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Pionierinnen der Hoffnung

So unterschiedlich die drei Frauen auch sind – eines ist ihnen gemeinsam: Sie alle brechen aus ihren vertrauten Bahnen aus und wagen etwas unerhört Neues – weil sie spüren, dass sie etwas tun sollen, zu dem kein anderer berufen ist. Sie ringen um ihre Entscheidung, erleben Ablehnung und stehen anfangs ziemlich alleine da. Drei kurze Geschichten über ungerade Glaubenswege und kirchliche Aufbrüche in Afrika.

Schwester Angélique Namaika, DR Kongo

Begonnen hat alles mit einem Baby, das eine todkranke Mutter ihr anvertraute. Damals war Schwester Angélique Namaika noch Augustinerschwester in Dungu, einer staubigen Stadt im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Sie nahm das Kind an sich – ohne Erfahrung, ohne Säuglingsmilch, ohne Erlaubnis ihrer Oberin. Aber die Worte der Mutter, die sich mit letzter Kraft  durch die Straßen schleppte, um jemanden für ihr Baby zu finden, hatten die Ordensfrau ins Mark getroffen.

„Ich habe verstanden, dass ich es war, den sie suchte.“

Bald bringen immer mehr Menschen Waisen und ausgesetzte Kinder zu ihr. Schwester Angélique weist keinen ab, doch ihr Engagement führt zu Spannungen mit ihrem Orden. Schließlich bittet sie darum, ihre Arbeit außerhalb des Konvents fortsetzen zu dürfen. Die Stadt überlässt ihr eine kleine Parzelle am Fluss, wo sie mit ihren Kindern in einer Lehmhütte lebt. Es ist das einzige Waisenhaus in Dungu und platzt bald aus allen Nähten.

Das einzige Waisenhaus in Dungu

Neben der ständigen finanziellen Not treibt Schwester Angélique eine andere Sorge um: Wer wird sich um die Waisen kümmern, wenn sie nicht mehr da ist? Während einer Pilgerreise bittet sie die selige Anuarite, eine von Rebellen ermordete kongolesische Ordensfrau, die sie seit ihrer Jugend verehrt, um Beistand. Und plötzlich weiß sie, was zu tun ist. Der Bischof von Dungu, der ihre Arbeit stets skeptisch gesehen hatte, unterstützt sie dabei, 2020 einen eigenen Orden zu gründen. Schwester Angélique nennt ihn nach der seligen Anuarite. 30 junge Frauen wollen ihrer Gemeinschaft beitreten. Im Herbst 2021 haben sie mit dem Postulat begonnen.

Schwester Angélique mit Kind Foto: Hartmut Schwarzbach / missio

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Schwester Stan Mumuni, Ghana

Schwester Stan, 51, mag es nicht, wenn jemand ihre Heimbewohner „Hexenkinder“ nennt. „Es sind  Gotteskinder wie alle Menschen“, versichert sie. „Unsere Mission ist es, sie zu retten, sie zu lieben und uns um sie zu kümmern.“ Keines der rund 100 Kinder, die bisher Obdach im Dorf Sang gefunden haben, würde ohne die Schwester heute noch leben. Sie sind Opfer eines in Nordghana immer noch tief verwurzelten Glaubens an Hexerei. Fast alle Schützlinge der Schwester waren als Neugeborene dem Tod geweiht und galten als „besessen“, weil sie mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung – oder als Zwillinge – zur Welt gekommen sind. Schwester Stans „Nazareth-Heim“ in Sang war für sie die letzte Rettung.

„Mir war aber schnell klar, dass ich diese Aufgabe hier nicht alleine bewältigen kann.“

Die umtriebige Ordensfrau folgt „Gottes Ruf“ und gründet einen Orden. Die endgültige Zulassung aus Rom wird es geben, wenn die Gemeinschaft mehr als 30 Mitglieder hat. Bisher haben fünf junge Schwestern ihre zeitlichen Gelübde abgelegt. Hinzu kommen zwei Novizinnen, zwei Postulantinnen und vier Aspirantinnen. Aus Platzgründen kann Schwester Stan jedes Jahr nur drei Neulinge aufnehmen. Die jungen Frauen werden nach der Ordensausbildung einen Beruf als Erzieherin, Lehrerin oder Sozialarbeiterin erlernen, um Schwester Stan im Heim entlasten zu können.

Vorbild Mutter Teresa

Die Mission der „Marianischen Schwestern der eucharistischen Liebe“ sei es, für Menschen auf aller Welt zu beten und sich um die ausgestoßenen Kinder zu kümmern, erklärt Schwester Stan. Dass dabei Mutter Teresa ein großes Vorbild ist, daraus macht die Ordensgründerin keinen Hehl.

Schwester Stan umarmt Sarah, der sie das Leben gerettet hat. Foto: missio

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Schwester Marie Catherine Kingbo, Niger

Als Schwester Marie Catherine Kingbo sich auf das Abenteuer ihres Lebens einlässt, ist sie 52 Jahre alt. Sie gehört zu den „Töchtern des Heiligen Herzens Mariens“ im Senegal und war lange Generaloberin ihres Ordens. Doch während eines Sabbatjahrs spürt sie, dass sie noch zu etwas anderem berufen ist. Sie möchte Christi Liebe an Menschen weitergeben, die sie noch nie erfahren haben – an Menschen in einem muslimischen Land. Ihre Wahl fällt auf den Niger, den ärmsten Staat der Welt. Dort gründet sie 2006 die „Gemeinschaft der  Dienerinnen Christi“.

Am Anfang ist sie allein mit der Postulantin Claire. Sie gehen in die Dörfer, wo die Getreidespeicher oft Monate vor der nächsten Ernte leer sind, die Menschen hungern und kein Kind zur Schule geht.

„Als ich die Armut gesehen habe, habe ich nächtelang geweint“, sagt Schwester Marie Catherine und setzt sich fortan mit ganzer Kraft dafür ein, die Not zu lindern. Ihre junge Gemeinschaft wächst schnell. Die Schwestern teilen das einfache Leben der Dorfbewohner. Sie zeigen den Frauen, wie sie mit der Herstellung von Seife oder einer Hühnerzucht Geld verdienen können, und klären sie über Ernährung und Gesundheit auf.

Gegen Zwangs- und Kinderehe

Bald interessieren sich auch die Männer. Die Ordensfrauen laden Dorfchefs und Imame zu interreligiösen Treffen ein und sprechen mit ihnen über Dialog und Entwicklung. Inmitten einer muslimischen Gesellschaft erwerben sie sich so Ansehen, brechen Traditionen wie Zwangs- oder Kinderehe auf – und langsam verändert sich etwas. Schwester Marie Catherine starb im Mai 2021. Schwester Claire, die Postulantin von damals, setzt ihr Werk fort und ist neue Oberin von 21 Schwestern in vier Gemeinschaften.

Schwester Marie Catherine Kingbo vom Orden „Franternité des Servantes de Christ” besucht das Dorf Sabiro Village. Foto: Hartmut Schwarzbach / missio