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Gott wirkt durch das Unscheinbare
Gottesdienst mit dem Recyclingkreuz

Mit dem missio-Recyclingkreuz machen wir auf den Kreislauf alter Handys, Tablets und Elektrogeräte aufmerksam.

Dieser Gottesdienst lädt ein, sich dem Kreuz spirituell zu nähern: Sie setzt Impulse für tiefen Respekt gegenüber Gottes bedrohter Schöpfung und ermutigt zu Hoffnung und eigenem Engagement.

 

Das Kreuz wurde aus den Messingrohren alter Klimaanlagen am Rande der Elektroschrotthalde Agbogbloshie/Ghana gefertigt und kombiniert mit alten Handys, die Bilder vom gefährlichen Rohstoffabbau in der Demokratischen Republik Kongo zeigen. So schlägt es den Bogen vom Abbau der Ressourcen über ihre Nutzung bis hin zur Entsorgung. Doch das Recyclingkreuz lenkt unseren Blick nicht nur auf Ausbeutung und Zerstörung – es ist auch ein Zeichen der Hoffnung auf eine gerechtere Welt, für einen bewussten Umgang mit Ressourcen und für die Bewahrung der Schöpfung.

Ein junger Mann steht in einem Schrottplatz und hält ein goldenes Kreuz in der Hand. Im Hintergrund sind große Mengen von Altgeräten wie Klimaanlagen und Fernsehern sichtbar. Der Himmel ist blau und es gibt an manchen Stellen Wolken.
Salifu Iddriss hat das Messingkreuz aus Elektroschrott von der illegalen Müllkippe Agbogbloshie in Accra (Ghana) hergestellt.

Material

Einstieg

Ich war nicht immer ein Kreuz. Ich bin ein Geschöpf aus Feuer, Gift und fernen Tränen. Einst war ich nichts als kaltes Messing in euren Maschinen, ein namenloses Teil in eurem grenzenlosen Komfort. Dann wurde ich zum Abfall degradiert und weggeworfen. Ich landete in einem Container und überquerte Meere. Mein Ziel war die Hölle von Accra in Ghana. Dort, unter dem rußschwarzen Himmel von Agbogbloshie, lag ich im Schlamm. Ich war Schrott. Gift. Ein Teil eines Berges aus Schrott, der zum Himmel stinkt. Ich war das hässliche Ende eurer Gier.

 

Doch dann spürte ich Hände. Die warmen, rauen Hände eines Müllsammlers.

 

Er riss mich aus dem Dreck. Er bog mich, legte mich ins Feuer und zwang mich in diese Form. Er gab mir Arme, die sich weit ausstrecken wie zum Schrei, aber auch wie zur Umarmung.

 

In Deutschland fraßen sich dann fremde Körper in mein Fleisch: Alte Handys, stumme Zeugen eurer Gespräche, und Bilder aus den tiefen Minen des Kongo. Ich spüre das Echo der Minenarbeiter in meinen Gliedern. Ich bin schwer geworden. Ich trage das Gewicht eures Konsums und die Tränen derer, die für eure Rohstoffe schuften.

 

Man hat mich nach Rom gebracht. Ich fühlte den heiligen Boden des Vatikans. Ich zitterte, als ich den Atem von Papst Leo XIV. spürte. Seine sanfte Hand berührte mein kaltes Metall und er sprach den Segen über mich.

 

Ich bin mehr als nur Kunst: Aus dem Müll der Welt wurde ein Segen. Aus dem Schrott wurde ein Gebet. Seht also in mir das, was die Welt übersieht: Dass Gott im Unscheinbaren wohnt und wirkt.

 

Ich stehe heute vor euch als Mahnmal und als Versprechen. Ich bin der Beweis, dass nichts und niemand jemals wertlos ist. Ich wurde aus eurer Verschwendung geboren, um euch den Weg zur Umkehr zu zeigen. Ich bin das Kind einer globalen Gemeinschaft, die sich weigert, die Augen zu verschließen.

 

Seht mich an. Was seht ihr in mir? Eure Vergangenheit oder unsere gemeinsame Zukunft?

Liedruf

  • Ubi caritas et amor (Taizé, GL 285)
Ein Haufen alter, defekter Mobiltelefone, darunter verschiedene Modelle und Marken. Einige Geräte haben zerkratzte Bildschirme und sind mit Staub und Schmutz bedeckt. Die Telefone liegen übereinander, was auf eine Ansammlung von ausgedienten Mobilgeräten hinweist.
Ein Handwerker sitzt an einem Tisch und bearbeitet ein großes Kreuz aus Metall. Er hält ein Werkzeug in der Hand und konzentriert sich auf seine Arbeit. Der Tisch ist unordentlich, mit verschiedenen Werkzeugen und Materialien um ihn herum.
Eine Gruppe von Menschen steht zusammen: der Papst in einem weißen Gewand, eine Nonne in blauer Kleidung, und weitere Personen. Eine Person hält ein großes, vergoldetes Kreuz. Alle blicken freundlich in die Kamera. Die Umgebung ist mit Stühlen und einer neutralen Bodenfläche gestaltet.

Liturgische Eröffnung

Im Namen Gottes, der uns die Welt als Garten anvertraut hat,
im Namen des Sohnes, der die Last der Welt am Kreuz trug,
und im Namen des Heiligen Geistes, der uns die Kraft zur Umkehr schenkt.
Amen.

Einführung

Dieses Kreuz, das wir gerade gewissermaßen selbst sprechen gehört haben, ist kein gewöhnliches Objekt. Es ist ein Zeuge. Es erzählt uns, dass nichts verloren ist bei Gott. Aber es klagt uns auch an.

Dieses Kreuz ist das Ergebnis einer kraftvollen Allianz. missio Aachen hat mit diesem Recyclingkreuz eine Brücke geschlagen: Von den brennenden Halden von Agbogbloshie über die Künstlerwerkstätten bis in den Vatikan zu Papst Leo XIV.

Es ist ein Herzstück der Aktion Schutzengel. Es flüstert uns zu: „Du bist verantwortlich.“ Es zeigt uns, dass Elektroschrott kein technisches Problem ist, sondern eine moralische Frage. Das Kreuz fragt uns: Wie gehen wir mit den Menschen um, die unseren Wohlstand mit ihrer zerstörten Umwelt, mit ihrer Gesundheit und oft sogar mit ihrem Leben bezahlen? Dass Papst Leo XIV. dieses Kreuz gesegnet hat, ist ein Zeichen: Die Kirche schaut nicht weg. Sie segnet das, was die Welt wegwirft, und macht es zur Mitte unserer Aufmerksamkeit. Das Kreuz ist ein Mahnmal der Verantwortung, aber auch ein Hoffnungszeichen: Wenn wir achtsam mit Ressourcen umgehen, gestalten wir Wandel.

Lesung

Denn die Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Gewiss, die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin: Denn auch sie, die Schöpfung, soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.

Röm 8,19-22

 

Liedruf

  • Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (GL 450)

Impuls

Wenn wir dieses Recyclingkreuz betrachten, sehen wir Dinge, die ihre ursprüngliche Bestimmung verloren haben. Es sind Reste. In unserer Gesellschaft gilt oft: Was einen Riss hat, was nicht mehr funktioniert, was unansehnlich geworden ist, gehört aussortiert.

Gott hat eine andere Ästhetik.

In Japan gibt es die Kunst des Kintsugi. Wenn eine wertvolle Schale zerbricht, wirft man sie nicht weg. Man klebt die Scherben mit einem Lack, der mit echtem Goldstaub gemischt ist. Die Risse werden nicht versteckt, sie werden golden hervorgehoben. Die Schale ist danach wertvoller als zuvor, nicht obwohl, sondern weil sie zerbrochen war und wiederhergestellt wurde.

Dieses Kreuz hier ist ein Recyclingkreuz. Erstellt aus dem, was wir nicht mehr brauchen. Sein Körper besteht aus Schrott, aus dem, was wir weggeworfen haben. Es trägt das Leid und den Schweiß der Menschen, die unseren verschwenderischen Wohlstand ermöglichen.

Gleichzeitig zeigt es, dass Wiedergutmachung und Umkehr möglich sind. Das Kreuz erinnert uns: Jede bewusste, von Liebe getragene Tat ist ein Stück Wiedergutmachung. Wir haben es in der Hand, aus Altem, Gebrochenen etwas Neues, Edles entstehen zu lassen.

Gott sagt uns nicht: „Werde erst perfekt, damit ich dich brauchen kann.“ Er sagt: „Gib mir deine Bruchstücke, und ich webe daraus eine neue Geschichte.“

 

Ruhige, instrumentale Hintergrundmusik (z.B. Cello oder Klavier).

Ein Kreuz, gefertigt aus Mobiltelefonen und elektronischen Teilen, steht auf einem alten Metallbehälter. Es symbolisiert den Einfluss der Technologie auf das Leben. Der Hintergrund ist eine einfache, hellgraue Wand, die die Aufmerksamkeit auf das Kreuz lenkt.

Aktion: „Goldene Spuren“

Alle Teilnehmenden erhalten ein Stück des vorbereiteten „Abfallpapiers“. Die Teilnehmenden werden eingeladen, mit den Fingern die rauen, gerissenen Kanten ihres Papierstücks nachzufahren.

 

Reflektion

  • „Wo gibt es in Ihrem Leben eine Kante, eine Bruchstelle oder etwas Unscheinbares, das Sie normalerweise lieber verbergen würden? Ein Vorhaben, das anders ausging als geplant? Eine Schwäche, die Sie begleitet?“

Veredelung

  • Die Teilnehmer/-innen ziehen nun die Bruchkante ihres Papierstücks mit dem Goldstift nach. Sie machen den „Makel“ sichtbar und wertvoll.

Ablegen

  • Die vergoldeten Fragmente werden schweigend zum Recyclingkreuz gebracht und darum herum (oder an den Fuß des Kreuzes) gelegt.

Gemeinsames Gebet

  • Gott,
    wir bringen dir unsere vergoldeten Scherben.
    Wir bringen dir das, was in unseren Augen wenig wert ist:
    Unsere Müdigkeit, unsere unfertigen Pläne, unsere Narben.
    Danke, dass du ein Gott bist, der das Unscheinbare liebt.
    Danke, dass du in den Rissen unseres Lebens wohnst.
    Mache uns zu Menschen, die auch im Nächsten nicht zuerst
    den Fehler suchen, sondern die goldene Spur deiner Gnade.
    Amen.

Liedruf

  • Meine Hoffnung und meine Freude (Taizé, GL 365)

Fürbitten

Gott, du Schöpfer des Lebens,
dieses Kreuz aus verschrottetem Messing und Kunststoffen hält uns den Spiegel vor.

Wir bitten dich:

  • Für die Partner von missio weltweit: Stärke alle, die sich gegen die illegale Entsorgung von Elektroschrott wehren und die Würde der Menschen in Afrika verteidigen.

Herr, höre uns.

  • Für die Kinder und Arbeiter in den Minen des Kongo: Dass die Rohstoffe in unseren Handys nicht länger mit Blut und Tränen bezahlt werden müssen.

Herr, höre uns.

  • Für die Kirche: Dass der Segen von Papst Leo XIV. über diesem Kreuz uns alle daran erinnert, dass der Schutz der Schöpfung keine Option, sondern unsere heilige Pflicht ist.

Herr, höre uns.

  • Für unsere Gemeinde und uns selbst: Dass wir die „Aktion Schutzengel“ praktisch werden lassen, durch Teilen, Recyceln und einen achtsamen Lebensstil.

Herr, höre uns.

 

Guter Gott,
lass dieses Kreuz für uns nicht nur ein Kunstwerk sein.
Lass es ein Motor des Wandels werden.
Hilf uns zu erkennen:
Wenn wir unsere Ressourcen ehren, ehren wir dich.
Amen.

Vater unser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne unsere Augen,
damit wir die Not der Fernen sehen.

Gott segne unsere Hände,
damit wir das Alte zum Guten wenden.

Gott segne unser Herz,
damit wir die Schöpfung lieben.

So segne uns der dreieinige Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist

Amen.

 

Lied

  • Bewahre uns, Gott (GL 453)
Zwei Kinder spielen auf einem abgebrannten Gelände. Ein Kind zieht einen brennenden Reifen, während ein anderes zuschaut. Im Hintergrund sind Müll und einfache Wohngebäude zu sehen. Der Himmel ist bewölkt, und Rauch steigt auf.
Kinder verbrennen Kabel auf der Elektroschrotthalde in Ghana.

Gerne können Sie sich den Gottesdienst auch herunterladen und ausdrucken.

Hier downloaden (PDF, 785 KB)

„Ich war nicht immer ein Kreuz“: Das Recyclingkreuz ist Mahnmal und Hoffnungszeichen zugleich. 

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Hilfe für die Kinder der Elektroschrotthalde

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