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Was ist Spiritualität?

„Spiro“ (lateinisch) bedeutet „ich atme“. Spiritualität bezeichnet das geistige oder innere Leben in Gegenüberstellung zum Materiellen, Sichtbaren.

Spiritualität lenkt unseren Blick von der Oberfläche in die Tiefe. Sie fragt nach dem Ewigen im Zeitlichen, nach dem Woher, Wozu und Wohin.

Unruhig ist unser Herz,
bis es ruht in dir.
Augustinus

Spiritualität antwortet auf unser Grundbedürfnis nach Sinn, nach unserem Platz in der Welt. Im christlichen Verständnis ist Spiritualität Heimweh nach Gott. Und es ist Gott selbst, Gott in uns, der diese Sehnsucht weckt.

Foto: Hartmut Schwarzbach/missio

Impulse einer missionarischen Spiritualität

Wenn du es sagen kannst, dann ist es nicht Gott.
Augustinus

Spiritualität lenkt unseren Blick von der Oberfläche in die Tiefe. Sie fragt nach dem Woher, Wozu und Wohin unseres Lebens. Sie berührt den Einheitsgrund, den wir Gott nennen. Und sie ist ein Übungsweg, um unsere Existenz in dieser Realität zu begründen. Spiritualität hat vielfältige Orte und Formen, sie ist individuell und gemeinschaftlich, sie ist privat und politisch. Gebet, Liturgie, Meditation, Exerzitien, Fasten und Pilgern sind nur ein kleiner Ausschnitt ihrer Ausdrucksmöglichkeiten.

Meditationskurse

Kehre in den Grund zurück, aus dem du gekommen bist.
Meister Eckhart

Die Meditationskurse, die der indische Jesuit P. Sebastian Painadath seit Jahrzehnten auch in Deutschland anbietet, vereinen östliche und westliche Spiritualität, Meister Eckhart und die Upanishaden.

Der Fremde trägt eine Verheißung in sich.
Christian de Chergé OCSO

„Die Unterschiedlichkeit ist ein privilegierter Weg zu Gott. Nachdrücklich betont die biblische Offenbarung, wie wichtig es ist, dem Fremden Aufnahme zu gewähren, nicht so sehr aus Liebe zu ihm, sondern gerade aufgrund seines Fremd-Seins.“ Christian de Chergé war französischer Trappist und Prior des Klosters Notre-Dame de l’Atlas in Tibhirine, Algerien. Die Gemeinschaft lebte mit ihren muslimischen Nachbarn friedlich zusammen, half den Bedürftigen und förderte den Dialog. Die sieben Mönche wurden 1996 unter nicht geklärten Umständen ermordet. Ihr Leben wurde 2010 in dem Film „Von Menschen und Göttern“ verfilmt.

Arme Kirche für die Armen

Eine arme Kirche für die Armen.
Katakombenpakt 1965

Das gelobte eine Gruppe von Bischöfen gegen Ende des 2. Vatikanischen Konzils, maßgeblich beeinflusst von den Erfahrungen lateinamerikanischer Christen. Eine von der Lebenserfahrung der Armen geleitete Bibelauslegung und eine prophetische Stimme für Recht und Gerechtigkeit prägen den spirituellen Reichtum der Kirche in Lateinamerika.

Ubuntu – ich bin Mensch, weil du Mensch ist.
Erzbischof Desmond Tutu

Christliche Spiritualität ist nicht Erleuchtung oder Selbstoptimierung des Individuums. Die Gemeinschaft ist der tragende Grund menschlichen Lebens, sie umschließt die Lebenden und die Ahnen. Die Kosmovisionen afrikanischer Kulturen führen uns diese Verwiesenheit lebendig vor Augen.

Foto: David Sünderhauf/missio

Alles ist mit allem verbunden.
Papst Franziskus

Er hat sich nach dem Hl. Franziskus benannt und dessen Sonnengesang Laudato Si‘ zum Titel seiner Enzyklika Über die Sorge für das gemeinsame Haus gewählt. Papst Franziskus weitet die Option für die Armen über uns Menschen hinaus und bezieht die geschundene Schöpfung mit ein. Als Mitgeschöpfe tragen wir Verantwortung für unseren Planeten. Das Universum ist ein Ausdruck der Zärtlichkeit Gottes, das Staunen über seine Schönheit der Motor für unsere Rettung.

Sich nicht einschließen in die Probleme der kleinen Welt, zu der wir gehören.
Dom Hélder Camara

Eine missionarische Spiritualität lässt neue Horizonte entdecken. Ihr Motor ist die weltweite Glaubensgemeinschaft der Kirche, ihre Lebensader die Leidenschaft für die Menschen. Missionarische Spiritualität entgrenzt, sie macht in der Offenheit für andere keine Unterschiede. Sie atmet Entdeckungsfreude und die Neugier auf die Begegnung mit dem Unbekannten. Damit ist eine missionarische Spiritualität das Gegenteil von dem, was Papst Franziskus als eine Spiritualität des Wohlbefindens entlarvt, die sich ohne Gemeinschaft und ohne geschwisterlichen Einsatz auf die innere Suche beschränkt (Evangelii Gaudium 90, Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus).

Von Dr. Katharina Bosl von Papp

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