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Schwester Lorena: „Sitze. Höre. Und bleibe.“

Heftiger Regen prasselt auf die Windschutzscheibe. Wasser spritzt in den Jeep. Schwester Lorena umkurvt die unzähligen Schlaglöcher auf der Schotterpiste und lacht. Weder schlechtes Wetter noch miserable Straßen machen ihr etwas aus. Dafür hat die Schweizer Ordensfrau in den letzten vier Jahrzehnten auf Papua-Neuguinea schon zu viel erleben müssen.

Da gab es die Jahre der blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Clans im Hochland der Hauptinsel Neuguinea. Die Ordensfrau von der Gemeinschaft der Baldegger Franziskanerinnen las Verwundete beider Seiten an den Straßen auf und brachte sie zum Arzt. Eine gefährliche Mission. Doch sie wagte das riskante Unternehmen. Mittlerweile ist die resolute Schweizerin bei allen Menschen in der Region bekannt und wird respektiert.

Foto: Bettina Flitner/missio
Schwester Lorena Jenal stiftet Frieden zwischen verfeindeten Volksgruppen.

Ihre Lebensaufgabe an der Seite der Schwachen

Als Schwester Lorena Ende der 1970er Jahre nach Papua-Neuguinea kam, kam es ihr vor wie ein Land, „in dem noch Steinzeit herrschte“. Sie traf auf Pfeil und Bogen, Frauen in Grasröcken und Männer in Lendenschürzen, Lagerfeuergeschichten und Naturreligionen. Und sie begegnete offenherzigen Menschen, die sie wie ein Familienmitglied aufnahmen. „Ich habe mich sofort zuhause gefühlt“, erinnert sie sich.

Inzwischen hat sich das Land modernisiert, die Probleme haben sich verlagert. Vom vermeintlichen Reichtum an Erdöl und Erdgas, dessen Potenzial Ölfirmen realisiert haben, spürt die Bevölkerung nichts. Im Gegenteil: Unzufriedenheit und Armut beherrschen das Land. Das führt zu Problemen mit Alkohol, Drogen, Prostitution und Aids. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so viel Leid und Gewalt erleben werde.“

Am Herzen liegen Schwester Lorena besonders Frauen und Kinder. Sie sind am meisten gefährdet. „Gewalt in der Familie ist ein zentrales Thema“, erzählt sie. „Besonders wenn Alkohol im Spiel ist, kommt es schnell zu Streit. Frauen, die mit einem blauen Auge oder gebrochenem Arm bei mir Zuflucht suchen, sind keine Seltenheit.“

Hexenverfolgung als neues Phänomen

Seit 2012 beobachtet Schwester Jenal eine neue Problematik: der Glaube an Hexen. Frauen, aber auch Männer, müssen als Sündenbock für Unerklärliches herhalten. Sie werden verfolgt und auf's Übelste gefoltert ‒ innerhalb eines Jahres hat sich Schwester Jenal um 18 Opfer gekümmert ‒ 13 Frauen und fünf Männer.

In der Fürsorge sieht Schwester Lorena ihre Aufgaben: Geborgenheit schenken, Trost spenden, sich mit den Menschen freuen. Die Schwester bildet katholische Paare aus, um der Gewalt in Familien entgegenzuwirken. Sie kümmert sich um HIV-infizierte Mädchen, die von ihren Familien verstoßen wurden. Dem Hexenglauben setzt sie Aufklärung entgegen. Am wichtigsten ist ihr, bei ihren Einsätzen zwischen Krankenhaus, Polizeistation und Gericht den Menschen stets nahe zu bleiben. Als menschlicher Wegweiser versucht sie, die Situation der Schwachen im Land ein bisschen zu verbessern.

Ich selbst bin eine Brücke,
um die Menschen in ihre persönliche Freiheit zu führen.

Auf die Frage, wie lange sie in Papua-Neuguinea bleibt, lacht Schwester Jenal. „Es gibt einen schönen Spruch, den ich noch aus meiner Studienzeit kenne: Sitze. Höre. Und bleibe. Das ist das allerwichtigste.“

Von Bettina Tiburzy/Nadine Ortmanns

Helfen Sie, die grausame Hexenverfolgung zu beenden!

Glaubenszeugin Lorena Jenal

Hexenverfolgung heute

Hilferuf aus Papua Neuguinea. Von grausamen Menschenrechtsverletzungen berichtet die missio-Projektpartnerin Schwester Lorena. Sie kämpft gegen die Hexenprozesse, bei denen unschuldige Frauen öffentlich gefoltert werden. missio unterstützt die Ordensschwester bei ihrem Engagement gegen die himmelschreiende Ungerechtigkeit.

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