Recyclingwende jetzt: Vom Engagement zur politischen Forderung
Vor anderthalb Jahren haben wir unsere Forderung nach einer Recyclingwende in Deutschland gestartet, doch noch immer bleibt vieles beim Alten: Die gesetzlich vorgegebene EU-Sammelquote für Elektroschrott wird weiterhin verfehlt. Unsere zehnjährige Erfahrung mit der Handyspendenaktion verdeutlicht, dass das Engagement aus der Zivilgesellschaft allein reicht nicht. Während wir Hunderttausende Altgeräte gesammelt haben, hat sich die Zahl der Handys, die ungenutzt in deutschen Schubläden liegen, in den letzten Jahren sogar verdoppelt.
Deshalb gehen wir jetzt den nächsten Schritt und fordern die Bundesregierung ganz konkret auf, die Kreislaufwirtschaft wirksam zu stärken durch die Einführung eines Handypfands. Nur wenn politische Rahmenbedingungen verändert werden und die Rückgabe von Mobiltelefonen zur Selbstverständlichkeit wird, können wir die wachsenden Handyberge eindämmen und wertvolle Rohstoffe im Kreislauf halten. Jetzt ist der Moment, um aus guten Vorsätzen ins konkrete Handeln zu kommen.
Wir fordern ein Handypfand!
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Was ist Elektroschrott?
Elektroschrott ist eines der am schnellsten wachsenden Abfallprobleme weltweit. Er hat gravierenden Folgen für die Umwelt, Gesundheit und globale Gerechtigkeit.
Elektroschrott umfasst alle ausgedienten Elektro- und Elektronikgeräte. Vom Smartphone über die Waschmaschine bis zum Spielzeug mit Batterie. In ihnen stecken wertvolle Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Kobalt und seltene Erden, aber auch giftige Stoffe wie Blei und Quecksilber. Werden Altgeräte falsch entsorgt, gelangen diese Schadstoffe in Böden, Luft und Gewässer und gefährden Menschen und Ökosysteme dauerhaft.
Deutschlands Elektroschrottproblem
Deutschland gilt als „Recycling-Weltmeister“, gehört beim Elektroschrott aber zu den europäischen Schlusslichtern. Die EU schreibt seit 2019 eine Sammelquote von 65 Prozent für Elektroaltgeräte vor, tatsächlich werden in Deutschland aber seit Jahren deutlich unter 40 Prozent erreicht. 2022 lag die Sammelquote nur noch bei rund 31,7 Prozent, 2023 sogar bei etwa 29,5 Prozent, was weniger als die Hälfte des EU-Ziels darstellt. Gleichzeitig wächst der Berg an Geräten weiter. Pro Kopf fallen hierzulande rund 12,5 Kilogramm Elektroschrott im Jahr an und Deutschland gehört zu den EU-Staaten mit dem höchsten Absatz neuer Elektrogeräte. Millionen Handys und andere Kleingeräte verschwinden zudem in Schubladen, statt gesammelt und recycelt zu werden. Allein die Zahl der ungenutzten Mobiltelefone in deutschen Haushalten hat sich in den letzten zehn Jahren von etwa 100 auf 200 Millionen verdoppelt.
Agbogbloshie: Elektroschrott und seine Folgen in Ghana
Agbogbloshie ist eine große Elektroschrotthalde und zugleich ein Stadtteil der ghanaischen Hauptstadt Accra, in dem rund 150.000 Menschen leben. Hier werden täglich tonnenweise Elektrogeräte aus aller Welt angeliefert, darunter auch Altgeräte aus Deutschland. Arbeiterinnen, Arbeiter und Kinder zerlegen Computer, Fernseher und Handys meist ohne Schutz, um Kupfer, Aluminium und andere Metalle zu gewinnen. Häufig werden Kabel und Bauteile auf offenen Feuern verbrannt, wodurch hochgiftige Dämpfe und Feinstaub freigesetzt werden. Studien zeigen stark erhöhte Konzentrationen von Schwermetallen wie Blei, Kupfer oder Chrom in Boden, Luft und im Blut der Menschen vor Ort. Insbesondere die Kinder sind von neurologischen und entwicklungsbedingten Erkrankungen bedroht. Während die Gesundheit der Bevölkerung und die Umwelt in Ghana massiv belastet werden, gehen zugleich wertvolle Rohstoffe verloren, die zuvor oft unter problematischen Bedingungen, wie etwa in den Minen im Kongo, abgebaut wurden.
Globale Verantwortung und Kreislaufwirtschaft
Elektroschrott ist damit nicht nur ein Müllproblem, sondern eine Frage von Umwelt- und Ressourcenschutz, strategischer Souveränität und globaler Gerechtigkeit. Deutschland ist rohstoffarm und gleichzeitig stark von importierten, teils konfliktbehafteten Mineralien abhängig. Wenn diese Materialien über illegale Exporte verloren gehen, dann wächst die geopolitische Abhängigkeit von wenigen Lieferstaaten. Anstatt Verantwortung für den eigenen Elektroschrott zu übernehmen, werden soziale und ökologische Folgen in Länder des Globalen Südens ausgelagert. Das Ergebnis dieser Vorgehensweise sieht man an Orten wie Agbogbloshie. Durch eine effektive Kreislaufwirtschaft kann man dem aktuellen Modell entgegenwirken, in dem Geräte langlebig, reparierbar und recycelbar gestaltet werden, Rohstoffe so lange wie möglich im Kreislauf bleiben und Abfallverminderung klar vor Ressourcenverbrauch steht.
Was sich ändern muss: Handypfand und starke Regeln
Damit weniger Elektroschrott in Orten wie Agbogbloshie landet und Deutschland seine Verantwortung wahrnimmt, braucht es politische und gesellschaftliche Veränderungen. Dazu gehören neben der Einführung eines Handypfands sicherlich auch die Einsetzung flächendeckender, einfacher und kostenloser Rücknahmesysteme, eine Stärkung von Reparatur und Wiederverwendung, strengere Hafen- und Zollkontrollen, höhere Strafen und internationale Kooperation gegen illegale Exporte sowie der Einsatz Deutschlands für einen starken EU-weiten Rechtsrahmen, etwa durch die Unterstützung eines ambitionierten „Circular Economy Acts“, den die EU-Kommission bis Ende 2026 auf den Weg bringen möchte. Dieser soll eine funktionierende Kreislaufwirtschaft im Binnenmarkt absichern, Umweltbelastungen verringern und die Abhängigkeit von Primärrohstoffen und instabilen Lieferketten reduzieren.
Verantwortung übernehmen – jetzt handeln
Elektroschrott ist nicht nur eine Frage der Entsorgung, sondern auch eine Frage von Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und politischer Verantwortung. Deutschland steht in der Pflicht, seine Sammelquoten zu verbessern, illegale Exporte zu verhindern und eine echte Kreislaufwirtschaft zu etablieren.
Nur so kann verhindert werden, dass Orte wie Agbogbloshie weiterwachsen und dass die Folgen unseres Konsums weiterhin auf andere Teile der Welt ausgelagert werden.
Initiativen wie missios Handyspenden-Aktion und Projekte wie das „Guardian Angel Day Care Center“ in der Nähe von Agbogbloshie zeigen, wie konkretes Handeln aussehen kann. Sie verbinden Hilfe für Kinder vor Ort mit dem Aufbau eines verantwortungsvolleren Umgangs mit Elektronik in Deutschland. Nun wollen wir den nächsten Schritt gehen. Fordern Sie mit uns gemeinsam die Einführung eines Handypfands , um ein Zeichen für eine echte Kreislaufwirtschaft zu setzen!