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Schöpfungsspiritualität

Mit seiner Umweltenzyklika Laudato si‘ hat Papst Franziskus dem Thema Ökologie ein Schreiben gewidmet, mit dem er sich ausdrücklich „an jeden Menschen wenden [möchte], der auf diesem Planeten wohnt“ (LS 3). Das ist ungewöhnlich für einen Papst, da sich Lehrschreiben der Päpste zunächst an Christen wenden, die in der katholischen Kirche beheimatet sind. Doch Fragen der Schöpfung kennen keine religiösen, konfessionellen oder nationalen Grenzen. Der Diskurs zur Frage, wie die Familie Mensch in ihrem gemeinsamen Oikos Erde überleben kann,  ist nicht erst im Zeitalter der Globalisierung zu einem transnationalen und religionsverbindenden Thema geworden. Um gemeinsam zu überleben, müssen Vertreter der Religionsgemeinschaften konfessionelle und religiöse Grenzen überwinden und einen interreligiösen und interkulturellen Dialog zum Thema Schöpfung führen.

missio hat eine interkontinentale Tagungsreihe in Lateinamerika, Asien und Afrika initiiert, um Vertreter der verschiedenen religiösen Traditionen miteinander ins Gespräch zu bringen. Im Rahmen von drei aufeinander folgenden kontinentalen Tagungen werden unterschiedliche Schöpfungsspiritualitäten in den verschiedenen Religionen der Welt wahrgenommen, erschlossen und theologisch reflektiert. Thematisiert werden Fragen der Schöpfungsspiritualität und Schöpfungstheologie im lateinamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Kontext in interreligiöser Perspektive. Dabei geht es einerseits um jene Schöpfungsmythen verschiedener Kulturen, die Wahrnehmungs- und Handlungsmuster bis heute prägen, andererseits um Fragen der Schöpfungstheologie und schließlich um Perspektiven einer Schöpfungsgerechtigkeit, die verschiedene Religionen weltweit in den Diskurs einer „Sorge um das gemeinsame Haus“ einbringen.

Foto: Klaus Vellguth/missio
Konferenz zur Schöpfungsspiritualität, Salta 2017.
Foto: Klaus Vellguth/missio
Konferenz zur Schöpfungsspiritualität, Bangalore 2019.

Schöpfungsspiritualität – Eine lateinamerikanische Perspektive

Bild: Juan Francisco Guzmán
Coverbild „Wir sind nur Gast auf Erden” des Tagungsbandes „Lateinamerikanische Schöpfungsspiritualitäten im Dialog".

Eine erste Kontinentaltagung, die Fragen der Schöpfungsspiritualität, Schöpfungstheologie und Schöpfungsgerechtigkeit in Lateinamerika fokussierte, fand im Jahr 2017 im argentinischen Salta mit der Tagung Wir sind nur Gast auf Erden – in Erinnerung an Berta Cáceres (1971–2016) statt. Diese Tagung  hat gezeigt, worauf die sogenannte Erdcharta uns verweist: „Wir stehen an einem kritischen Punkt der Erdgeschichte, an dem die Menschheit den Weg in ihre Zukunft wählen muss. […] Entweder bilden wir eine globale Partnerschaft, um für die Erde und füreinander zu sorgen, oder wir riskieren, uns selbst und die Vielfalt des Lebens zugrunde zu richten.”

In Salta wurde deutlich: Angesichts der globalen Herausforderung ermöglichen gerade die indigenen Kulturen Lateinamerikas eine wertvolle Perspektiverweiterung, um Fragen des gemeinsamen Lebens und Überlebens neu zu reflektieren. Mit ihrem relationalen Bezug zur Wirklichkeit können die indigenen Völker dazu beitragen, mit dem Neoliberalismus eng verbundene egozentrische Ideologien aufzubrechen und für alternative Wahrnehmungsmechanismen zu sensibilisieren, um gemeinsam eine ökologisch versöhnte Zukunft neu zu denken – und miteinander zu (er-)leben.

Die Dokumentation der Konferenz ist erschienen: Elisabeth Steffens/Carlo Maria Pagano Fernández/Klaus Vellguth (Hg.), Wir sind nur Gast auf Erden. Lateinamerikanische Schöpfungsspiritualität im Dialog (Edition Schöpfung, Bd. 1), Ostfildern 2019.

Schöpfungsspiritualität – Eine asiatische Perspektive

Bild: Jyoti Sahi
Coverbild „In der Schöpfung Heimat finden” des Tagungsbandes „Asiatische Schöpfungsspiritualitäten im Dialog”.

Die zweite Kontinentaltagung Schöpfungsspiritualität und Schöpfungstheologie mit ihrem Fokus auf den asiatischen Kontinent fand im Februar 2019 am Dharmaram Vidya Kshetram in Bangalore (Indien) statt. In einem ersten Schritt wurden Schöpfungsmythen in unterschiedlichen religiösen Traditionen fokussiert. Es ging dabei um die Frage nach dem Schöpfungsverständnis in den verschiedenen religiösen Traditionen, um Gemeinsamkeiten ebenso wie um Unterschiede. Dabei wurde gerade die Alterität als einen besonderen Wert der interreligiösen Tagung entdeckt, weil in ihr ja das zum Ausdruck kommt, was einzelne Religionsgemeinschaften als ihr Spezifikum in den interreligiösen Austausch einbringen können. Darüber hinaus wurde der Schöpfungsspiritualität in den großen asiatischen Religionen des Hinduismus, Buddhismus, Islam und Christentum fokussiert. Dabei ging es um die Frage, was es für die Angehörigen verschiedener religiöser Traditionen heißt, „in der Schöpfung“ zu sein. Abschließend beschäftigten sich die Teilnehmer der Konferenz mit der Frage, wie aus Sicht der großen asiatischen Religionen eine zeitgemäße Schöpfungsverantwortung gestaltet werden kann. Wie sollen und wollen wir gemeinsam in der Schöpfung leben? Hier wurden die aus religiösen, anthropologischen und ethnologischen Fundamenten erwachsenden ethischen Konsequenzen zur Sprache gebracht.

Die Beiträge der Konferenzen werden in Buchform dokumentiert.

Schöpfungsspiritualität – Eine afrikanische Perspektive

Bild: Anthony Nwachukwu
Coverbild für den Tagungsband „Afrikanische Schöpfungsspiritualitäten im Dialog”.

Im kommenden Januar 2020 findet eine dritte und letzte Kontinentaltagung mit Blick auf Fragen der Schöpfungstheologie und Schöpfungsgerechtigkeit auf afrikanischem Boden statt. Eingeladen werden Vertreterinnen und Vertreter des Islam, der Traditionellen afrikanischen Religionen, der pentekostalen Kirchen und der katholischen Kirche, um sich zu den jeweiligen Schöpfungsmythen sowie zu Fragen der Schöpfungsspiritualität und Schöpfungsgerechtigkeit auszutauschen.

Der größte Teil der Bewohner des Planeten bezeichnet sich als Glaubende, und das müsste die Religionen veranlassen, einen Dialog miteinander aufzunehmen, der auf die Schonung der Natur, die Verteidigung der Armen und den Aufbau eines Netzes der gegenseitigen Achtung und der Geschwisterlichkeit ausgerichtet ist.

 

Papst Franziskus, Laudato si’ 201

Schöpfungsverantwortung ist eine „wesentliche Dimension des kirchlichen Lebens auch in der Pastoral".

Die deutschen Bischöfe in: Der Klimawandel: Brennpunkt globaler, intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit, 61.

Buchreihe Edition Schöpfung

Band 1

Wir sind nur Gast auf Erden

Elisabeth Steffens / Carlos María Pagano Fernández / Klaus Vellguth (Hg.), Wir sind nur Gast auf Erden – Lateinamerikansiche Schöpfungsspiritualitäten im Dialog, Edition Schöpfung, Bd. 1, Ostfildern 2019.

Mehr dazu im missio-Blog »

Band 2

In der Schöpfung Heimat finden

Isis Ibrahim / Shaji Kochuthara / Klaus Vellguth (Hg.), In der Schöpfung Heimat finden – Asiatische Schöpfungsspiritualitäten im Dialog, Edition Schöpfung, Bd. 2, Ostfildern 2020.

Grünewald/missio

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Ihr Ansprechpartner

Professor Dr. mult. Klaus Vellguth

Abteilungsleiter Theologische Grundlagen
Tel.: +49 (0)241 / 75 07 - 351
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