. In diesen sieben Jahrzehnten hat die Indische Union demokratische Strukturen aufgebaut, die bis heute funktionieren. Trotz mancher Krisen und Kriege mit dem Nachbarstaat Pakistan kann Indien sich zu Recht rühmen, die größte Demokratie der Welt zu sein. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass der Vielvölkerstaat Indien, in dem neben der Mehrheitsreligion des Hinduismus eine Vielzahl anderer Religionen präsent ist, am Prinzip des säkularen Staates festgehalten hat, der in seiner Verfassung allen seinen Bürgern Religionsfreiheit gewährt.

Getrübt wird dieses positive Bild der indischen Gesellschaft seit einigen Jahren durch die Bestrebungen radikaler hinduistischer Gruppierungen, die Indien zu einem ausschließlich hinduistischen Staat transformieren wollen. Nach diesen Vorstellungen, Hindutva-Ideologie genannt, soll in Indien nur derjenige ein vollwertiger Bürger sein können, der sich zum Hinduismus bekennt. Islam und Christentum werden als ausländische Religionen betrachtet, ihren Anhängern wird vorgeworfen, die Inder durch oft zweifelhafte Bekehrungen von ihrer ursprünglichen Religion, dem Hinduismus, entfremdet zu haben.

Seit dem Machtantritt der von Narendra Modi geführten Regierung der Bharatiya Janata Party (BJP) vor drei Jahren haben die radikalen hinduistischen Gruppierungen stark an Einfluss gewonnen. Die Zahl der Gewalttaten gegen Angehörige anderer Religionen, und hier vor allem der christlichen Minderheit, haben deutlich zugenommen. Die Regierung Modi lässt diese gewaltbereiten Gruppen agieren und vernachlässigt ihre verfassungsgemäße Pflicht, die ethnischen und religiösen Minderheiten zu schützen.

Seit Jahrzehnten versteht sich missio als Anwalt der Christen in Indien. Dabei unterstützt missio die Bemühungen der indischen Kirche, sich als eine seit Jahrhunderten in Indien beheimatete Religionsgemeinschaft zu zeigen. Mit der Publikation dieses Berichts möchte missio auf die Lage der Religionsfreiheit in Indien aufmerksam machen und für die Unterstützung unserer Arbeit zum Schutz christlicher und anderer Minderheiten im Land werben. (2017)

Bibliographische Angaben
Georg Evers, Religionsfreiheit: Indien, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Länderberichte Religionsfreiheit Heft 36 (Aachen 2017)
2., aktualisierte Auflage
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 544    

In Oman, einem Sultanat auf der Arabischen Halbinsel, ist in den letzten Jahren ein starkes Bevölkerungswachstum zu beobachten, das unter anderem auf den Zuzug ausländischer Arbeitnehmer – besonders aus Indien, Bangladesch und Pakistan – zurückzuführen ist. Mittlerweile machen Ausländer rund 45 Prozent der Bevölkerung aus. So sind auch zahlreiche religiöse Minderheiten im Land anzutreffen, darunter etwa 6,5 Prozent Christen.

Auch wenn eine friedliche Koexistenz der Religionen gefördert wird, kann in Oman nicht von vollkommener religiöser Freiheit gesprochen werden, zumal das Rechtssystem des Sultanats auf der Scharia basiert. Ein wichtiger Faktor für die ausgleichende Rolle, die Oman in den konfessionalisierten Konflikten der Region spielt, ist die Tatsache, dass die Mehrheit der Muslime Ibaditen sind und somit weder den Sunniten noch den Schiiten zugerechnet werden.

Der derzeitige Frieden im Land könnte künftig aber durchaus ins Wanken geraten. Oman wird seit 1749 als Erbsultanat regiert. Sultan Qabus ibn Said kam 1970 an die Macht und leitete eine Periode des Fortschritts und des Friedens ein. Eine gewisse Unsicherheit wurde zuletzt deutlich, als sich der mittlerweile 76-jährige Sultan im Jahr 2014 in Deutschland medizinisch behandeln ließ. Die Frage nach der möglichen Nachfolge rückte in den Fokus, zumal weder Brüder noch Nachkommen vorhanden sind. Durch die Ablösung des Sultans könnten wirtschaftliche, politische und soziale Konflikte an die Oberfläche gelangen. Die hohe Arbeitslosigkeit der einheimischen Jugend sorgt bereits für Unzufriedenheit – es werden Reformen, eine Schwächung der zentralisierten Macht und ein Vorgehen gegen Korruption gefordert.

Der Länderbericht Religionsfreiheit - Oman informiert über die aktuelle Situation im Sultanat Oman mit Blick auf die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften und ihre religiöse Freiheit. missio wird die Entwicklungen in Oman – besonders mit Blick auf einen möglichen Wechsel an der Spitze des Landes – weiterhin aufmerksam beobachten. (2017)

Bibliographische Angaben
Justin Meyers, Religionsfreiheit: Oman, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 35, Aachen 2016
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 543    

Burkina Faso stand im Oktober 2017 im Mittelpunkt des Monats der Weltmission, den missio mit einer bundesweiten Kampagne begleitete. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Lage der Menschenrechte und der Religionsfreiheit in dem Land im Herzen von Westafrika, in dem Muslime, Christen und Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen zusammenleben.

Burkina Faso gilt als Vorzeigeland des friedlichen Zusammenlebens der Religionsgemeinschaften. Ein entscheidender Faktor dafür ist, dass das Kriterium der Religionszugehörigkeit keine vordergründige Rolle spielt. In fast jeder größeren Familie leben Angehörige verschiedener Religionen und Konfessionen zusammen. Zudem sind sich die höchsten Repräsentanten der Religionsgemeinschaften ihrer Verantwortung bewusst, für den Erhalt des sozialen Friedens zu wirken. Sie bekunden ihre Kontakte öffentlich durch Besuche und die gegenseitige Teilnahme an religiösen Feierlichkeiten.

Ganz verschont bleibt Burkina Faso von den religiösen Konflikten der Region dennoch nicht. Das Land liegt in Westafrika, eingezwängt zwischen der stark islamisierten Sahelzone im Norden und dem evangelikal geprägten Golf von Guinea im Süden. Vor dem Hintergrund des globalen Problems der Radikalisierung religiöser Identität hat der burkinische Staat eine Beobachtungsstelle eingerichtet, das Observatoire National des Faits Religieux (ONAFAR). Es hat die Aufgabe, religiöse Aktivitäten und deren Rechtmäßigkeit zu überwachen und den Geist der Toleranz durch interreligiösen Dialog zu pflegen.

Der Länderbericht Religionsfreiheit - Burkina Faso soll dabei helfen, die religiöse Konstellation des burkinischen Volkes und die internen Dynamiken seines religiösen Lebens zu verstehen. Dabei wird sowohl analysiert, welche Faktoren dazu beitragen, dass der soziale Frieden gewahrt bleibt, als auch ein kritischer Blick auf religiöse Spannungen im Land geworfen, die die Religionsfreiheit als Grundrecht des Einzelnen gefährden. missio wird das friedliche Miteinander der verschiedenen Religionen und Kulturen in Burkina Faso weiterhin mit seiner Projekt- und Kampagnenarbeit unterstützen und dabei besonders aufmerksam die Entwicklung der Religionsfreiheit beobachten. (2017)

Bibliographische Angaben
Paul Béré, S.J., Religionsfreiheit: Burkina Faso, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 34, Aachen 2017
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 542    

Der Nahe und Mittlere Osten erlebt die größte politische, humanitäre und soziale Katstrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. Im Bürgerkrieg sind bisher über 400.000 Menschen gestorben. Hinzu kommen 1,9 Millionen Verwundete, Zehntausende sitzen in den Gefängnissen des Regimes. Millionen Menschen sind auf der Flucht. In Syrien liegen Wohnviertel und Fabriken, Krankenhäuser und Schulen, Straßen und Brücken sowie weite Teile des kulturellen Erbes in Trümmern. Armut, Hunger und Verzweiflung herrschen im gesamten Land, welches auf absehbare Zeit wohl nicht wieder zu einer gemeinsamen Nation zusammenfinden wird.

Neben den systematischen Gräueltaten des Regimes zerstört auch das Vordringen der Jihadisten das Zusammenleben in der Jahrtausende alten Kulturregion. Das traditionelle Nebeneinander von Gottesglauben und Kulturen, von Gelehrsamkeit und Dialog, von Bräuchen und Festen steht auf dem Spiel. Fanatismus, Intoleranz und Gewalt im Namen Gottes breiten sich aus – in bisher nie dagewesener Weise brutalisiert durch die Jihadisten der IS-Terrorarmee.

Religion und Kultur verweben die Menschen – mit ihrer Herkunft, mit ihrer Zukunft und zu einer verbindenden Identität. Kultur und Religion weisen den Einzelnen über den Rand seiner individuellen Existenz hinaus. Entsprechend ist das Wüten der islamischen Fanatiker weit mehr als die Zerstörung historisch einmaliger Zeugnisse. Ihre Verbrechen tilgen die Pluralität und das kulturelle Gedächtnis einer ganzen Region. Sie rauben den religiösen und ethnischen Minderheiten ihre Identität, lähmen ihren Willen zum Weiterleben und versuchen ihr seelisches Vertrauen in die Zukunft zu brechen.

Den Christen, die Jahrhunderte lang selbstverständlicher Teil dieser multikulturellen Welt waren, steht eine düstere Zukunft bevor. Der Bericht informiert über die Situation in Syrien und über die Religionsfreiheit, die gerade für religiöse Minderheiten lebenswichtig ist. (2016)

Bibliographische Angaben
Dr. Martin Gehlen, Religionsfreiheit: Syrien, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 33, Aachen 2016
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 541    

Im November 1960 erlangte Mauretanien seine Unabhängigkeit und wurde zur „Islamischen Republik Mauretanien“. Die Bezeichnung „islamisch“ wurde vor allem deshalb in den Staatsnamen aufgenommen, um einen Tatbestand zu beschreiben: Der Islam war seit Jahrhunderten die Religion der Bewohner; das Land beherbergte wichtige Zentren, Schulen und Bibliotheken der islamischen Zivilisation. Von der Oase Chinguetti aus brachen über Jahrhunderte die Pilger nach Mekka auf. Die islamische Kultur war zudem das verbindende Element der Bevölkerung mit ihren unterschiedlichen Sprachen und ihrer heterogenen ethnischen und sozialen Herkunft.

In den ersten 15 Jahren der Unabhängigkeit hat sich die Republik Mauretanien vergleichsweise einheitlich und friedlich entwickelt. Doch als das Mehrparteiensystem 1965 zu einem Einparteiensystem umfunktioniert wurde, um die nationale Einheit zu fördern, entwickelte sich das Land zu einem autoritären Staat.

2005 endete schließlich mit einem Putsch die mehr als 20-jährige repressive Herrschaft und es begann eine Ära der Demokratie – mit all ihren anfänglichen Schwierigkeiten und Schwächen.

Der Islam ist die einzige zugelassene Religion in Mauretanien. Religionsfreiheit besteht nur in sehr begrenztem Maße. So kann die christliche Minderheit sich nicht als Kirche rechtlich organisieren, sondern muss stattdessen den Umweg als „nicht-staatliche Organisation“ gehen, um agieren zu können.

Der Länderbericht beschäftigt sich mit der aktuellen Situation der Religionsfreiheit in Mauretanien. Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht – ein demokratisches Gemeinwesen muss dieses Recht respektieren, um ein gerechtes und friedliches Miteinander zu gewährleisten. Daher ist es wichtig, die Situation in Mauretanien sehr genau zu beobachten und Missstände aufzudecken. Dieser Bericht soll dazu einen Beitrag leisten, indem er die gegenwärtigen Entwicklungen im Land unter die Lupe nimmt. (2016)

Bibliographische Angaben
P. Hans Vöcking Afr.M., Religionsfreiheit: Mauretanien, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 32, Aachen 2016
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 540    

Spätestens seit dem Angriff islamistischer Terroristen auf das Radisson Blu Hotel in Bamako am 20. November 2015 ist Mali wieder in den Fokus der deutschen und internationalen Öffentlichkeit gerückt.

Bis 2012 war die Republik Mali Vorzeigeland für Frieden, Toleranz und Religionsfreiheit. In der Verfassung des Landes ist die Trennung von Religion und Staat festgeschrieben. In der Vergangenheit konnten sich Gläubige unterschiedlicher Religionen öffentlich zu ihrem Glauben bekennen und ihre religiösen Feste feiern. Es gab Konversionen vom Islam zum Christentum und umgekehrt.

Nach dem Sturz Gaddafis und dem politischen Verfall Libyens kamen Waffen und Söldner aus dem benachbarten Land nach Mali. Dies trug unter anderem dazu bei, dass die Tuareg im Norden eine separatistische, islamistische Bewegung bilden konnten. In der Hauptstadt setzte die Rebellengruppe in der Folge der Ereignisse den Präsidenten mit der Begründung ab, er könne die Sicherheit im Lande nicht mehr gewährleisten. Mali wurde zum Schauplatz eines bewaffneten Konflikts, welcher bis heute andauert. Die militanten Rebellen führten die ‚Scharia‘ ein und zerstörten historische Denkmäler der malischen islamischen Tradition. Katholische und evangelische Kirchen wurden von ihnen zerstört oder entweiht. Muslime, die ihrem Islamverständnis nicht folgten, sowie Anhänger anderer Religionen wurden im Norden von Mali zur Zielscheibe religiöser Gewalt.

Das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Religionen in Mali ist gefährdet. Der Bericht analysiert die aktuelle Situation der Religionsfreiheit. Er beschäftigt sich mit der Achtung bzw. Nichtachtung dieses Menschenrechts, das in der Republik Mali durch den Vormarsch der Islamisierung und die Marginalisierung religiöser Minderheiten bedroht ist. (2016)

Bibliographische Angaben
P. Hans Vöcking Afr.M., Religionsfreiheit: Mali, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 31, Aachen 2016
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 539    

Der Staat Saudi-Arabien ist aufgrund seiner enormen Erdölreserven eines der reichsten Länder der Welt. Im Vergleich zu den anderen wohlhabenden Golfstaaten, hebt sich Saudi-Arabien durch zwei Besonderheiten hervor.

  • Zum einen befinden sich auf dem saudischen Staatsgebiet die beiden heiligsten Stätten des Islam, Mekka und Medina. Hier ist der Ursprung des Islam, und jedes Jahr pilgern Millionen von Muslime auf ihrer Wallfahrt, der Haddsch, in die beiden Städte. Als Beherrscher wie Beschützer von Mekka und Medina sehen sich die saudischen Könige als legitime Nachfolger des Kalifats, das 1924 unter Kemal Atatürk abgeschafft wurde.
  • Zum anderen ist der Wahhabismus, eine puritanische Ausprägung des sunnitischen Islam, in Saudi-Arabien Staatsreligion. Die Wahhabiten beanspruchen für sich die authentische und einzig legitime Auslegung des Islam. Jede andere Form einer islamischen Glaubensauffassung, wird als unislamisch angesehen und kann mit dem Tode bestraft werden.

Nicht nur das Recht auf Religionsfreiheit wird in Saudi-Arabien ignoriert, auch andere Grundrechte werden missachtet, die eigentlich selbstverständlich sein sollten: die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Recht auf Versammlungsfreiheit oder auch das Recht auf freie Meinungsäußerung. Einerseits gilt Saudi-Arabien als stabilisierender Faktor in der Region und als wichtiger Bündnispartner des Westens. Andererseits verstößt das Königreich auf eklatante Weise gegen die Menschenrechte und missachtet unter anderem das Recht auf Glaubensfreiheit.

Es ist wichtig, die Situation in Saudi-Arabien zu beobachten und die Missstände im Land deutlich zu benennen. Gerade die Glaubensfreiheit ist ein fundamentales Recht und Voraussetzung für das friedliche Zusammenleben der Religionen. (2016)

Bibliographische Angaben
Der Autor des vorliegenden Länderberichtes lebt und arbeitet in Saudi-Arabien. Zu seinem Schutz wurde der Bericht anonymisiert.
Religionsfreiheit: Saudi-Arabien, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 30, Aachen 2016
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 538    

Der Jemen gehört zu den faszinierendsten Nationen der arabischen Welt. Seine Kultur ist Jahrtausende alt und seine Landschaften sind atemberaubend. Trotzdem ist das Land heute das Armenhaus der nahöstlichen Region.

Jetzt droht dem Jemen und seinen Menschen ein ähnliches Schicksal wie zuvor bereits Irak, Syrien und Libyen. Im Jemen herrscht Krieg, der immer mehr Tote und Verletzte fordert, ganze Städte zerstört und die fragile Infrastruktur des Landes vollends ruinieren könnte. Das Königreich Saudi-Arabien führt diesen Feldzug gegen seinen südlichen Nachbarn zusammen mit einer Koalition aus mehreren Golfstaaten und Ägypten. Mit zu dieser tragischen Eskalation beigetragen haben auch religiöse Spannungen, obwohl Jemens muslimische Mehrheit jahrhundertelang einen toleranten und friedfertigen Islam praktizierte und mit ihren jüdischen und christlichen Mitbürgern einträchtig zusammenlebte.

Vor ca. 25 Jahren traten im Jemen erstmals salafistische Prediger auf, die vom reichen Nachbarn Saudi-Arabien großzügig finanziert wurden. Sie brachten Unruhe und Fanatismus ins Land. Die ansässigen Muslime, vor allem schiitische Zaidis im Norden, fühlten sich in ihrer Identität bedroht. Bald mischten sich in die neuen inner-islamischen Probleme soziale und politische Spannungen, die sich zwischen 2004 und 2010 in sechs bewaffneten Auseinandersetzungen entluden und nun zu den Kernursachen für den gegenwärtigen Krieg gehören.

Der Bericht informiert über die Religionsfreiheit im Jemen und gewährt Einblick in seine Geschichte und Gesellschaft. Er beschreibt die religiöse Situation sowie die aktuellen Ereignisse. Die gegenwärtigen Entwicklungen im Land dürfen in der deutschen Öffentlichkeit nicht unbeachtet bleiben. Gerade jetzt braucht der Jemen unsere Aufmerksamkeit, um seine aufgeschlossene und friedfertige Kultur zu bewahren. (2016)

Bibliographische Angaben
Dr. Martin Gehlen, Religionsfreiheit: Jemen, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 29, Aachen 2016
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 537    

Tansania stand im Oktober 2015 im Mittelpunkt des Monats der Weltmission, den missio mit bundesweiten Kampagnen begleitete. Besondere Aufmerksamkeit galt daher der Lage der Menschenrechte und dem Stand der Religionsfreiheit in dem Land, das mehr als 120 verschiedene Ethnien und die beiden großen Religionen Islam und Christentum unter einem nationalen Dach vereint.

Das Jahr 2015 war weichenstellend für die weitere Zukunft Tansanias. Für Ende Oktober waren Parlaments- und Präsidentschaftswahlen vorgesehen, die ihren Schatten seit Monaten vorauswarfen. Der auf halber Strecke stecken gebliebene Verfassungsreformprozess, der im April dieses Jahres mit einem landesweiten Referendum hätte beschlossen werden sollen, wurde von der Regierung auf unbestimmte Zeit verschoben. Die politische Atmosphäre hat sich sukzessive zugespitzt und immer häufiger wurden mit Blick auf die Wählerstimmen auch religiöse Themen politisch vereinnahmt.

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1961 gilt Tansania als ein Stabilitätsanker in der von vielen verschiedenen Konflikten geprägten ostafrikanischen Region. Die friedliche Koexistenz der beiden großen Religionen und unterschiedlichen Kulturen wurde oft als Musterbeispiel für Pluralismus und religiöse Toleranz gerühmt. Doch seit wenigen Jahren mehren sich deutliche Anzeichen für tiefer liegende religiöse Spannungen in Form von gewalttätigen Übergriffen auf religiöse Führer beider Religionsgruppen sowie auf Kirchengebäude. Vor allem im Jahr 2012 kam es in Sansibar vermehrt zu öffentlichen Protestversammlungen gegenüber dem Staat im Zusammenhang mit der Frage der Union. Auch auf dem Festland berichteten Medien zunehmend von einer religiösen Radikalisierung im Zusammenhang mit Protesten gegen die verbreitete Korruption, Armut und Perspektivlosigkeit. Die tansanische Gesellschaft befindet sich zurzeit in einem politischen Spannungsfeld, dessen jederzeit mögliche Entladung große Risiken für den vielgerühmten religiösen Pluralismus, die friedliche Koexistenz der Religionen und schließlich für die nationale Einheit des Landes birgt.

Die Studie befasst sich daher mit dem Verhältnis von Religion und Politik, fragt nach den Hintergründen der Vereinnahmung von Religion durch Politik sowie von politischen Themen durch Religionsvertreter und betrachtet von hier ausgehend den Stand von Säkularismus und Religionsfreiheit in Tansania. missio wird das friedliche Miteinander der verschiedenen Religionen und Kulturen in Tansania mit seiner internationalen Projekt- und Kampagnenarbeit weiterhin fördern und unterstützen. (2015)

Bibliographische Angaben
Danja Bergmann, Religionsfreiheit: Tansania, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 28, Aachen 2015
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 536    

Der Libanon bildet in religiöser Hinsicht eine Ausnahme im ganzen Nahen Osten. Er ist der einzige arabische Staat, in dem der Präsident kein Muslim ist. Christen und Muslime teilen sich die Macht so, wie es zur Zeit der Gründung des Libanon abgesprochen und in den Folgejahren nicht wesentlich verändert wurde. Dabei erhielten die Religions- und Bekenntnisgemeinschaften eine staatstragende Rolle. Es ist ein archaisches System, das Konfessionalismus genannt wird, aber dennoch ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Christen und Muslimen in diesem arabischen Staat ermöglicht.

Im Libanon herrscht Religionsfreiheit. Doch diese wird nicht vom Individuum her gedacht, sondern von der Religionsgemeinschaft. Das führt zur Privilegierung anerkannter Religionsgemeinschaften, aber nicht zur Einschränkung des individuellen Rechtes, sich irgendeiner oder keiner Religion anzuschließen, genauso wenig wie zu der Einschränkung des Rechts, seine Religion auszuüben. Wohl aber kommt es für westliche Vorstellungen zu eigenartigen Konstruktionen, wenn sich nicht anerkannte Religionen anerkannten Religionen anschließen müssen, um alle politischen Rechte zu erlangen.

Bei der Regelung des Verhältnisses von Staat und Religionsgemeinschaften im Libanon wurde, wie in den anderen arabischen Staaten auch, das Personenstandsrecht in die Hände der Religionsgemeinschaften gelegt. Ein ziviles Personenstandsrecht ist nicht vorgesehen. Soweit das konfessionelle und religiöse Personenstandsrecht Diskriminierungen einzelner Mitglieder der Religionsgemeinschaft vorsieht, werden diese auch vom Staat geduldet und anerkannt. Hier hat der Staat kein Eingriffsrecht, um Diskriminierungen zu unterbinden.

Da der Staat den Religionsgemeinschaften eine große Freiheit gibt, können sie sich auch gesellschaftlich stark engagieren. So nehmen die Konfessions- und Religionsgemeinschaften viele soziale Aufgaben des Staates wahr. Das führt aber auch dazu, dass die Religionsgemeinschaften ihre Mitglieder über die sozialen Einrichtungen an sich binden. Sowohl das politische System, der Konfessionalismus, wie auch das Sozialsystem der Konfessionen und gesellschaftliche Wertvorstellungen lassen es kaum zu, dass ein Mitglied die Konfessionsgemeinschaft verlässt – unabhängig von den konkreten Glaubensüberzeugungen.

Schon bei der Gründung des Libanon haben seine Väter Konfessionalismus als ein archaisches System angesehen, das überwunden werden muss. Doch bisher wurden nur kleine Schritte auf dem Weg zu seiner Überwindung gemacht. Sicherlich hat aber auch dieses System viel dazu beigetragen, dass religiöse Auseinandersetzungen im Libanon selten waren und die Religionsfreiheit immer gegeben war. Der Bürgerkrieg und andere Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Gruppen im Libanon waren meist politisch motiviert, Religion und Konfession wurden hier gelegentlich missbraucht. Mit dem Bürgerkrieg in Syrien allerdings treten im Libanon auch Tendenzen zu religiösen Auseinandersetzungen auf. Die Mehrheit der Libanesen wehrt sich dagegen. Ob es ihr gelingt, den Religionsfrieden zu wahren, muss die Zukunft zeigen.

missio engagiert sich für das friedliche Zusammenleben der Konfessionen und Religionsgemeinschaften, indem es den interreligiösen Dialog fördert oder im Rahmen von diakonisch ausgerichteten Programmen syrische und irakische Flüchtlinge unterstützt. (2015)

Bibliographische Angaben
Harald Suermann, Religionsfreiheit: Libanon, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 27, Aachen 2015
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 535    

Der Länderbericht gibt Ihnen Informationen zur Lage der Religionsfreit in Katar, einem kleinen aber wirtschaftlich mächtigen Land am Persischen Golf.

Das arabische Emirat ist eines der reichsten Länder der Welt, das eine ständig wachsende und einflussreiche Rolle in der Nahost-Politik spielt, denn Katar ist der weltweit größte Exporteur von Erdgas.

Katar ist eine absolute Monarchie und der Islam ist Staatsreligion. Die Verfassung Katars gewährt zwar Religions-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit. Diese Rechte werden in der Praxis jedoch durch verschiedene Gesetze, gerade auch mit Blick auf öffentliche Religionsausübung oder das Verbot der Missionierung von Nicht-Muslimen, eingeschränkt.

Besonders seit den 1990er Jahren ist Katar auch zur Heimat für eine große Gemeinde von „Gastarbeitern“ aus der ganzen Welt geworden, die maßgeblich am Aufbau des Landes beteiligt sind. Nach UN-Angaben hat Katar die höchste Quote an Arbeitsmigranten der Welt. So sind auf die gesamte Bevölkerung bezogen 88 Prozent der Einwohner ausländischer Herkunft. Es gibt unter ihnen eine große Anzahl von nicht-muslimischen Arbeitsmigranten, vor allem aus Südindien, die als Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Die Arbeits- und Lebenssituation dieser Menschen ist teilweise menschenunwürdig und sie sind Repressionen ausgesetzt.

missio wird aufmerksam beobachten, ob im Emirat Katar Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten ermöglicht wird, den eigenen Glauben zu praktizieren. (2014)

Bibliographische Angaben
Christoph Marcinkowski, Religionsfreiheit: Katar; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 26, Aachen 2014
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 534    

Der Länderbericht gibt Ihnen einen Überblick über die Situation der verschiedenen Religionsgemeinschaften in Bahrain, einem winzigen arabischen Inselstaat im Persischen Golf.

Die Gesellschaft des Landes ist von extremen Disparitäten und Spannungen geprägt. Im Königreich Bahrain herrscht eine kleine, aber privilegierte sunnitische Minderheit über eine schiitische Bevölkerungsmehrheit. Es gibt darüber hinaus eine große Anzahl von nicht-muslimischen Arbeitsmigranten, darunter auch viele Christen, die als Arbeitskräfte ausgebeutet werden.

Für nicht-muslimische Minderheiten besteht zwar Kultfreiheit. Gegenwärtig wird sogar an einer großen katholischen Kathedrale gebaut, denn Bahrain ist auch Sitz des Apostolischen Vikars für Nordarabien. Doch die innenpolitische Lage in dem Kleinstaat am Golf bleibt weiter angespannt. Seit der brutalen Niederschlagung der Proteste in Bahrain im Februar und März 2011 hat sich im Land nicht viel geändert. Viele Menschen sitzen noch immer in politischer Haft. Im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den Sunniten und Schiiten des kleinen Landes weisen Menschenrechtsorganisationen immer wieder auf schwere Menschenrechtsverstöße von Seiten der Regierung hin.

Es bleibt also noch ein langer Weg bis zu einer Aussöhnung zwischen den Bevölkerungsgruppen Bahrains. missio wird die Situation der Religionsfreiheit und insbesondere das Schicksal der christlichen Minderheit in Bahrain weiterhin aufmerksam beobachten. (2014)

Bibliographische Angaben
Christoph Marcinkowski, Religionsfreiheit: Bahrain; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 25, Aachen 2014
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 533    

Der Arabische Frühling hat bedeutende politische Veränderungen in Libyen in Gang gesetzt. Der Diktator Muammar Gaddafi wurde 2011 gestürzt, ein Ende der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Gruppen um die Macht ist nicht abzusehen. Sie vertreten unterschiedliche politische Ziele für den Neuaufbau des Staates.

Libyen gehört zum kulturellen Raum des Mittelmeeres. Griechen, Römer Byzantiner, arabische und osmanische Muslime sowie europäische Kolonialmächte haben Libyen beherrscht. Ihre Spuren kann man heute noch in oft beindruckenden Ruinen finden. Tief geprägt haben jedoch die arabischen Muslime die libysche Gesellschaft. Die Libyer haben die arabische Sprache mit dem Islam übernommen, der die Gesellschaft nachhaltig geprägt hat. Die einst blühenden christlichen Kirchen und jüdischen Gemeinschaften sind untergegangen.

Es gilt jetzt, die politischen und sozialen Brüche zu überwinden und einen demokratischen Rechtsstaat aufzubauen. Die Einhaltung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit muss dabei einen zentralen Raum einnehmen. Der politische Neuanfang nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes sollte in diesem Zusammenhang als Chance und Herausforderung zugleich begriffen werden. missio wird die zukünftige Entwicklung des Landes deshalb sehr aufmerksam beobachten. (2014)

Bibliographische Angaben
P. Hans Vöcking MAfr, Religionsfreiheit: Libyen; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 24, Aachen 2014
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 532    

Nach langen Jahren des Bürgerkriegs und des politischen und wirtschaftlichen Stillstands hat sich in Nepal Anfang 2014 wieder eine Regierung gebildet. Die wichtigste Aufgabe für die nahe Zukunft wird die Verabschiedung einer endgültigen Verfassung für den Himalaya-Staat sein.

Mit der Übergangsverfassung von 2007 verabschiedete Nepal sich vom Hinduismus als Staatsreligion. Dennoch bleiben die verschiedenen hinduistischen Glaubensrichtungen und das allgegenwärtige Kastensystem die prägenden Pfeiler der nepalesischen Gesellschaft.

Sollte sich Indien als das übermächtige Nachbarland im Süden zukünftig zu einem hinduistischen Staat entwickeln, wie es treibende Kräfte in Indien wünschen, würde das nicht ohne Auswirkungen auf Nepal bleiben. Die kulturelle, wirtschaftliche und religiöse Verflechtung der beiden ungleichen Länder hat immer wieder dazu geführt, dass Entwicklungen in Indien Auswirkungen auf Nepal besaßen.

Christliche Gemeinden in Nepal konnten in der Vergangenheit ein Wachstum verzeichnen. Eine gezielte Verfolgung von religiösen Minderheiten, wie es in der Vergangenheit immer wieder vorkam, findet derzeit nicht mehr statt. Trotzdem kommt es auch heute noch zu religiös motivierter Diskriminierung, Intoleranz und Gewalt.

missio wird auch künftig die Entwicklung der Religionsfreiheit in Nepal aufmerksam verfolgen und kritisch begleiten. (2014)

Bibliographische Angaben
Ali Al-Nasani, Religionsfreiheit: Nepal; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 23, Aachen 2014
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 531    

Der Irak bringt sich seit 2003 der Weltöffentlichkeit durch blutige Anschläge immer wieder in Erinnerung. Dabei hatte die Invasion der Amerikaner und ihrer Verbündeten nicht nur das Ziel, das Unrechtsregime des Saddam Hussein zu beseitigen, das angeblich mit chemischen Waffen drohte, sondern wollte auch einen demokratischen, und damit auch friedlichen und zivilen Staat aufzubauen. Die neue politische Ordnung im Irak sollte dann auch Vorbild und Anstoß für demokratische Entwicklungen in der Region sein.

Doch zehn Jahre nach der Invasion und dem Fall des Regimes scheint der Plan gescheitert. Noch immer gibt es gewalttätige Auseinandersetzungen, hauptsächlich zwischen Schiiten und Sunniten. In letzter Zeit verschärfen sich die konfessionellen Auseinandersetzungen, von denen auch viele Minderheiten im Irak betroffen sind. Aufgrund der Verfolgung durch extremistische Islamisten, mangelnder Sicherheit und wegen fehlender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Aussichten haben etwa die Hälfte der Christen, genauso wie viele andere Minderheiten, das Land verlassen. Viele sind auch aus dem Zentral- und Südirak in den sichereren kurdischen Norden geflohen.

Der irakische Vielvölkerstaat hat sich zwar eine Verfassung gegeben, aber sie ist unpräzise und widerspruchsvoll. Erst die weitere Gesetzgebung und Rechtsprechung werden diese Spannungen auflösen können. Dies gilt auch für das Zusammenleben der verschiedenen Religionsgemeinschaften und die Religionsfreiheit. Die weitere Entwicklung wird missio aufmerksam beobachten und sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander der Religionen und Konfessionen im Irak einsetzen. (2014)

Bibliographische Angaben
Prof. Dr. Harald Suermann, Religionsfreiheit: Irak; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 22, Aachen 2014
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 530    

Im wirtschaftlich prosperierenden Stadtstaat Singapur hat der Reisende die Gelegenheit, ganz Asien in einem einzigen Land zu erleben, denn die Bewohner Singapurs sind eine bunte Mischung aus Chinesen, Malaien, Indern sowie vielen Migranten und Auswanderern aus allen Ländern der Welt.

In Singapur finden sich wegen seiner beschränkten Fläche Institutionen verschiedener Religionen in unmittelbarer Nachbarschaft. Hinduistische Tempel oder islamische Moscheen liegen genauso wie buddhistische Tempel oder Kirchen unmittelbar nebeneinander. Diese friedliche Koexistenz ist das Ergebnis jahrelanger Anstrengung und Ausdruck gegenseitigen Respekts.

Religionsfreiheit wird in Singapur, das sich selbst als strikt säkularen Staat versteht, von der Verfassung garantiert und auch weitestgehend respektiert. Dennoch kommt es in der Praxis öfters zu Einschränkungen staatlicherseits, auf welche die vorliegende Studie hinweisen möchte. Beispiele hierfür sind die Beschneidung der Rechte bestimmter „Pfingstkirchen“ sowie die staatliche Diskriminierung der Zeugen Jehovas. Letztere lehnen den Wehrdienst ab und werden deshalb von der Regierung als „nicht-staatskonform“ angesehen.

missio setzt sich weltweit für Religionsfreiheit ein und wird die Lage in Singapur aufmerksam beobachten. (2014)

Bibliographische Angaben
Christoph Marcinkowski, Religionsfreiheit: Singapur; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 21, Aachen 2014
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 529    

Die Studie vermittelt einen Einblick in die Situation der Religionsfreiheit in Malaysia, einem multireligiösen und multiethnischen prosperierenden Schwellenland.

Die von der malaiisch-muslimischen Mehrheit dominierte Regierung Malaysias, die für die Malaien den Status als „Ureinwohner“ Malaysias (bumiputera) geltend macht, fordert von den anderen ethnischen Minderheiten in Malaysia – zumeist Chinesen und Inder – die Anerkennung ihrer politischen und sozialen „Vormachtstellung“. Diese Unterteilung der Bevölkerung in Malaien und Nicht-Malaien – in Muslime und Nicht-Muslime – hat im tatsächlichen Leben ein Zweiklassensystem zur Folge.

Dieses „Zweiklassensystem“ hat auch Auswirkungen auf das Verhältnis der Religionen. So plädierten zuletzt muslimische Malaien dafür, dass das Wort „Allah“ ausschließlich von Muslimen verwendet werden darf. Diese Diskussion um das Für und Wider der Verwendung des Wortes „Allah“ durch Nicht-Muslime in Malaysia ist keine Debatte unter islamischen Geistlichen oder Gelehrten. Am Leben gehalten wird sie zum großen Teil von einigen extremistischen Gruppen, die das Thema zum Erhalt der politischen Vormachtstellung auf der Grundlage eines ethnisch basierten malaiischen Nationalismus benutzen.

Die Verknüpfung religiöser, ethnischer und politischer Fragen führt in Malaysia zu einer Beschneidung des Rechts auf Religionsfreiheit. Für Religionsfreiheit in Malaysia einzutreten heißt, sich für die Gleichberechtigung der verschiedenen ethnischen Gruppen einzusetzen.

Malaysia und der Vatikan haben erst vor wenigen Jahren diplomatische Beziehungen miteinander aufgenommen. Dies kann von Vorteil sein, wenn es um eine Kontrolle der Einhaltung von Religionsfreiheit in dem südostasiatischen Land geht. missio wird die weiteren Entwicklungen in dem südostasiatischen Staat aufmerksam beobachten. (2014)

Bibliographische Angaben
Christoph Marcinkowski, Religionsfreiheit: Malaysia; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 20, Aachen 2014
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 528    

Ägypten stand im Zentrum von missios bundesweiter Kampagne zum Monat der Weltmission 2013. Ganz besonderes Augenmerk gilt dabei der Situation der Menschenrechte und Religionsfreiheit – und hier besonders der Lage der Christen.

Die Studie beschreibt den Prozess, der zur ägyptischen Verfassung vom Dezember 2012 führte. Inzwischen wurde Präsident Mohammed Mursi von der Armee gestürzt und die Verfassung wurde am 4. Juli 2013 außer Kraft gesetzt. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Überarbeitung der Verfassung für die Zeit nach Mursi auf der Basis der Fassung vom Dezember 2012 erfolgen wird.

Die ägyptische Dezember-2012-Verfassung ist das Ergebnis eines Machtkampfes, in dem die islamistischen Parteien vom Ergebnis der ersten freien Parlamentswahlen nach der Revolution profitierten. Deutlich sichtbar trägt sie weniger autokratische Züge als jede frühere ägyptische Verfassung, weil sie die Macht des Präsidenten beschneidet und die des Parlaments ausweitet. Klar war allerdings auch, dass die Bezugnahmen auf islamisches Recht bei Nicht-Islamisten – Muslime und Christen inbegriffen – in Ägypten Ängste schürten. Inwieweit die in der Verfassung enthaltenen Verweise auf das islamische Recht in ägyptisches Recht einfließen, lässt sich gegenwärtig noch nicht abschätzen. Daher ist es mit Sicherheit wichtig, die Rechtsprechung und rechtlichen Entwicklungen in Ägypten zu verfolgen, zumal die islamistischen Parteien eine Kraft bleiben werden, mit der man rechnen muss.

Die Menschenrechtsstudie dient deshalb auch dem besseren Verständnis von Ägyptens zukünftiger verfassungsrechtlicher Entwicklung. missio wird auch die weitere Entwicklung des Landes am Nil aufmerksam beobachten. (2013)

Bibliographische Angaben
Otmar Oehring, Religionsfreiheit: Ägypten; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 19, Aachen 2013
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 527    

Indonesien galt einmal als Vorzeigeland von Toleranz und als Modell für friedliches Zusammenleben von Angehörigen verschiedener ethnischer und religiöser Gemeinschaften. Dieses positive Bild hat sich in den letzten Jahren stark zum Negativen verändert. In den internationalen Medien wird heute über das Land mit den vielen Inseln, Volksgemeinschaften und Religionen immer häufiger dann berichtet, wenn es um Gewalttaten gegen Personen oder Einrichtungen von christlichen oder anderen religiösen Minderheiten geht, die Opfer religiös motivierter Gewalt geworden sind.

Dass es um die religiösen Minderheiten im Lande nicht gut bestellt ist, wurde deutlich, als am 30. Mai 2013 die amerikanische Stiftung „The Appeal of Conscience Foundation“ dem Präsidenten des Landes, Susilo Bambang Yudhoyono, für seine „Verdienste um religiöse Toleranz“ als Weltstaatsmann auszeichnete. Diese Ehrung, die eigentlich in Indonesien auf Zustimmung hätte stoßen müssen, rief dagegen heftigen Widerspruch hervor. In einem offenen Brief warf P. Franz Magnis-Suseno, ein Jesuit, der seit über 50 Jahren in Indonesien arbeitet und als Advokat des interreligiösen Dialogs und interreligiöser Verständigung im Land hohes Ansehen genießt, dem Präsidenten vor, des Preises nicht würdig zu sein, da er in seiner Amtszeit zu keinem Zeitpunkt Maßnahmen zum Schutz der Minderheiten von Christen, Ahmadiyya-Anhängern oder Schiiten ergriffen habe, wenn diese von radikalen religiösen Gruppen angegriffen wurden.

missio unterstützt seit Jahrzehnten die Arbeit kirchlicher Einrichtungen, die in Indonesien auf den Gebieten von Erziehung, Ausbildung, sozialer Dienste und interreligiösen Initiativen für das Wohl des ganzen Landes tätig sind. Auch in Zukunft wird missio die Kräfte unterstützen, die sich für Verständigung und Frieden einsetzen. Der vorliegende Länderbericht will als Ausdruck internationaler Solidarität mit den Minderheiten über die prekäre Situation der Religionsfreiheit in Indonesien informieren. (2013)

Bibliographische Angaben
Dr. Georg Evers, Religionsfreiheit: Indonesien; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 18, Aachen 2013
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 526    

Die Demokratische Volksrepublik Laos gehört zu den Ländern, die wenig oder kaum im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Laos, das kleine Land, das ohne direkten Zugang zum Meer inmitten Indochinas liegt, hat man oft das „vergessene Land“ oder das „Land am Rande der Geschichte“ genannt. Laos hat es wegen seiner mächtigen Nachbarn Thailand und Vietnam schwer gehabt, seine nationale Souveränität zu bewahren bzw. zu erringen. Während des Vietnamkrieges wurde Laos in die Kämpfe einbezogen und hat bis heute an den Spätschäden von Flächenbombardierungen zu leiden. Nachdem die kommunistische Partei nach dem Sturz der Monarchie 1975 die Macht im Lande innehatte, ist es wiederholt zur Verfolgung von Religionsgemeinschaften gekommen. Der Buddhismus verlor seine Stellung als Staatsreligion. Die im Lande befindlichen ausländischen Missionare mussten das Land verlassen. Die Situation der Religionen verbesserte sich, als 1991 eine neue Verfassung in Kraft trat, in der allen Bürgern von Laos Religionsfreiheit zugesichert wird. Die Religionspolitik der kommunistischen Partei ist aber auch weiterhin durch strikte Kontrollmaßnahmen aller religiösen Aktivitäten im Lande bestimmt. Denn die Einstellung der kommunistischen Partei Laos zu den Religionen bleibt von der marxistischen Religionsphilosophie geprägt, nach der Religionen in einer sozialistischen Gesellschaft eigentlich verschwinden sollten. Solange sie jedoch bestehen, werden ihre Aktivitäten nur insoweit geduldet, als sie zum Aufbau einer besseren Gesellschaft beitragen und den inneren Frieden nicht stören. Angehörige aller Religionen haben es in diesem Klima schwer, ihre religiösen Überzeugungen trotz staatlicher Restriktionen, Kontrollen und Misstrauen zu leben.

Seit Jahren unterstützt missio die kleine katholische Kirche im Lande durch die Förderung von Ausbildungsprogrammen für Priester und Katechisten und bei anderen pastoralen Projekten. Für die Christen in Laos, die darunter leiden, dass ihre Religion als eine „fremde, aus dem Ausland importierte Religion“ angesehen wird, sind diese internationalen Verbindungen lebenswichtig. Sie geben ihnen das Gefühl, nicht vergessen, sondern Teil einer großen Weltgemeinschaft zu sein.

Die vorliegende Studie hat das Ziel, die Situation der Menschenrechte, im Besonderen der Religionsfreiheit darzustellen. Neben der Information über die Situation der einzelnen Religionsgemeinschaften ist dieser Bericht auch ein Zeichen internationaler Solidarität und Verbundenheit. (2013)

Bibliographische Angaben
Dr. Georg Evers, Religionsfreiheit: Laos; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 17, Aachen 2013
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 525    

Nigeria ist fraglos die zahlenmäßig größte schwarze Nation der Welt. Ihre heterogene Bevölkerung ist geprägt von ethnischer, kultureller und religiöser Vielfalt. Religion spielt in Nigeria eine sehr große Rolle. Sie durchdringt das private und öffentliche Leben seiner Bürger. Zugleich schreibt man ihr leider zahlreiche Konflikte innerhalb der nigerianischen Gesellschaft zu. Mehrere politische, soziale und wirtschaftliche Trennlinien verlaufen in Nigeria entlang religiöser Trennlinien. Das Wissen um die Rolle und das Recht auf Religionsfreiheit in Nigeria ist daher ein Muss. Dabei versteht sich Nigeria als säkularer Staat, der die freie Religionsausübung garantiert und keine Religion zur Staatsreligion erhebt.

Die Studie widmet sich dem Thema der Religionsfreiheit in Nigeria. Dazu erläutern die Autoren zunächst den rechtlichen Rahmen für das Recht auf Religionsfreiheit – aus internationaler, nationaler und regionaler Perspektive. Anschließend untersuchen sie die Einführung des Scharia-Rechts in Nigeria und ihre Folgen für die Religionsfreiheit. Dann widmen sie sich den wichtigsten Religionsgemeinschaften im Land, ihrer Zusammensetzung, ihren Merkmalen und ihrer religiösen Praxis. Zudem erörtern sie kurz die aktuellen Probleme, die mit dem Scharia-Recht einhergehen, und untersuchen extremistische religiöse Gruppierungen wie die Boko-Haram-Sekte. Anschließend vermitteln sie einen Überblick über den rechtlichen Status von Religionsgemeinschaften, die religiöse Erziehung in Nigeria sowie den Einfluss der Religion auf das private und öffentliche Leben der Bürger Nigerias. Abschließend sprechen sie Empfehlungen bezüglich des Schutzes und der Förderung der Religionsfreiheit in Nigeria aus.

missio hat durch langjährige Partnerkontakte und eine darauf aufbauende Projekt-Policy verschiedene Initiativen zur Förderung des Dialogs der Religionen in Nigeria unterstützt und wird die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und zu einem Klima des Dialogs in Nigeria seinen Beitrag leisten. (2013)

Bibliographische Angaben
Autoren: Fr. George Ehusani, Barr Chinedu Nwagu / Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 16, Aachen 2013
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 524    

Kambodscha ist in der letzten Zeit nicht gerade häufig Gegenstand der internationalen Berichterstattung der verschiedenen Massenmedien gewesen. Das war in der Vergangenheit anders, als in den Jahren 1975-1978 die Roten Khmer unter der Führung von Pol Pot ihr Experiment einer vollständigen Umwandlung der bis dahin in Kambodscha bestehenden Gesellschaftsordnung unternahmen. Dieses mit unvorstellbarer Gewalt gegen die Bevölkerung des Landes verbundene Projekt, in dem die Menschen aus den Städten vertrieben, auf dem Land mit Zwangsarbeit ihr Leben führen sollten, endete mit dem Tod von 1,7 Millionen Menschen, einem Fünftel der gesamten Bevölkerung.

Zum Programm der Roten Khmer gehörte auch die Zerstörung jeglichen religiösen Lebens. Alle buddhistischen Klöster wurden zerstört oder geschlossen, Tausende Mönche und Nonnen wurden durch physische Gewalt oder durch Zwangsarbeit getötet. Auch die kleine katholische Kirche des Landes wurde während dieser Zeit in ihrem Bestand erschüttert. Zwei Bischöfe, alle Priester und Ordensleute und Tausende Gläubige wurden Opfer der Gewalt. Die Kathedralkirchen in Phnom Penh und Battambang wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer hat Kambodscha mit internationaler Unterstützung einen Neuanfang gemacht. Auch die katholische Kirche erlebte einen Neubeginn. Es konnten wieder Gottesdienste gefeiert werden und die Kirche konnte auf dem sozialen Gebiet mit Hilfeleistungen für Arme und Bedürftige, mit Programmen für HIV/Aids-Kranke und Drogenabhängige in der Gesellschaft tätig werden.

Aber bis heute leidet das Land an den traumatischen Erfahrungen der Schreckensherrschaft der Roten Khmer. Die katholische Kirche in Kambodscha versteht die Arbeit an der Versöhnung und Heilung der belastenden Erinnerung als eine wichtige Aufgabe. missio unterstützt die Katholiken Kambodschas in diesem Bemühen und in der Entwicklung des kirchlichen Lebens durch Ausbildungsförderungs-Programme und andere Projekte. Da die politische Führung des Landes, die in Korruption verstrickt ist, sich immer wieder Menschenrechtsverletzungen schuldig macht, ist es auch eine Aufgabe für missio, die Öffentlichkeit auf diese Missstände in Kambodscha aufmerksam zu machen. (2013)

Bibliographische Angaben
Autor: Dr. Georg Evers / Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 15, Aachen 2013
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 523    

Myanmar war lange Zeit ein Land, das am Rande des Weltgeschehens lag und über das nur wenig in den Medien berichtet wurde. Die Isolationspolitik der von 1962 bis 2011 im Land herrschenden Militärjunta, die den Tourismus einschränkte und ausländischen Medien den Zugang versperrte, verhinderte weitgehend eine Berichterstattung über die Menschenrechtsverletzungen und die Verfolgung der ethnischen und religiösen Minderheiten im Lande. Allein Aung San Suu Kyi, der Tochter des birmanischen Freiheitskämpfers und politischen Führers Aung San und Friedensnobelpreisträgerin, gelang es, trotz jahrelangen Hausarrests immer wieder über die Menschenrechtsverletzungen in Birma zu berichten und Hilfsappelle an die Weltöffentlichkeit zu richten. In diesen Jahren gehörte missio zu den wenigen internationalen Organisationen, die es trotz der zahlreichen Einschränkungen und Behinderungen immer wieder versucht haben, mit den bedrängten ethnischen Minderheiten, und unter ihnen vorrangig den christlichen Gruppen, Kontakte aufrecht zu erhalten und ihnen, soweit dies möglich war, konkrete Hilfe zu leisten.

Ein Hauptanliegen der Aktivitäten von missio lag dabei auf dem Gebiet der Ausbildung von Priestern, Katecheten und Laienmitarbeitern. Trotz der restriktiven Auflagen, dass z.B. für Studien im Ausland, neben dem Stipendium für die Studierenden eine gleich hohe Summe als Abgabe an die Regierung zu entrichten war, hat missio immer wieder einer Reihe von birmanischen Studenten ein Auslandsstudium ermöglichen können. Ein anderes Feld der Aktivitäten lag auf dem Gebiet der Berichterstattung über die Situation der Menschenrechte in Myanmar, über die missio durch die Kontakte mit kirchlichen Führungskräften und durch eigene Forschungsreisen in besonderer Weise Informationen besaß.

In den letzten beiden Jahren hat sich in Myanmar eine Wende zum Besseren abgezeichnet. Erste Maßnahmen lassen erkennen, dass sich die Situation der ethnischen und religiösen Minderheiten im Lande verbessert hat. Allerdings bleiben Zweifel, inwieweit das Militär, das immer noch – in der Verfassung verankert – 25% der Parlamentsabgeordneten stellt, wirklich die Macht abgegeben und den Weg zur Demokratisierung frei gemacht hat. Für die weitere Entwicklung ist es daher wichtig, die Reformkräfte zu unterstützen, eine Aufgabe, der sich missio verpflichtet fühlt. Ausdruck dieser Bemühungen ist dieser Läderbericht, der in besonderer Weise die Hintergründe und Entwicklungen auf dem Gebiet der Religionsfreiheit nachzeichnet. (2013)

Bibliographische Angaben
Autor: Dr. Georg Evers / Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski, in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 14, Aachen 2013
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 521    

Bangladesch gehört zu den Ländern, über die in den Medien meist nur dann berichtet wird, wenn es schlechte Nachrichten gibt.

Anfang des Jahres 2013 war Bangladesch wieder in den Nachrichten. Dieses Mal ging es um die Aufarbeitung der vielen Menschenrechtsverletzungen während der Zeit des Unabhängigkeitskrieges 1971, die seit Jahrzehnten überfällig war und das gemeinsame Gedächtnis der Menschen in Bangladesch ständig belastet hat. Angeklagt waren führende Vertreter radikaler islamistischer Gruppen und politischer Parteien, die sich vor mehr als 40 Jahren des Mordes, der Vergewaltigung und der Zwangsbekehrungen zum Islam schuldig gemacht hatten und die bis zur Gegenwart führende politische Ämter im Land bekleideten.

Die christlichen Kirchen, die Katholiken und Protestanten, machen zusammen nur eine kleine Minderheit von 0,3% der Bevölkerung aus. Seit Jahrzehnten unterstützt missio die katholische Kirche in Bangladesch durch die Förderung von Ausbildungsprogrammen für Priester und Katecheten. Ein besonderes Feld der Unterstützung ist dabei die Förderung des interreligiösen Dialogs, den die katholische Kirche des Landes zu einer ihrer vorrangigen Aufgaben gemacht hat. Die Arbeit für Verständigung und friedliches Zusammenleben wird in Bangladesch zwar immer wieder durch Angriffe von islamistischen Gruppen gestört, die den religiösen Minderheiten die von der Verfassung garantierte freie Ausübung ihrer Religion nicht einräumen wollen. Dadurch wird der innere Friede immer wieder gefährdet. Aber es ist andererseits auch wahr, was der Präsident des „Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog“, Kardinal Jean-Louis Tauran, bei einem Besuch in Bangladesch 2011 feststellte, dass Bangladesch „ein einzigartiges Modell für interreligiöse Harmonie“ darstellt.

Der Länderbericht möchte kurz die historische Entwicklung des noch jungen Staates Bangladesch nachzeichnen. Vor diesem Hintergrund wird dann leichter verständlich, wie es gegenwärtig um die Problematik der Religionsfreiheit, der Menschenrechte und des interreligiösen Miteinanders in Bangladesch steht. missiomöchte mit dieser Berichterstattung dazu beitragen, der Öffentlichkeit ein differenziertes Bild darüber zu vermitteln, wie es um die Religionsfreiheit in Bangladesch steht und die Kräfte im Lande selber unterstützen, die sich für Frieden und Harmonie einsetzen. (2013)

Bibliographische Angaben
Dr. Georg Evers, Religionsfreiheit: Bangladesch; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 13, Aachen 2013
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 522    

Die Präsenz der Christen gehört zur modernen Geschichte Algeriens. Während der Kolonialzeit kamen die christlichen Einwanderer, und oft waren es die Kirchen, die die Rechte der Muslime gegenüber der französischen Kolonialmacht verteidigten. Während des Kampfes für die Unabhängigkeit engagierten sich auch Christen für ein freies Algerien.

Algerien hat in seiner Verfassung festgeschrieben, dass der Islam Staatsreligion ist. In Art. 36 wird auch die Gewissens- und Meinungsfreiheit garantiert. Die Situation mit Blick auf die Religionsfreiheit ist allerdings mehrdeutig. Die Gesellschaft akzeptiert, dass seit Jahren Algerier Mitglieder in christlich-charismatischen Gruppen werden und sich in Hauskirchen zum Gebet und zur Bibellesung versammeln. Die Gemeindeleiter kommen nicht aus dem Ausland, sondern sind Einheimische. In keinem anderen arabischen Land können Apostaten so offen ihre Bekehrung zu einer christlichen Kirche bekennen und sich so frei bewegen wie in Algerien – und die algerischen Zeitungen können darüber frei berichten.

Algerien hat eine ganze Reihe von internationalen Konventionen und Verträgen mit Blick auf die Menschenrechte im Allgemeinen und die Religionsfreiheit im Speziellen unterzeichnet und ratifiziert. Das nordafrikanische Land gesteht den religiösen Minderheiten einen gewissen Freiraum zu. Verglichen mit Standards der Religionsfreiheit in Europa, muss Algerien allerdings noch einige Anstrengungen unternehmen, um dahin zu kommen. (2013)

Bibliographische Angaben
Dr. P. Hans Vöcking, Religionsfreiheit: Algerien; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 12, Aachen 2013
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 520    

Indien hat in den 65 Jahren nach Erreichung der Unabhängigkeit immer wieder bewiesen, dass es zu Recht als „die größte Demokratie der Welt“ gilt. Es ist eine gewaltige Leistung, dass dieses riesige Land, in dem so viele Menschen verschiedener Religionen, Sprachen und ethnischer Zugehörigkeit leben, bei allen Spannungen und Auseinandersetzungen das Prinzip der Säkularität, d.h. die grundsätzliche Neutralität des Staates gegenüber allen Religionen, bewahrt und ausgebaut hat. Umso bedauerlicher ist es, dass dieses positive Bild und die gute Bilanz der Indischen Union, die nationale Einheit zu wahren, von radikalen hinduistischen Gruppen in den letzten Jahren zunehmend in Frage gestellt worden ist.

missio versteht sich als Anwalt der Christen, die in Indien immer wieder Gewalttaten dieser militanten Hindu-Gruppen ausgesetzt sind. Durch die langjährigen direkten Kontakten mit kirchlichen Personen und Stellen im Land sind wir in der Lage schnell, konkret und zuverlässig über die Geschehnisse im Lande zu berichten. Durch direkte Hilfeleistungen können wir in Einzelfällen den betroffenen Menschen helfen, in ihren Dörfern zerstörte Schulen, Treffpunkte, Gotteshäuser und soziale Einrichtungen wieder aufzubauen. Wir benutzen unsere Kontakte zu Politikern, um sie zu informieren, für sie Kontakte und Besuchsreisen zu organisieren, damit sie vor Ort die Gelegenheit haben, sich über die Menschenrechtssituation in Indien zu informieren.

So wurde von der Menschenrechtsstelle von missio im Frühjahr 2011 eine Reise für Parlamentarier in das Krisengebiet des Bundesstaates Orissa organisiert, bei der die Politiker die Gelegenheit hatten, mit den von den Gewaltakten betroffenen Menschen in Kontakt zu kommen. Im Rahmen der Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“ fand eine von missio in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bischofskonferenz veranstaltete Fachtagung in der katholischen Akademie in Berlin statt, bei der die Situation der verfolgten Christen in Indien zusammen mit unseren indischen Partner vorgestellt und Reaktionen abgesprochen wurden. (2012)

Bibliographische Angaben
Georg Evers, Religionsfreiheit: Indien; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 11, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 511    

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind bei uns vielen als Urlaubsland mit stets schönem Wetter und luxuriösen Hotels bekannt. Manchem vielleicht auch noch als wichtiger Ölproduzent. Kaum bekannt dürfte der breiten Öffentlichkeit dagegen sein, dass weniger als 15 Prozent der Einwohner Staatsbürger der Emirate und mehr als 85 Prozent der Bevölkerung Ausländer sind. Ebenfalls kaum bekannt sein dürfte, dass etwa neun Prozent der Bevölkerung der Vereinigten Arabischen Emirate Christen sind. Mehrheitlich stammen sie aus Süd- und Südostasien, aus Ländern des Nahen Ostens und zum geringeren Teil aus Ländern der westlichen Welt.

Im Rahmen eines islamischen Staatswesens genießen die Christen als Angehörige einer Buchreligion eine gewisse Vorzugsbehandlung im Vergleich mit Angehörigen anderer nicht-muslimischer Religionsgemeinschaften. Christlichen Kirchen ist von den Herrscherfamilien der einzelnen Emirate Land für den Bau von Kirchen und Schulen zur Verfügung gestellt worden. Und bei Besuchen von kirchlichen Würdenträgern aus den Heimatländern der hier lebenden Christen, kommt es immer wieder zu Begegnungen mit Vertretern des Staates, regelmäßig auch mit Vertretern der Herrscherfamilien.

Doch auch vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass in den Vereinigten Arabischen Emiraten keine uneingeschränkte Religionsfreiheit im Sinne der internationalen Konventionen gewährleistet ist. Das zeigt sich nicht nur an der zurückhaltenden Behandlung großer asiatischer Religionsgemeinschaften wie der Hindus oder der Buddhisten. Das zeigt sich vor allem – wie in weiten Teilen der islamischen Welt – bei den Themen Mission, Apostasie, Konversion – auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten bis heute ein Tabu.

missio wird vor diesem Hintergrund die weiteren Entwicklungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufmerksam verfolgen und Maßnahmen fördern, die sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander der Religionen in diesem Land einsetzen. (2012)

Bibliographische Angaben
Otmar Oehring, Religionsfreiheit: Vereinigte Arabische Emirate; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 10, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 510    

Mit Deutschland teilt Vietnam das Schicksal, für längere Zeit ein geteiltes Land gewesen zu sein. Während sich in Deutschland bei der friedlichen Wiedervereinigung die demokratischen Kräfte durchsetzten und ein repressives kommunistisches Regime ersetzten, war es in Vietnam umgekehrt. Hier übernahm die den Norden des Landes beherrschende kommunistisch-sozialistische Partei die Macht in dem nach langem Bürgerkrieg gewaltsam wiedervereinigten Land. Bei ihrem Bestreben, die politische und innere Einheit des Landes zu schaffen, bedienten sich die kommunistische Partei und die Regierung repressiver Methoden, um Andersdenkende in Umerziehungslagern durch langjährige Indoktrination zur Annahme der im Lande herrschenden Ideologie zu zwingen.

Für die Regierung waren die Religionsgemeinschaften, vor allem die Christen, aber auch Buddhisten, erklärte weltanschauliche Gegner, die deshalb besonderer Kontrollmaßnahmen der staatlichen Sicherheitsorgane und den für die Religionen zuständigen Ämtern ausgesetzt wurden. Sowohl Buddhisten wie auch katholische und protestantische Christen, die ihr religiöses Leben in frei gewählten Gemeinschaften leben wollten, wurden durch die staatlichen Behörden daran gehindert, ihre Versammlungsgebäude beschlagnahmt und ihre Religionsführer verhaftet oder unter Hausarrest gestellt. Berufungen auf die vom Staat in der Verfassung garantierten Religionsfreiheit wurden von den staatlichen Behörden mit Verweis auf die vom Staat erlassenen Ausführungsbestimmungen zur Religionsfreiheit zurückgewiesen, in denen die absolute Kontrolle aller religiösen Aktivitäten durch den Staatsapparat festgeschrieben sind.

In den letzten Jahren hat sich das Verhältnis zwischen den Staatsorganen und den Religionsgemeinschaften leicht entspannt. Den Religionsgemeinschaften wird eine positive Rolle für das Wohlergehen des Landes und der Gesellschaft eingeräumt. Auch außerhalb der religiösen Aktivitäten in Tempeln und Kirchen werden ihnen Freiräume eingeräumt, um sich auch auf dem sozialen und schulischen Sektor zu betätigen. Wie sich allerdings angesichts repressiver Maßnahmen der Behörden gegen religiöse Einrichtungen und Personen immer wieder zeigt, ist das Verhältnis des Staates zu den Religionsgemeinschaften immer noch nicht spannungsfrei.

missio verfolgt seit Jahren die Entwicklung in Vietnam. Auch in Zukunft wird missio über die Entwicklung des religiösen Lebens in dem asiatischen Land berichten und sowohl erhoffte positive Entwicklungen anzeigen als auch Verletzungen der Religionsfreiheit anprangern. (2012)

Bibliographische Angaben
Georg Evers, Religionsfreiheit: Indien; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 9, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 509    

China hat in den letzten Jahrzehnten eindrucksvolle positive Veränderungen erlebt. Die Erfolge auf wirtschaftlichem Gebiet haben dem Land und seiner Bevölkerung Lebensbedingungen beschert, die anderen Generationen verwehrt waren. Auch die Religionsgemeinschaften in China haben von dieser positiven Entwicklung profitiert. Das religiöse Leben, das während der Kulturrevolution (1966-1976) fast zum Erliegen gekommen schien, hat sich wieder erholt. Alle Religionsgemeinschaften in China erleben einen Aufschwung. Viele Menschen in China haben erfahren, dass materielle Werte allein nicht das Leben ausmachen und wenden sich den Religionen zu.

Dem steht allerdings eine Religionspolitik entgegen, die bis in die Gegenwart (2012; Anm. d. Red.) hinein von Repression geprägt ist. Obwohl die chinesische Führung betont, dass sie das in der Verfassung verankerte Recht auf freie Religionsausübung respektiere, verletzen zahlreiche Maßnahmen der staatlichen Religionsbehörden die die Eigenständigkeit der Religionsgemeinschaften. Zu diesen Maßnahmen gehören das Vorgehen gegen religiöse Aktivitäten in nicht von der Regierung registrierten Gruppen, das Einmischen in die Besetzung von Ämtern, die Verordnung von Schulungskursen, die der Indoktrination dienen, das Verfügen von Hausarrest und Zwang, an religiösen Akten gegen den eigenen Willen teilzunehmen.

missio wird die Entwicklung der Religionsfreiheit in der Volksrepublik China aufmerksam verfolgen. Dabei wird es das besondere Anliegen sein, die Zusammenarbeit von katholischen und protestantischen Christen mit den Angehörigen der anderen Religionsgemeinschaften in China zum Aufbau einer harmonischen Gesellschaft zu fördern. (2012)

Bibliographische Angaben
Georg Evers, Religionsfreiheit: China; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 8, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 508
Dieser Länderbericht ist in gedruckter Form nicht mehr bestellbar. Ein Download (s.o.) steht zur Verfügung.

 

Kuwait ist ein Land, das bei uns seit der der gewaltsamen Annexion Kuwaits durch den Irak am 2. August 1990 und die Befreiung Kuwaits in Folge des anschließenden Golfkrieges weitgehend aus dem Blick geraten ist. Wird schon das Land selbst – außer in Kreisen der Wirtschaft – kaum wahrgenommen, ist die religiöse Vielfalt des Landes und die Vielfalt der Herkunftsländer der Einwohner Kuwaits bei uns weitgehend unbekannt. Gut die Hälfte der Einwohner Kuwaits sind Ausländer. Auch wenn der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung mit fast 90 Prozent angegeben wird, ist Kuwait kein religiös homogenes Land. Das gilt zunächst schon für den Anteil der Muslime selbst – etwa 60 Prozent sind Sunniten, bis zu 30 Prozent sind Schiiten. Zur nicht-muslimischen Bevölkerung zählen neben Christen vor allem Angehörige anderer in Asien vertretener Religionsgemeinschaften.

Auch wenn es in Kuwait seit den 1960er Jahren eine stetige Entwicklung hin zu einem formal demokratischen Staat nach westlichem Vorbild gegeben hat, spielt die Religion des Islam auch heute noch eine bestimmende Rolle in Staat und Gesellschaft. Das wird nicht nur im Verhältnis der Mehrheitsreligion und der mit den Gastarbeitern ‚zugewanderten‘ Religionen – Hinduismus, Buddhismus, Christentum u.a. – deutlich, sondern auch im häufig nicht unkomplizierten Verhältnis der sunnitischen Mehrheit und der schiitischen Minderheit. Zudem ist die Öffnung des Landes seit den 1960er Jahren verbunden mit einer bei Teilen der einheimischen Bevölkerung deutlichen Rückbesinnung auf den Islam. Das hat gerade in den letzten Jahren auch zu einer Stärkung islamistischer Tendenzen geführt, die das bis dahin weitgehend friedliche Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen zusehends belastet.

missio wird vor diesem Hintergrund die weiteren Entwicklungen in Kuwait aufmerksam verfolgen und Maßnahmen fördern, die sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander der Religionen in diesem Land einsetzen. (2012)

Bibliographische Angaben
Otmar Oehring, Religionsfreiheit: Indien; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 7, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 507    

Die Lage der nicht-muslimischen Gemeinden in der Türkei ist prekär. Dies liegt vor allem daran, dass sie rechtlich gesehen überhaupt nicht existieren. Die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei hat deshalb bei den Kirchen in der Türkei die Hoffnung genährt, ihre prekäre Situation würde sich im Verlauf dieser Beitrittsverhandlungen klären. Tatsächlich gab es in den ersten zwei Jahren nach der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen Entwicklungen in der Gesetzgebung, die als erste Schritte hin zu einer grundlegenden Lösung bestehender Probleme verstanden werden konnten.

Doch der Reformprozess stockt nun schon seit mehreren Jahren. Auch wenn es die aktuelle Regierung immer wieder verstanden hat, den Eindruck zu erwecken, die genannten Probleme würden bald gelöst, sind bislang noch nicht einmal Lösungsansätze zu erkennen. Dabei ist die Türkei als Mitglied des Europarats und Unterzeichnerin der Europäischen Menschenrechtskonvention zur Gewährung von Religionsfreiheit verpflichtet. Alle Hoffnungen richten sich deshalb derzeit auf die Erarbeitung einer neuen Verfassung, die demnächst der türkischen Öffentlichkeit zur Diskussion und anschließend dem Parlament zur Verabschiedung vorgelegt werden wird.

missio wird die weiteren Entwicklungen in der Türkei aufmerksam verfolgen und Projekte fördern, die sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander der Religionen in diesem Land an der Schnittstelle von Europa und Asien einsetzen. (2012)

Bibliographische Angaben
Otmar Oehring, Religionsfreiheit: Türkei; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 6, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 506    

In Marokko gibt es ähnlich wie in anderen Ländern der arabischen Welt viel Unzufriedenheit mit den politischen und sozio-ökonomischen Verhältnissen. Der König ließ eine neue Verfassung erarbeiten und am 1. Juli 2011 in einem Referendum bestätigen. Wesentliche Änderungen betreffen einen teilweisen Machtverzicht des Königs zu Gunsten des Parlaments. Dass diese Maßnahmen ausreichen würden der Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu begegnen, war nicht zu erwarten. So hat der König auch noch vorgezogene Parlamentswahlen abhalten lassen, einen Wahlsieg der gemäßigt islamistischen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung zugelassen und ihren Parteivorsitzenden Abdelilah Benkirane zum Ministerpräsidenten ernannt. Allerdings ist auch die neue Regierung nur eine Regierung von Königs Gnaden, die dieser jederzeit wieder aus dem Amt jagen könnte. Deshalb ist durchaus damit zu rechnen, dass die Proteste in Marokko weitergehen werden und den König am Ende noch zu viel grundlegenderen Reformen zwingen könnten. Der Umbau Marokkos zu einer konstitutionellen Monarchie könnte sich dabei für den König und das Land noch als die harmloseste Maßnahme erweisen.

Der König war bis dato nicht nur „allmächtig“, er ist dank seiner Position als Oberhaupt der (muslimischen) Glaubenden auch „sakrosankt“. Auch wenn es im Vorfeld des Verfassungsreferendums eine Diskussion über die künftige Rolle des Königs gab und sogar über den möglichen Umbau des marokkanischen Staates zu einem säkularen oder gar laizistischen Staat räsoniert wurde, war ein solches Ergebnis kaum zu erwarten. So ist der Islam auch weiterhin Staatsreligion und der König als Oberhaupt der Gläubigen Hüter des Islam, aber auch Garant der freien Ausübung jedweden Kults. Das darf allerdings nicht mit Religionsfreiheit verwechselt werden.

missio wird die Entwicklungen in Marokko aufmerksam begleiten und Partner vor Ort bei ihrem Bemühen unterstützen, einen wichtigen Beitrag zum gegenseitigen Verstehen von Christen und Muslimen zu leisten. (2012)

Bibliographische Angaben
Otmar Oehring, Religionsfreiheit: Indien; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 5, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 505    

 

In Tunesien hat der arabische Frühling im Frühjahr 2011 begonnen. Der revolutionäre Umbruch hat viele Hoffnungen genährt: Vor allem die Hoffnung auf mehr Freiheit, auf Demokratie. Und damit natürlich auch die Hoffnung auf Religionsfreiheit. Auch in Tunesien wurde über einen säkularen Staat und über die Verankerung dieser Idee in einer künftigen Verfassung diskutiert. Manche träumten gar von einem laizistischen Staat nach dem Vorbild Frankreichs. Ausgeblendet wurde bei all diesen Diskussionen, dass Tunesien ein islamischer Staat mit einer mehrheitlich religiös-konservativen Gesellschaft ist.

Das Ergebnis der Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung Ende 2011 bestätigt diese Tatsache. Die von der Muslimbruderschaft inspirierte Ennahda-Bewegung konnte gut 40 Prozent der Sitze in der Versammlung gewinnen. Damit ist die Ennahda, die eine Koalitionsregierung mit zwei säkularen Parteien gebildet hat, zu Kompromissen gezwungen. Zu Kompromissen zwischen zwei zunächst unversöhnlichen Positionen – der Position der Befürworter eines säkularen Staates bzw. Befürworter eines islamischen Staates. Man wird sehen, ob die Festlegung des jetzigen Ministerpräsidenten Hammadi Jebali – vormals Generalsekretär der islamistischen Ennahda-Bewegung –, seine Bewegung werde die Freiheiten konsolidieren, er wolle nicht das islamische Recht einführen, Bestand haben wird.

missio wird die Entwicklung der Religionsfreiheit in Tunesien aufmerksam verfolgen und Akteure unterstützen, die sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander der Religionen einsetzen. (2012)

Bibliographische Angaben
Otmar Oehring, Religionsfreiheit: Tunesien; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 4, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 504    

In Jordanien ist es seit Anfang 2011 wiederholt zu Demonstrationen gekommen. Anlass war auch hier der Unmut von Teilen der Bevölkerung über die sozio-ökonomische Lage des Landes. König Abdullah II. hat schnell reagiert und Schritte zur Beruhigung der Lage eingeleitet. Ungeachtet dessen kam es im November 2011 neuerlich zu Protesten, denen der König ein weiteres Mal durch die Einsetzung einer neuen Regierung zu begegnen suchte. Ob die bisherigen Reaktionen des Königshauses auf den Unmut in der Bevölkerung ausreichen können, die Lage dauerhaft zu befrieden, bleibt fraglich.

Zumindest in absehbarer Zeit ist nicht mit grundlegenden gesellschaftlichen Umwälzungen zu rechnen, die auch den Versuch des Ausgleichs zwischen den Religionsgemeinschaften in Frage stellen könnten. Maßgeblichen Anteil hat daran sicher auch das haschemitische Herrscherhaus, das immer um Ausgleich zwischen den Religionen bemüht war. Prinz Hassan bin Talal, der Onkel des gegenwärtigen Königs Abdullah II., ist ein bekannter und allseits geachteter Förderer des interreligiösen Dialogs.

missio wird auch künftig die Entwicklung der Religionsfreiheit in Jordanien aufmerksam verfolgen und Initiativen unterstützen, die das Zusammenleben der verschiedenen Religionen fördern. (2012)

Bibliographische Angaben
Otmar Oehring, Religionsfreiheit: Jordanien; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 3, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 503    

 

Noch vor eineinhalb Jahren (2010; Anm. d. Red.) wurde Ägypten von Hosni Mubarak mit harter Hand regiert. Dann kam der arabische Frühling auch nach Ägypten. Dieser Aufbruch war mit vielen Hoffnungen verbunden. Mit der Hoffnung nach einem besseren Leben, nach Freiheit, nach Demokratie. Die säkularen Kräfte und die christlichen Kirchen hofften auch auf einen säkularen Staat. Sie hofften, eine neue säkulare Verfassung könnte erarbeitet werden. Und dann würden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen durchgeführt. Der Islam würde nicht mehr Staatsreligion und die Scharia nicht mehr Hauptquelle der Inspiration der Rechtsetzung sein. Doch es kam anders.

Bei einem Verfassungsreferendum im März 2011 stimmte die überwältigende Mehrheit der Ägypter für baldige Parlamentswahlen. Damit war ein Wahlsieg der islamistischen Muslimbruderschaft zu erwarten, die in der Mubarak-Ära zwar verboten war, aber gut organisiert weiter existiert hatte. Die Parlamentswahlen haben Ende 2011, Anfang 2012 stattgefunden. Die Muslimbruderschaft und die radikal-islamistischen Salafisten haben zusammen 70,5 Prozent und damit 301 der insgesamt 427 Parlamentssitze erringen können. Was das für die Zukunft des Landes, vor allem aber auch für den säkularen Teil der Bevölkerung und die Angehörigen nicht-muslimischer Minderheiten – rund zehn Prozent der Bevölkerung sind Christen – bedeuten wird, kann momentan kaum jemand vorhersagen. Sicher ist auf jeden Fall, dass auch in der künftigen ägyptischen Verfassung der Islam als Staatsreligion und die Scharia als wichtigste Inspirationsquelle der Rechtssetzung genannt werden. Zu befürchten ist zudem, dass Religionsfreiheit eine noch geringere Rolle als vor dem Beginn des arabischen Frühlings spielen wird.

missio wird die Entwicklung in Ägypten aufmerksam verfolgen und weiterhin Akteure unterstützen, die sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander der Religionen einsetzen. (2012)

Bibliographische Angaben
Otmar Oehring, Religionsfreiheit: Ägypten; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 2, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 502

Die Verfassung der Islamischen Republik Pakistan garantiert im Rahmen einer islamischen Ordnung jedem Bürger das Recht, seine Religion zu bekennen, zu praktizieren und zu propagieren. Jeder Religionsgemeinschaft ist es gestattet, religiöse Einrichtungen zu unterhalten. Tabu war gleichwohl schon immer die Missionierung von Muslimen. In diesem Rahmen haben sich die Christen und die christlichen Kirchen lange Zeit relativ frei bewegen können, auch wenn die Christen in Pakistan nie als gleichwertige Staatsbürger behandelt wurden.

Das größte Problem der Christen in Pakistan ist heute (2012; Anm. d. Red.) allerdings das sogenannte Blasphemiegesetz. Waren in der Zeit von 1929 bis 1982 in Pakistan nur neun Blasphemiefälle vor Gericht verhandelt worden, sind es seither mehr als tausend Fälle. Die Christen waren bezogen auf ihren Bevölkerungsanteil von 2,3 Prozent mit 180 Fällen überproportional betroffen.

Das Perfide am Blasphemiegesetz ist, dass in zahlreichen Fällen, in denen diese Vorschriften angewandt worden sind, überhaupt keine entsprechenden konkreten Handlungen gegeben waren. Es ist das allgemeine, von islamischen Fundamentalisten bestimmte Klima, das die leichtfertige und willkürliche Anwendung des Blasphemiegesetzes so leicht macht. Mindestens genauso perfide ist aber, dass das Blasphemiegesetz auch auf all jene in Pakistan angewandt werden kann, die seine Abänderung oder gar Aufhebung fordern. Die Ermordung des pakistanischen Minderheitenministers Shahbaz Bhatti – eines Katholiken – und des Gouverneurs von Punjab, Salman Taseer – eines Muslim –, im letzten Jahr machen dies mehr als deutlich.

Gerade deshalb fordert missio die Regierenden und Politiker in Deutschland auf, bei ihren Gesprächen mit Regierungsvertretern und Politikern aus Pakistan und in Pakistan die Abschaffung oder doch zumindest die Entschärfung der menschenverachtenden Blasphemiegesetze zu fordern. (2012)

Bibliographische Angaben
Otmar Oehring, Religionsfreiheit: Pakistan; in:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V. (Hg.),
Länderberichte Religionsfreiheit, Heft 1, Aachen 2012
ISSN 2193-4339
missio-Bestell-Nr. 600 501
Dieser Länderbericht ist in gedruckter Form nicht mehr bestellbar. Ein Download (s.o.) steht zur Verfügung.

Ihre Ansprechpartnerin

Katja Nikles

stv. Abteilungsleiterin Theologische Grundlagen
Tel.: +49 (0)241 / 75 07 - 366
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